Corinna Schütz. Foto: Privat

Petition gegen das Donaulied

„Wir wollen das Donaulied nicht verbieten“

  • vonAndreas Sieler
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Mit ihrer Donaulied-Kritik will Corinna Schütz allzu alltägliche Verharmlosungen anprangern.

Frau Schütz, was ist die Aktion gegen Bierzelt-Sexismus und in welchem Verhältnis stehen Sie dazu?

Wir hatten uns zuerst als lose studentische Gruppe zusammengefunden und wollen nun eine festere Struktur für unsere Gruppe finden. Diese als nächstes zu erarbeiten, hat für uns Priorität. Ich habe das Ganze ins Rollen gebracht. Ich hatte mich immer an diesem Lied gestört, habe nach Leuten gesucht, denen es genauso geht und ich habe viele gefunden.

„Kein Donaulied mehr in Passauer Bierzelten“ – so die Forderung. Das Quorum ist weit überschritten, wie geht es weiter?

Der Satz klingt sehr hart, fasst aber die Summe dessen zusammen, was wir uns wünschen. Wir wollen das Lied nicht verbieten, wir wünschen uns nur, dass es über die Gesellschaft darauf hinausläuft, dass es dieses Lied dann nicht mehr gibt. Der Passauer Oberbürgermeister hat sich bereits positiv zu unserem Anliegen geäußert, worüber wir uns überaus freuen. Als nächstes wollen wir mit ihm und dem Stadtrat gemeinsam ins Gespräch kommen.

Die AgBS bezieht sich nur auf die Fassung mit der Vergewaltigung.

Zur Person: Corinna Schütz (22) ist Studentin in Passau und hat die Petition gegen das Donaulied ins Leben gerufen.

Die ursprünglichste Version hat mit dem, was heute in den Bierzelten gesungen wird, überhaupt nichts zu tun. Diese Fassung hört man sowieso nicht im Bierzelt. Wir richten uns gegen die Version, in der es um die Vergewaltigung geht. Das Problem, das ich in den Bierzelten erlebt habe, ist, auch wenn man die Version von Mickie Krause spielt, in der keine Vergewaltigung thematisiert wird, dann singen die Leute leider die derbe Version.

Die Mickie-Krause-Version wird aber auch als sexistisch kritisiert.

Das stimmt. Aber wir wissen, dass im Bierzelt der Wunsch, solche Lieder zu singen, sehr groß ist. Ich möchte keine Debatte über politisch korrekte Wies’n-Hits führen. Ich möchte einfach nur, dass das Donaulied, in dem es um eine Straftat geht, aus dem öffentlichen Raum verschwindet. Ich will ja auch nicht ins Bierzelt gehen und mich dann darüber aufregen, dass in einer lockeren, entspannten Atmosphäre keine politisch korrekten Lieder gesungen werden. Das ist nicht mein Ziel.

Bierzelt-Sexismus richtet sich nicht nur gegen das Donaulied. Lässt sich der Begriff eingrenzen?

Wir sind dabei zu sammeln, was alles unter Bierzelt-Sexismus fällt. Zu dem Thema hat auch noch niemand etwas gemacht. Wir haben eine Nische gefunden, die man füllen sollte. Das haben wir vor. Erst bayernweit, danach gerne darüber hinaus. Scheinbar einigt man sich in der Gesellschaft darauf, dass man im Bierzelt einige gesellschaftliche Normen und Werte an der Tür abgibt. Jeder macht mit, jeder findet es witzig und auch viele Frauen haben sich scheinbar kollektiv darauf geeinigt, dass es halt so ist. Wir regen nun an, darüber nachzudenken, ob das denn so sein muss. Oder ob man nicht denselben Spaß im Bierzelt haben kann, ohne dass Mädels unter den Rock gegriffen wird und ohne dass sie beleidigt werden, wenn das Bier nicht schnell genug am Tisch steht. Mir fallen konkret schon ein paar Ideen ein. Aber es kommt auf unsere Gruppe und auf den Input an, den wir aus der Gesellschaft bekommen. Wir wollen auf keinen Fall von oben herab einen moralischen Diskurs führen. Wir würden uns eher wünschen, dass Frauenverbände, Gleichstellungsbeauftragte, Wies’n-Veranstalter und andere sich mit uns an diesem Diskurs beteiligen.

Den Reaktionen zufolge nehmen aber einige Befürworter des Liedes den Diskurs als elitär und von oben herab wahr.

Wenn jemand schon anfängt mit „ihr blöden Studenten“ – dann geht keiner von uns auf die Diskussion ein. Zum Thema Studenten: Habe ich denn keine Legitimation, in Bayern meine Meinung zu äußern, wenn ich aus Bayern komme, hier studiere, mein Geld in die Stadt trage und hier lebe? Ich habe verstanden, dass ich mit dieser Petition anscheinend erreicht habe, dass sich einige in ihrem Kulturverständnis angegriffen fühlen. Es ist aber auch meine Kultur. Ich bin auch eine Bayerin. Auch wenn nicht, müsste ich mich dafür nicht rechtfertigen, sondern habe das Recht, hier meine Meinung zu sagen. Und wir sind nicht elitär. Wir verlangen nichts, was nicht rechtmäßig wäre. Ich fühle mich anhand der Reaktionen manchmal, als würde ich vorschlagen, eine radikale Bierpreiserhöhung in Bayern einzuführen. Ich will einfach nur, dass wir kein Lied mehr singen, in dem es um eine Vergewaltigung geht. Ich glaube nicht, dass ich mir da zu viel rausnehme. Die Tatsache, dass wir Studenten sind, sollte ganz weit hinten anstehen.

Interview: Andreas Sieler

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