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Scott Lipinski.

Interview

"Wir haben Mode auf die politische Agenda gebracht"

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Scott Lipinski ist Geschäftsführer bei Fashion Council Germany. Mit der FR spricht er über die Rolle des neuen deutschen Moderats.

Herr Lipinski, in anderen Ländern gibt es eine vergleichbare Institution bereits seit Jahrzehnten, warum war auch für die Zukunft der deutschen Mode die Gründung eines Moderats entscheidend?
Als Interessenvertretung für Mode aus Deutschland setzt sich der „FCG“ für deutsches Modedesign als Kultur- und Wirtschaftsgut ein und fördert Designnachwuchs aus Deutschland. Das gab es zuvor nicht und das obwohl die Modeindustrie zu den umsatzstärksten und wichtigsten Branchen des Landes gehört. Aus diesem Grund haben viele Designtalente in der Vergangenheit Deutschland den Rücken gekehrt und sind ins Ausland abgewandert, weil sie dort die notwendige Förderung erhielten. Mit der Gründung des Fashion Council Germany haben sie eine Anlaufstelle, eine Stimme und ein Organ, das ihre Interessen vertritt.

Was sind die wichtigsten Aktivitäten des Councils?
Die aktive Lobbyarbeit auf allen relevanten Bühnen. Wir stehen seit unserem Gründungsjahr im Dialog mit der Politik auf Deutschland-, aber auch auf Europaebene. So haben wir das Thema „Mode aus Deutschland“ bereits 2015 in Brüssel erstmals auf die politische Agenda gebracht und damit einen Meilenstein gesetzt. Und das Thema Berlin Fashion Week wurde nun endlich auf Bundesebene gesetzt und in der letzten Saison von Brigitte Zypries auf der Messe Premium eröffnet. Es geht darum, Mode in Deutschland als Kulturgut zu etablieren und zu fördern. Gleichzeitig ist es unser erklärtes Ziel, Mode aus Deutschland international wettbewerbsfähig und eben auch sichtbar zu machen. 

Was würden Sie als Ihre wichtigsten Werkzeuge beschreiben, um das zu erreichen? 
Optimistisch bleiben! Wir sind auf einem guten Weg, aber das Ziel ist noch längst nicht erreicht. Wir wollen mit Inhalten, Kompetenz und Erfolgen überzeugen und aufklären. Aktive Pressearbeit, Förderprogramme für den Nachwuchs, internationaler Austausch, nationale und internationale Sichtbarkeit durch Präsentationen, einen branchenübergreifenden Austausch.

Die Modewoche in Berlin ist dafür eine wichtige Bühne. Kritiker sagen allerdings, sie habe sich in den rund zehn Jahren ihres Bestehens schlecht entwickelt.
Die Fashion Week ist nicht schiefgegangen. Ganz im Gegenteil. Berlin beweist gerade jetzt, wie innovativ und sehr weit vorne die Stadt im Vergleich zu seinen internationalen Mitbewerbern ist. 

Was meinen Sie damit?
Berlin bietet alles – und das zeitgleich, das ist unsere Stärke! In anderen Ländern werden etwa die Damen- zu einem anderen Zeitpunkt als die Herrenkollektionen präsentiert. Das ist bei uns anders.

Trotzdem ist die Fashion Week diese Saison deutlich kleiner, als in den Jahren davor. Ist das als Rückschlag für die deutsche Mode zu verstehen?
Keinesfalls. Berlin zeigt sich nach wie vor wie keine andere Modestadt von der vielseitigen und innovativen Seite. Die Fashion Week in Berlin ist ein strategisch freundlicher Zusammenschluss aller Fashion Events, von kommerziellen, großen und kleinen Modemessen, Catwalks, Präsentationen, Konferenzen, Awards bis hin zu exklusiven Dinners und wilden Partys.

Was fehlt dem Format denn noch? 
Das kann man mit wenigen Worten beantworten: positive Unterstützung und mehr Zusammenhalt! Das Gras scheint woanders immer grüner zu sein. Grundsätzlich steht die Berliner Modewoche aber für die Modekompetenz ganz Deutschlands. Und obwohl Berlin sich seit Jahren an der Spitze der interessantesten Hotspots Europas hält, gibt es immer wieder viele Bedenkenträger innerhalb Deutschlands.

Interview: Manuel Almeida Vergara

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