Ein Wolf in einem deutschen Waldgebiet. (Symbolbild)
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Die einen wollen ihn schützen, die anderen erschießen: Der Wolf.

Dilemma um den Wolf

Wölfe breiten sich in ganz Deutschland aus - und mit ihnen die Angst

  • Zülal Acar
    vonZülal Acar
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Der Wolf breitet sich wieder in Deutschland aus. Doch ihm eilt ein schlechter Ruf voraus. Viele Menschen haben Angst vor dem Wildtier - mit fatalen Konsequenzen.

Bonn - Der Wolf hat ein Imageproblem - und das schon seit Ewigkeiten. Erzählungen darüber reichen zurück bis ins Mittelalter: Er gilt als Inbegriff des Bösen, eine Bestie, die sich über Tier und Mensch hermacht. Die Angst vor ihm hält sich bis heute hartnäckig. Eine Berechnung hat nun ergeben: Immer mehr Wölfe leben bei uns in Deutschland.

Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) steigt die Zahl der hier lebenden Wolfsrudel. Im Monitoringjahr 2019/2020 gab es nämlich 128 Rudel in Deutschland. Zudem sind 35 Wolfspaare sowie zehn sesshafte Einzelwölfe bestätigt. Im vorherigen Monitoringjahr 2018/2019 waren es hingegen nur 105 Rudel, 41 Paare und zwölf Einzelwölfe.

Immer mehr Wölfe in Deutschland: Tierhalter und Landwirte alarmiert

BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel sagt: „Der Wolfsbestand in Deutschland nimmt zu. Das Wolfsvorkommen hat sich insbesondere im Norden und Nordwesten weiter vergrößert. (...) Aber auch außerhalb dieser Vorkommen konnten in den mittel- und süddeutschen Bundesländern einzelne Wolfsterritorien nachgewiesen werden.“ Zudem sei erstmals seit zehn Jahren wieder ein sesshafter Wolf in den bayerischen Alpen bestätigt worden.

Dieser Umstand freut zwar Naturschützer, besorgt aber gleichermaßen Tierhalter und Landwirte - bei ihnen ist der Wolf kein beliebter Zeitgenosse. Denn hin und wieder kommt es auch mal vor, dass Wölfe in Deutschland Weidetiere oder Wild reißen. Erst diesen Herbst hatte ein Wolf in Ober-Modau, einem Stadtteil von Ober-Ramstadt bei Darmstadt(*FR berichtete), ein Reh gerissen. Eine DNA-Analyse ergab, dass das Raubtier aus einer Wolfspopulation aus den Alpen stammt. Vorkommnisse wie diese stellen den Menschen vor ein Dilemma: Erschießen oder beschützen?

Wölfe stehen hierzulande derzeit unter strengem Naturschutz. Sie dürfen abgeschossen werden*, wenn sie Schafe reißen - ein Abschuss muss jedoch vorher genehmigt werden.

Philipp Czaya: „Wölfe sind sehr scheu und meiden den Menschen“

Der Autor Philipp Czaya arbeitete mehr als vier Jahre mit Wölfen. Für sein Buch „Isegrim“ hat der Neustädter viel Zeit mit den Raubtieren verbracht und setzt sich für deren Schutz ein.

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NEIN ZUM WOLF IM JAGDRECHT! Vorab: ich bin nicht gegen Jäger oder Weidetierhalter. Ich bin gegen die Politik, die sich gegen ein Lebewesen richtet, zu deren Fast-Ausrottung wir maßgeblich beigetragen haben.⠀ ⠀ Aktuell steht der Wolf in Deutschland unter strengem Naturschutz. In Niedersachsen strengen sich Politiker aktuell ziemlich an, den Wolf in das Jagdrecht mitaufzunehmen. In ihrer Verordnung sind u.a. folgende Punkte aufgeführt.⠀ 1. Wolfsobergrenze: Mehr als X Wölfe werden geschossen (Die Zahl soll der Bund jedes Jahr neu berechnen)⠀ 2. Bei Angriffen auf Weidetiere können Wölfe ohne spezifische Beweise geschossen werden.⠀ 3. Wenn sich Wölfe weniger als 30 Meter einem Menschen nähern/oder angreifen, werden sie getötet.⠀ 4. Sollte ein gesuchter Wolf (Bsp. Bei einem Angriff auf Weidetiere) nicht eindeutig identifizierbar sein, dürfen andere Wölfe des Rudels getötet werden.⠀ ⠀ Zur Wolfsobergrenze: Es gibt nachweislich genug Platz in den deutschen Wäldern für Wölfe. Wenn sich die Tiere in Deutschland flächendeckend ansiedeln, wirkt sich das sehr positiv auf unser Ökosystem aus. Die natürliche Balance der Wildtierpopulationen wird dadurch wiederhergestellt. Die Politik sollte lieber Geld in Grünbrücken investieren, um die Wölfe vom Straßenverkehr fernzuhalten.⠀ ⠀ Angriffe auf Weidetiere kann generell vermieden werden. Warum subventioniert die Politik keine Hundezuchten/Hundetrainer für massive Herdenschutzhunde, so dass jeder Bauer sich das leisten kann? (siehe mein Interview im nächsten Bild)⠀ ⠀ Wölfe sind generell sehr scheue Tiere, die den Menschen um jeden Preis meiden. Sie wissen instinktiv (auch durch Erfahrung), dass Menschen gefährlich sind. Sollte ein Wolf auf einen Menschen (ohne Grund) zu laufen, hat das Tier entweder Tollwut oder wurde von einem Menschen handaufgezogen. Wenn die Viehbauern mit Herdenschutzhunde ausgestattet, wird der Wolf automatisch in den Wald zurückgedrängt. Und man muss nicht ein ganzes Wolfsrudel, aufgrund einer vagen Vermutung, über den Haufen schießen.⠀ #beschütztdieschwachen⠀ ⠀

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Wölfe sind sehr scheu und meiden den Menschen. Sie haben kein Interesse an einer Konfrontation und bei Kontakt mit Menschen wählen sie immer die Flucht“, sagt er im Gespräch mit dem Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk. „Ein Wolf ist und bleibt ein Wildtier. Es sind sensible, intelligente und hoch soziale Tiere“, so Czaya weiter.

Grundsätzlich ginge vom Wolf also keine Gefahr für den Menschen aus. „Wölfe sind keine Bestien, die alles killen, was ihnen vor die Schnauze kommt. Sie sind aber auch keine Kuscheltiere“, betont er.

Wölfe in Deutschland: Politik muss Viehwirte besser unterstützen

Die Landwirte sollten nach Ansicht von Philipp Czaya stärker von der Politik dabei unterstützt werden, ihre Tiere vor den Wölfen zu schützen. Etwa durch die Subventionierung von Herdenschutz und Herdensicherung. Das könne in Form von Herdenschutzhunden passieren, schlägt der Autor vor. In touristischen Gebieten „sollte man eher auf stabile E-Zäune in Kombination mit klassischen Schäferhunden setzen“. *FR ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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