Zu Hause kochen mit gutem Gewissen
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Zu Hause kochen ist im Trend.

Nahrung

Es wird wieder selbst gekocht

  • Marina Kormbaki
    vonMarina Kormbaki
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Der Ernährungsreport 2020 zeigt: Corona verändert das Essverhalten.

Corona birgt unverhoffte Chancen. Als Bundesumweltministerin Julia Klöckner am Freitag den „Ernährungsreport 2020“ ihres Ministeriums vorstellt, wirkt sie überrascht von mancher neuen, aus Sicht der CDU-Politikerin erfreulichen Entwicklung im Essverhalten der Bundesbürger. „Corona verändert auch den Ernährungsalltag der Deutschen“, sagt Klöckner unter Verweis auf eine vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführte Umfrage.

„Lebensmittel aus der Region haben an Bedeutung gewonnen. Es ist ein neues Bewusstsein für Lebensmittel entstanden – und für die Arbeit derjenigen, die sie produzieren“, sagt Klöckner über die laut Umfrage gestiegene Wertschätzung für Landwirte und deren Arbeit. Demnach hat für 39 Prozent der Befragten die Bedeutung der Landwirtschaft zugenommen. Und: „Wir kochen häufiger als vor der Coronakrise selbst zubereitete Speisen“, so Klöckner. Dies gaben 30 Prozent an. Fast ebenso viele würden häufiger als vor Corona gemeinsam essen.

Respekt für Bauern, selbst kochen und gemeinsam essen – Klöckner erscheinen diese Trends beinah zu schön, um von Dauer zu sein. Mit den Lockerungen im öffentlichen Leben könnten sie sich rasch verflüchtigen. Die Ministerin spricht von einem „Momentum“, das es jetzt zu nutzen gelte. Dabei könnte Klöckner zupass kommen, dass in der Bevölkerung eine große Bereitschaft zum Konsum gesunder, unter Wahrung des Tierwohls produzierter Lebensmittel vernehmbar ist. Zwar muss es den Bürgern vor allem schmecken – dies geben 98 Prozent der Befragten als ausschlaggebendes Kriterium beim Einkaufen an. Aber fast ebenso viele – 90 Prozent – bekunden, dass Lebensmittel gesund sein müssen, um in ihrem Einkaufskorb zu landen.

Künast: Striktere Vorgaben

Das Resultat sei eine erfreulich ausgewogene Vielfalt auf den Tellern. Gemüse und Obst werden bei 70 Prozent der Befragten täglich aufgetischt. 64 Prozent greifen täglich zu Milchprodukten. Und nur 26 Prozent essen täglich Fleisch – deutlich weniger als in früheren Befragungen. Mehr als jeder zweite Befragte, 55 Prozent, bezeichnet sich selbst sogar als „Flexitarier“, also als Fleischesser, der oder die gelegentlich bewusst auf Fleisch verzichtet. Die Zahl der Vegetarier (fünf Prozent) und Veganer (ein Prozent) bliebt demnach hingegen gleich.

Zur Einordnung der Zahlen sei erwähnt, dass die Meinungsforscher nicht die Einkaufszettel der Befragten kontrolliert haben. Sie verlassen sich auf die per Telefon erteilten Selbstauskünfte. So sprechen sich 81 Prozent der Befragten für ein staatliches Tierwohlkennzeichen aus. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat dazu einen Entwurf vorgelegt für Waren, die über den gesetzlichen Standards sind, die Einführung steht jedoch noch aus. Überdies geben die Verbraucher an, für mehr Tierwohl in den Ställen auch mehr zahlen zu wollen. 45 Prozent der Befragten erklären sich bereit, bis zu 15 Euro pro Kilo mehr zu zahlen. Klöckner: „Die verbale Bereitschaft ist erfreulich, mehr für tierwohlgerechtere Produkte zu zahlen. Leider sieht es an der Ladentheke oftmals noch anders aus.“

Die Grünen-Agrarexpertin und frühere Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast bezeichnete die Tendenz zur bewussteren Ernährung gegenüber dem Redaktions-Netzwerk Deutschland als erfreulich. „Schade, dass die Politik der Bundesregierung weit hinterher hinkt“, beklagt sie und fordert striktere Vorgaben: Klöckner habe „bisher fast ausschließlich auf Freiwilligkeit gesetzt, statt die Ernährungswirtschaft zu verpflichten, das Lebensmittelangebot besser und gesünder zu machen oder die Lebensmittelverschwendung einzudämmen“. So erwarteten nicht nur die Verbraucher mehr, sondern auch die EU-Kommission, etwa im Kampf gegen Übergewicht, bei der verbindlichen Nährwertkennzeichnung und der Reduzierung von Lebensmittelverschwendung.

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