Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Tödlicher Messer-Angriff

„Gruselig“ und „erschreckend“ – Trauer und Entsetzen in Würzburg

In Würzburg sterben am Freitag drei Menschen durch einen Messer-Angriff. Weitere werden verletzt. Am Tag danach herrscht große Trauer.

Würzburg – Mit Tränen in den Augen legen zwei junge Frauen Blumen an den Tatort. Kerzen brennen. Sichtlich betroffen laufen Passanten am Samstag über den Barbarossaplatz in Würzburg – Schauplatz einer brutalen Messerattacke eines jungen Mannes mit drei Toten und zahlreichen Verletzten. Viele bleiben stehen und halten einige Minuten inne. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier fasst zusammen, was wohl vielen durch den Kopf gehen mag: „Der Täter hat mit äußerster Brutalität gehandelt.“ Und er verspricht: „Für diese menschenverachtende Tat wird er durch den Rechtsstaat zur Verantwortung gezogen.“

Freitagnachmittag, gegen 17.00 Uhr: Mit einem langen Messer sticht der 24 Jahre alte Verdächtige aus dem afrikanischen Somalia nach bisherigen Erkenntnissen in einem Kaufhaus der bayerischen Mainstadt wohl grundlos auf die shoppenden Menschen ein. Dann rennt der Somalier in eine nahe Bank und attackiert dort und auf der Straße weitere, ihm offensichtlich völlig unbekannte Passanten. Eine Augenzeugin aus einem Laden unweit der Tatorte will den Angriff beobachtet haben. Auf die Frage nach ihren Erinnerungen bricht sie in Tränen aus: „Ich kann darüber nicht reden, das war zu viel.“

Messer-Attacke in Würzburg: „Einfach nur erschreckend“

Am Morgen nach der Attacke hängt düsterer Nebel über Würzburg. Jogger sprechen am Ort der Verbrechen über die Ereignisse vom Vortag. Die Tat ist überall Gesprächsthema – beim Bäcker, an Bushaltestellen, auf der Straße. Eine Frau sagt, sie hoffe, die ausländische Herkunft des mutmaßlichen Täters werde nicht zum Wahlkampfthema bestimmter Parteien gemacht.
Eine andere Passantin meint: „Es ist einfach nur erschreckend, dass in Würzburg, in unserer kleinen, wunderschönen Stadt, so etwas passiert.“ Es hätte jeden treffen können. „Es ist einfach gruselig.“

Die Polizei war am Freitag mit einem Großaufgebot in Würzburg präsent. Auch am Samstag fuhren vermehrt Streifen durch die Innenstadt.

Zwei Studentinnen legen Blumen an den Tatort. Sie seien beeindruckt, dass viele Menschen Zivilcourage bewiesen hätten „und wirklich auch eingeschritten sind. Das fanden wir schon ziemlich beeindruckend, dass Menschen, die einfach wegrennen hätten können, auch ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um den anderen Menschen zu helfen, die sie auch nicht kannten.“

Kurz nach der Attacke ist der Somalier auf Videoclips in sozialen Netzwerken zu sehen. In der linken Hand das Messer, barfuß, etwas orientierungslos wirkend, schwankt er durch die belebte Innenstadt. Mutige Männer stellen sich dem Migranten in den Weg, attackieren ihn mit einem Besen, schnappen sich Biertischstühle als Waffe. Womöglich verhindern sie so weitere Opfer. Kurz darauf streckt ein Polizist den Angreifer mit einem gezielten Polizeischuss nieder, der 24-Jährige wird festgenommen.

Am Barbarossaplatz in Würzburg ereignete sich der Messerangriff.

Respekt kommt im Laufe der Stunden von vielen Seiten für Zivilcourage, die wie im Fall von Dominik Brunner aber auch gefährlich sein kann. Brunner war am 12. September 2009 in München von dem damals 18-Jährigen und dessen 17-jährigem Begleiter so heftig getreten und verprügelt worden, dass er später im Krankenhaus starb. Der Geschäftsmann hatte zuvor Schüler verteidigt, die von den jungen Männern bedrängt worden waren.

Würzburg: Bundesregierung spricht vom Amoklauf

Die Bundesregierung reagiert am Samstag erschüttert: „Die Ermittlungen werden ergeben, was den Amokläufer von Würzburg antrieb. Sicher ist: Seine entsetzliche Tat richtet sich gegen jede Menschlichkeit und jede Religion“, schreibt Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) spricht von einem Amoklauf. Was genau den Somalier antrieb, der seit 2015 in Deutschland lebt und zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft in Würzburg wohnte, ist bisher ungewiss. Die Ermittler sprechen zum einen von einer psychischen Störung, zum anderen könnte eine extremistische Einstellung mitursächlich für den Angriff sein. So eine Gemengelage gab es beispielsweise bei dem Anschlag eines Rassisten im hessischen Hanau. Der psychisch kranke Mann tötete dort im Februar 2020 neun Menschen mit Migrationsgeschichte, seine Mutter und dann sich selbst. (dpa)

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare