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Begehrte Stoßzähne: Die weltweite Nachfrage nach Elfenbein ist noch immer groß. 

Artenschutz

Zähne gezeigt

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Elfenbein darf auch weiter nicht gehandelt werden – das bekräftigen Regierungsvertreter und Tierschützer auf der Artenschutzkonferenz Cites. Nun drohen afrikanische Länder mit dem Austritt aus der Konvention.

Unter Nichtregierungsorganisationen sind Triumphe so selten wie das Lachen von Delfinen in kalten Gewässern. Doch gestern war es mal so weit. „Großer Gewinn für den globalen Artenschutz“, titelte die Organisation „Pro Wildlife“ zum Abschluss der 18. Cites-Konferenz in Genf: Der Schutz bedrohter Tiere habe einen raren Sieg errungen.

Tatsächlich vermochten Regierungsvertreter und Artenschützer aus 183 Nationen in den elf Tagen ihrer Zusammenkunft Beachtliches zu leisten. Sie stellten 142 Tier- und 20 Pflanzenarten unter besseren Schutz, bearbeiteten 101 Arbeitsdokumente und 56 Listungsanträge. Und vor allem: Sie schmetterten drei Anträge zur Aufweichung des internationalen Handelsverbots für Elfenbein und Nashorn ab.

Außerdem nahmen sie erstmals Giraffen unter ihren Schutz und schlossen weitgehend aus, dass wilde Elefanten weiterhin eingefangen und in ferne Zoos gesperrt werden dürfen. Der Triumph hat allerdings auch seine Schattenseiten: Mehrere Regierungen im südlichen Afrika sind über die Entscheidungen dermaßen erbost, dass sie erwägen, aus der 1973 gegründeten „Konvention zum Internationalen Handel bedrohter Tier- und Pflanzenarten“ (Cites) auszutreten.

Das könnte der labilen Allianz den Todesstoß versetzen. Schließlich leben im Süden des afrikanischen Kontinents die meisten der bedrohten großen Säugetierarten: 70 Prozent aller Elefanten, fast 100 Prozent aller Rhinozerosse, ein Großteil aller Giraffen. Mit Südafrika, Namibia, Botswana, Sambia und Simbabwe verfügt die Südspitze über die schönsten und größten Naturreservate Afrikas, mit ihnen können sich höchstens noch die tansanischen und kenianischen messen.

Würden diese Staaten Cites den Rücken kehren – es käme dem Austritt Saudi Arabiens aus der Opec gleich. Paradoxerweise hängt die Verstimmung über die Beschlüsse mit den Erfolgen der Süd-Afrikaner im Tierschutz zusammen. Sie wollten durchsetzen, dass sie zumindest Teile ihrer riesigen Elfenbeinvorräte verkaufen und damit Millionen einnehmen können. Auf diese Weise wollten sie ihre teuren Schutzmaßnahmen finanzieren.

Wenn Cites dafür kein Verständnis zeige und stattdessen ihre Anstrengungen noch weiter erschwere, habe ein Verbleib in der Organisation keinen Sinn, drohte Namibias Umweltminister Pohamba Shifeta. Dass ausgerechnet ihre ehemaligen europäischen Kolonialherren und deren Naturschutzverbände ein totales Handelsverbot für Elfenbein und Nashörner verlangen, trägt zur Verstimmung bei. Erst hätten sie alle eigenen wilden Tiere umgebracht, um dann anderen vorzuschreiben, wie sie die ihren schützen sollen, erbost sich Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa – keineswegs zu Unrecht.

Natürlich geht es den Europäern und ihren Tierschützern nicht wirklich um die Elfenbeinbestände der Afrikaner, die zumeist von gestorbenen Tieren stammen. Eher wollen sie verhindern, dass durch die Aufweichung des strikten Handelsverbots auch der Schmuggel wieder auflebt. Ihr Ziel ist es, die abstruse Nachfrage nach Elfenbein – für fragwürdige Schmuckstücke etwa – und nach Nashorn – zum Beispiel gegen männliche Potenzprobleme – ein für allemal zu stoppen: ein sowohl lobenswerter wie notwendiger Vorsatz.

Und doch: Solange die Lieferanten für den irrsinnigen Welthandel nicht mitgenommen werden, sind sämtliche Bemühungen der Tierschützer zum Scheitern verurteilt. Ihre guten Beziehungen nach Fernost werden den Süd-Afrikanern stets einen Absatzmarkt für ihre „natürlichen Ressourcen“ garantieren: ob mit oder ohne den Segen von Cites. Solange die Bevölkerung in diesem Teil der Welt davon überzeugt ist, dass sie die Zeche für den Schutz der letzten großen Wildtierbestände bezahlt, werden sie sich von den Naturzerstörern in anderen Erdteilen nicht reinreden lassen. Warum sollten sie auch?

Das Ausmaß der Zeche wird von niemandem bezweifelt. Dorfbewohner, die neben uneingezäunten Wildreservaten leben, müssen damit rechnen, dass ihre Felder zertrampelt, ihre Hütten zerstört oder dass sie sogar selbst getötet werden. Die Betreiber von Naturschutzparks müssen ganze Armeen gut trainierter Wildhüter unterhalten, um ihre Nashörner und Elefanten vor Wilderern zu schützen. Und die Bauern, Holzfäller oder Bodenschatzsucher in den jeweiligen Staaten sollen um weite Teile ihrer Heimat einen weiten Boden machen, damit den wilden Tieren wenigstens ein letzter Teil ihrer einstigen Habitate erhalten bleibt.

Zum Ausgleich gibt es ein paar US-Dollar von ausländischen Touristen, die bei weitem nicht die Auslagen decken: ein zum Himmel schreiendes Unrecht. Die Menschheit muss wissen, was ihr die letzten majestätischen Säugetiere, die großen Raubkatzen, aber auch die seltenen Vögel und Insekten dieser Welt Wert sind. In harter Währung und nicht in großen Worten. Ihr Einsatz muss in einen Fonds fließen, aus dem die Bemühungen der tatsächlichen Naturschützer finanziert werden. Andernfalls werden schon unsere Enkel keinen lebenden Elefanten mehr sehen.

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