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Es stellte sich heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, das Krankenhaus nicht wieder lebend zu verlassen, bei stationärer Aufnahme am Wochenende höher liegt.

Dr. Hontschiks Diagnose

Tod am Wochenende

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Skurrile Studie führt zu falschem Alarm.

In Deutschland sterben Männer fünf bis sechs Jahre früher als Frauen, und Menschen, die in Armut leben, sterben etwa zehn Jahre früher als Menschen in gesichertem Wohlstand. Deutsche sterben im Durchschnitt deutlich früher als Menschen in allen anderen westeuropäischen Staaten. Im Osten Europas sterben Frauen sieben Jahre, Männer sogar vierzehn Jahre früher als im Westen. Es mag überraschen, dass völlige Alkoholabstinenz die Lebenserwartung verringert. Auch das Nachteulen-Syndrom, also das zu späte ins Bett Gehen und das zu lange Schlafen ist dem langen Leben abträglich, wie schon der Volksmund sagt: „Früh ins Bett und früh wieder auf, das ist des Lebens schönster Lauf“. Schwer psychisch Kranke sterben zehn Jahre früher als die übrige Bevölkerung. Verheiratete Männer hingegen leben zwei Jahre länger als Junggesellen. Jurist*innen sterben früher als Lehrer*innen, Psycholog*innen sterben früher als Ärzt*innen, wobei die Lebenserwartung von Ärztinnen und Ärzten wiederum deutlich über der der Gesamtbevölkerung liegt. Männer in Freiburg haben eine fast fünf Jahre höhere Lebenserwartung als Männer in Gelsenkirchen und dicke Studenten sterben früher als dünne. Es gibt wohl nichts, was noch nicht untersucht worden wäre.

Zu dieser Aufzählung verwirrender Zahlen und unerklärlicher Kuriositäten kommt nun im renommierten British Medical Journal eine weitere, furchterregende Veröffentlichung von vierzehn Wissenschaftler*innen aus Großbritannien und Taiwan hinzu. Die Daten von 68 Studien über insgesamt 640 Millionen Krankenhausaufenthalte zwischen 2000 und 2017 in Großbritannien und den USA wurden ausgewertet: Der Wochentag der Aufnahme stand im Fokus der Untersuchung. Es stellte sich heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, das Krankenhaus nicht wieder lebend zu verlassen, bei stationärer Aufnahme am Wochenende um sechzehn Prozent höher liegt als bei einem Aufnahmetag unter der Woche.

Dieses Ergebnis alarmierte Patientenschützer und rief die Presse mit Angst machenden, hysterischen Schlagzeilen auf den Plan: „Sterberisiko für Patienten am Wochenende höher“, „Warum an Wochenenden mehr Menschen im Krankenhaus sterben“, „Mehr Todesfälle am Wochenende durch schlechtere Versorgung“. Rasch war die Rede von unterbesetzten Stationen, von jungen, unerfahrenen Ärzt*innen in überlangen Wochenenddiensten, von überfüllten Ambulanzen und überarbeitetem Personal, als ob das nicht längst die normale Situation an allen Wochentagen wäre.

Die Autor*innen der Studie wehrten sich gegen diese Kurzschlüsse, wurden aber kaum noch gehört. Sie gaben zu bedenken, dass an Wochenenden weniger Patient*innen aufgenommen würden als unter der Woche, und dass diese im allgemeinen schwerer erkrankt seien, häufiger intensivmedizinisch behandelt werden müssten. Sie wiesen außerdem darauf hin, dass dieser Wochenendeffekt bei einigen stationären Aufnahmen überhaupt gar nicht auftrat, etwa bei Entbindungen oder bei Patient*innen mit einem Kreislaufstillstand. Es liege völlig im Dunkeln, wie sich diese unterschiedliche Sterblichkeit erklären ließe, und sie sei ganz sicher kein Maßstab für gute oder schlechte Versorgungsqualität. Niemand solle sich davon abhalten lassen, an Wochenendtagen die Klinik aufzusuchen, wenn es die Erkrankung erfordere.

Und so kommt auch dieses Forschungsergebnis erst einmal wieder in die Schublade der Kuriositäten. Es bleibt dabei: Ein armer Jurist im Osten Europas, psychisch krank, unverheiratet, übergewichtig, abstinent und unausgeschlafen hat weit und breit die schlechtesten Karten für ein langes Leben. Unter der Woche und am Wochenende.

Dr. med. Bernd Hontschik ist Chirurg und Publizist. www.medizinHuman.de

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