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Ein Fluss aus Schokolade macht Westönnen weltbekannt.

Süßer Unfall

New York, Rio, Westönnen

Ein kleiner Ort in Westfalen ist nach einer Panne in einer Schokoladen-Fabrik weltberühmt.

Eine süße Panne hat einen kleinen Ort in Westfalen ganz groß rausgebracht: Seit vergangene Woche in der ortsansässigen Süßwarenfabrik ein Tank mit flüssiger Schokolade überlief und sich dessen leckerer Inhalt massenhaft auf eine Straße verteilte, geriet Westönnen in den Blick der Weltpresse. Beim „Guardian“ war die Geschichte zwischenzeitlich der meist gelesene Online-Artikel – vor Berichten über Brexit und Trump.

„Ein kleiner technischer Defekt“, war laut Markus Luckey, Chef der Firma „DreiMeister Spezialitäten“, die Ursache für den Schoko-Vorfall mit der großen Außenwirkung. Entdeckt wurde der Schokoladenfluss schlaraffenländischen Ausmaßes von Tobias Teutenberg. Der 33-jährige Westönner mag Schokolade gern, und das sei der Grund, warum er, wenn er an der Fabrik vorbeikomme, immer eine Nase und einen Blick für das Gebäude übrig habe.

Diesmal aber sei „irgendetwas anders gewesen: „Aus der Tür kam eine dickflüssige Masse, die sich in Richtung Straße bewegte“, schildert er seine Beobachtung. Er rief die Polizei an. Bis der erste Streifenwagen eintraf, hatte die Schokolade schon die Straße erreicht. Der erste Beamte vor Ort hatte gleich eine Idee, wie die Bescherung zu beseitigen wäre: Man solle doch alle Kinder der Umgebung mit Eimern ausgestattet herbitten, damit sie sich ihre Süßigkeitenvorräte auffüllen.

Soweit kam es dann zwar nicht, aber bei Entdecker Teutenberg war der süße Zahn geweckt. „Ich hatte zum Glück eine Tasse im Auto. Damit konnte ich etwas Schokolade abschöpfen.“ Und, war’s lecker? „Die Schokolade war noch schön warm. Sie hat wirklich unfassbar gut geschmeckt“, so Teutenberg nach seinem unverhofften Open-Air-Geschmackserlebnis

„Kein Zuckerschlecken“

Die weiteren Reste wurden von Mitarbeitern der Firma und der Feuerwehr beseitigt. Ob da wohl auch heimlich genascht wurde? Dem Vernehmen nach haben sich die Wehrleute das verkniffen.

Das Ganze sei alles in allem „kein Zuckerschlecken“ gewesen, hieß es zu den Aufräumarbeiten.
Die Schokolade sei teils bereits hart, teils aber noch flüssig gewesen. Sie sei in die Straßenporen eingedrungen. Kurz gesagt. Mit viel Wasser und unter dem Einsatz von Dachdeckerbrennern mussten die Reste vom Straßenbelag entfernt werden. Zuvor waren grobe Brocken bereits aufgenommen, in Kisten gesammelt und entsorgt worden. 

Während in Westönnen noch geschrubbt und geschöpft wurde, schwappte die Nachricht vom leckeren Westönner Schoko-Desaster erst durch die Republik und dann über den Globus. „Ist das die längste Praline der Welt?“ fragte die „Berliner Morgenpost“ und berichtete von einer „süßen Sauerei“. „Ungefähr so muss das Schlaraffenland aussehen“, schrieb die „Bild“ in bekannter Manier. Der Sender „nrw aktuell TV“ rechnete aus, was die Schokomasse an Energiezufuhr bedeutet hätte, wäre sie komplett von Leckermäulern vertilgt worden: 5,3 Millionen Kalorien. „Dieser Unfall bringt jeden Schoko-Fan zum Schmelzen“, dichtete der Kölner „Express“. Geographisch korrekt wurde „Spiegel online“, der Westönnen richtigerweise als Ortsteil der Stadt Werl sah und deshalb titelte: „Werl von seiner Schokoladenseite“.

Auch das Fernsehen fand Geschmack am Süßkram aus Westönnen. Eine Tonne Schokolade sei „eine Vorstellung, die bei vielen Menschen zu erhöhtem Speichelfluss führt“, hieß es beim ZDF. Am Ende berichteten gar die renommierte „Washington Post“ in den USA sowie Medien in Irland und Neuseeland über den Zwischenfall.

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