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In eigenen Entwürfen: Seit 2014 machen Kounou (links) und Knaudt zusammen Mode.

Modewoche in Berlin

"Worauf haben wir uns da bloß eingelassen?"

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Geschäfte weltweit, prominente Kunden, begeisterte Kritiker ? Labelgründerin Nina Knaudt erzählt, wie sie und ihre Kollegin Rianna Kounou trotzdem einen kühlen Kopf bewahren.

Frau Knaudt, seit unserem letzten FR-Interview vor knapp zwei Jahren ist viel passiert, Ihre Mode hängt in Geschäften weltweit. Wie schafft das eine junge Marke?
2017 haben wir uns zwei Kleiderstangen geschnappt und sind das erste Mal nach Paris gefahren, um unsere Kollektion dort zu präsentieren. Außerdem haben wir tatsächlich einfach ein paar der besten Stores und Onlineshops angeschrieben, von Bergdorf Goodman bis Matches Fashion. Und einige haben eben angebissen.

Bergdorf Goodman in New York gilt als wichtigstes Modegeschäft der Welt. Wie haben Sie Ihren Verkaufsstart dort erlebt?
Bergdorf’s war für uns ein Traum, Rianna und ich hatten Tränen in den Augen. Bis wir an unserer Präsentationsfläche ankamen: Da hing nur knapp die Hälfte der Sachen, die wir geschickt hatten. Wir waren geschockt, dass man uns so beiläufig präsentiert. Dann haben wir erfahren, dass noch vor Ladenöffnung eine persönliche Einkäuferin vor den Türen gewartet hatte, um für ihre Kundin dann unsere halbe Kollektion für 114.000 Dollar zu kaufen. Generell beeindruckt es die Leute, dass wir dort verkaufen. Die Qualität unserer Marke steht dann gar nicht mehr zur Diskussion. Bergdorf Goodman ist ein Gütesiegel. Es ist aber nicht so, dass danach alles von selbst läuft. Wir sind jetzt in 35 Geschäften weltweit vertreten. Das ist ein enormer Erfolg, der aber viel Arbeit abverlangt.

Sicher hilft auch, dass internationale Stars wie der Oscar-prämierte Schauspieler und Sänger Jared Leto Ihre Mode tragen.
Wir waren Jared auf Instagram aufgefallen. Seine Stylistin hat angefragt, ob wir Lust haben, ihm Kimonos für die Tour mit seiner Band „Thirty Seconds to Mars“ zu machen. Hatten wir natürlich. Jared gefällt, dass unser Label echt ist und ganz natürlich wächst.

Auch bei unserem letzten Interview haben Sie gesagt, dass diese Natürlichkeit gut ankommt. Ist es bei so großem Erfolg nicht schwierig, die zu bewahren?
Erst mal wirkt unsere Marke größer, als sie eigentlich ist. Ich kriege oft Anrufe von Stores, die mit unserer Einkaufsabteilung oder unserem Pressebüro verbunden werden wollen. So etwas gibt es bei uns gar nicht. Rianna macht die Kollektionen, ich kümmere mich um Marketing, Vertrieb und so weiter. Vielleicht sollte ich demnächst mit verstellter Stimme ans Telefon gehen und dann zu mir selbst durchstellen. (lacht) Bei uns läuft alles nach wie vor sehr familiär ab. Wir packen jedenfalls unsere Kisten für Paris noch immer selbst und teilen uns dort zu fünft ein Airbnb.

Obwohl Sie jetzt auch in Paris präsent sind, bleiben Sie der Berliner Modewoche treu und zeigen stets auf dem Gruppenausstellungsformat „Der Berliner Salon“.
Wir finden es wichtig, als deutsche Marke auf der Berliner Fashion Week unterwegs zu sein. Wenn wir uns die Qualität der anderen Labels anschauen, gerade so etablierter Marken wie Dorothee Schumacher oder Odeeh, sind wir sehr stolz, dazuzugehören. Das fühlt sich nämlich gar nicht nach einer kleinen unbedeutenden Szene an, für die deutsches Design oft gehalten wird. Abgesehen davon ist etwa der Store Joyce aus Hongkong nur durch den Salon auf uns aufmerksam geworden. Heute verkaufen wir da am allerbesten.

Und wie sieht es in deutschen Geschäften aus?
Wir werden von Anfang an vom KaDeWe in Berlin unterstützt und auch von Mohrmann Basics in München. Aber generell sind deutsche Läden eher verhalten. Vielleicht weil wir so bunt, exzentrisch und verhältnismäßig teuer sind. Dieser fehlende Mut im Handel führt aber auch dazu, dass Deutschland selten als Modestandort wahrgenommen wird. Wir hoffen, dass sich das ändert.

Ist es Ihnen recht, dass Sie als Aushängeschild der deutschen Szene begriffen werden? Schließlich wird Ihre Arbeit auch in internationalen Ausgaben der „Vogue“ oder der renommierten Wirtschaftszeitschrift „Forbes“ gezeigt.
Es gibt viele andere junge Marken wie William Fan, die auch immer tolle Presse kriegen. Wir fühlen uns unter diesen Designern sehr wohl und freuen uns, dass wir unterstützt werden. Ich glaube, das liegt auch daran, dass Redakteure eben wissen, wie schwer dieses Geschäft ist. Trotz aller Erfolge fragen wir uns immer wieder, auf was für ein Business wir uns da bloß eingelassen haben.

Interview: Manuel Almeida Vergara

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