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Ein verwüsteter Badestrand: Nicht nur Strandliegen und Schirme, auch Autos flogen durch die Luft.

Griechenland

Wirbelsturm im Urlaubsparadies

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Sieben Menschen sterben bei Unwettern auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki.

Ein tropischer Wirbelsturm fegt über die nordgriechische Halbinsel Chalkidiki, verwüstet Dörfer, Campingplätze, Strände, Restaurants. Die Bilanz der Naturkatastrophe: sieben Tote und über 100 Verletzte, darunter mehrere Kinder. Athanasios Kaltsas, Direktor des staatlichen Gesundheitszentrums in der Kleinstadt Nea Moudania, kann immer noch nicht fassen, was geschah: „Es kam so plötzlich und unerwartet“, sagt der Arzt, „so etwas habe ich meinen 25 Berufsjahren noch nicht erlebt.“

Nach einer Hitzewelle mit Temperaturen von 40 Grad hatten die Meteorologen in Griechenland für den Donnerstag eine Abkühlung, frische Winde und einige Sommergewitter angekündigt. Aber was dann kam, überraschte auch sie. Am späten Mittwochabend fegte ein Tornado über Chalkidiki, ein besonders bei Urlaubern aus Osteuropa beliebtes Feriengebiet. Der Sturm entwurzelte Bäume, legte Hochspannungsmasten um, wirbelte Dachziegel und sogar Autos durch die Luft.

Sechs der Todesopfer waren Touristen. In der Ortschaft Nea Plagia starben eine 54-jährige Frau und ein achtjähriger Junge aus Rumänien, als der Sturm das Dach einer Taverne einstürzen ließ. Auf einem Campingplatz am Strand der Ortschaft Sosopoli kam ein älteres Ehepaar aus der Tschechischen Republik ums Leben, der Tornado wirbelte ihr Wohnmobil durch die Luft. Im Dorf Nea Potidaia wurden ein 39-jähriger Russe und sein Sohn vor ihrem Hotel von einem umstürzenden Baum erschlagen.

Nach ersten Berichten wurden mehr als 100 Menschen verletzt. Krankenwagen brachten viele von ihnen zu Kliniken im 65 Kilometer entfernen Thessaloniki, weil die Krankenhäuser der Katastrophenregion nach kurzer Zeit überfüllt waren. Insgesamt wurden nach Berichten des Staatsfernsehens ERT 108 Menschen mit Verletzungen in die Krankenhäuser eingeliefert. Am Donnerstag suchten Rettungsmannschaften in zerstörten Gebäuden nach Eingeschlossenen. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sagte alle geplanten Termine ab und ließ sich ständig über die Bergungsarbeiten informieren.

Die Küstenwache suchte am Donnerstag nach einem 62-jährigen Fischer, der vom kleinen Hafenort Kallikrateia vor dem Sturm aufs Meer gefahren und nicht zurückgekehrt war. Am frühen Nachmittag entdeckte die Besatzung eines Rettungshubschraubers vor der Küste seine im Meer treibende Leiche.

Die örtlichen Feuerwehren hatten zuvor von mehr als 600 Notrufen berichtet. Noch in der Nacht war der Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, aus Athen ins Katastrophengebiet geflogen. In der Region wurde der Notstand ausgerufen. „Wir tun alles, um jenen beizustehen, die Angehörige verloren haben“, sagte Chrysochoidis.

Wegen umgestürzter Überlandleitungen und Strommasten waren große Teile der Region auch am Donnerstag noch ohne Elektrizität. Wo der Sturm gewütet hatte, bot sich ein Bild völliger Verwüstung. Der griechische Verteidigungsminister Nikos Panagiotopoulos kündigte an, die Armee werde mit schwerem Gerät bei den Aufräumungsarbeiten helfen.

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