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Was steckt im Olivenöl?

Interview

"Wir brauchen eine Kontrollpflicht"

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Foodwatch-Experte Matthias Wolfschmidt über Mittel gegen den Betrug im Supermarkt.

Herr Wolfschmidt, wie kann ich als Konsument verhindern, dass mir jemand gefälschte Lebensmittel andreht?
Das wird sehr, sehr schwer. Die meisten Betrüger in diesem Bereich verfügen über großes lebensmittelchemisches Wissen und Geschick. Denen kommt man schon mit großen Laboren kaum auf die Schliche, geschweige denn mit Augen, Mund und Nase.

Aber gefärbtes Sonnenblumen- von echtem Olivenöl zu unterscheiden klingt doch durchaus machbar.
Den Fall hat es im vergangenen Jahr gegeben, aber da waren offenbar eher Dilettanten am Werk. Dass man allein durch Sensorik schon einem Betrug auf die Spur kommt, ist die große Ausnahme. In der Regel läuft es ja so, dass lediglich ein paar Prozent eines teuren Öls durch ein billiges Öl ersetzt werden. Das ist fast unmöglich zu schmecken und kaum zu analysieren – bringt aber dem Fälscher bei großen Mengen einen ordentlichen Gewinn. Da wird nicht ein X für ein U vorgemacht, sondern einfach ein kleines Stück vom X ausgetauscht, das ist das Problem.

Immerhin ist das nicht gesundheitsschädlich – ein Trost?
Das stimmt ja leider auch nicht immer. Die meisten Fälscher haben es nicht auf einen gesundheitlichen Schaden abgesehen, aber sie nehmen ihn billigend in Kauf. Denken Sie daran, dass im vorletzten Jahr teure Haselnusspaste mit billigen Erdnüssen gestreckt wurde – das kann Erdnussallergiker in enorme Gefahren bringen. Oder wenn in Spirituosen billige Fuselöle beigemischt werden. 

Reichen Ihnen die geplanten Maßnahmen von Bund und Ländern gegen den Lebensmittelbetrug aus?
Mehr Zusammenarbeit von Behörden, Polizei und Steuerfahndern ist sicher gut, reicht aber nicht aus. Entscheidend muss es sein, zu verhindern, dass solche Produkte überhaupt in den Handel gelangen – und dazu brauchen wir eine detaillierte gesetzliche Kontrollpflicht der großen Handelsketten. Wenn sie fürchten müssten, für betrügerische Ware selbst hohe Strafen zu bezahlen, würden sie aus ureigenem Interesse intensive Kontrollen durchführen. Das wäre das wirksamste Mittel gegen Lebensmittelbetrug, aber davor schreckt die Politik zurück. 

Die großen Handelsketten und Hersteller kontrollieren doch jetzt schon äußerst eifrig – weil jeder Lebensmittelskandal ein gewaltiger Imageschaden für sie ist.
Das stimmt zum Teil – aber nehmen Sie den Pferdefleisch-in-der-Lasagne-Skandal 2013: Da waren vor allem die Eigenmarken und –produkte der großen Handelsketten betroffen. Zur Verantwortung gezogen wurde aber bis heute niemand. Ein anderer Punkt ist die Rückverfolgbarkeit: Bis heute ist zum Beispiel unklar, wie viele mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier in den Handel gelangt sind. Auch die lückenlose Rückverfolgbarkeit muss endlich gesetzlich sichergestellt sein. 

Noch einmal zur Macht der Verbraucher: Hilft es denn, bei regionalen, kleinen Erzeugern einzukaufen?
Das ist mir zu optimistisch – und das kann auch keine Lösung sein. Erstens ist der Lebensmittelmarkt längst globalisiert. Zweitens ist auch das Attribut regional nicht geschützt und damit nicht verlässlich. Was regional ist und was nicht, entscheidet der Anbieter selbst. Eine Einladung für Betrüger. Zudem sind kleinere Hersteller nicht per se besser als größere. Es führt kein Weg daran vorbei: Wir brauchen abschreckende gesetzliche Haftungsregeln.

Interview: Thorsten Fuchs

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