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Der Amsel könnte im Sommer der Usutu-Virus nachhaltig geschadet haben.

Mitmach-Aktion

Winterliches Flattern

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Der NABU ruft zur bundesweiten Vogel-Zählung auf und bangt um Amsel, Fink und Co.

Auf die Schnee-Eule mag man vermutlich als erstes kommen, gefragt nach einem typischen Wintervogel. Immerhin lebt der weiße Uhu in eisigen Regionen in der arktischen Tundra, wo es im Winter noch so richtig Winter ist. Mit der „Stunde der Wintervögel“, die der Naturschutzbund Deutschland (NABU) am Freitag einläutet, hat der weiße Uhu dennoch nichts zu tun. Denn bei der bundesweiten Mitmachaktion geht es um Wintervögel, die es hierzulande gibt: Amsel, Meise, Spatz oder Rotkehlchen, die auch in den kalten Monaten in Deutschland überwintern.

In welcher Zahl? Das will die Naturschutzorganisation von vogelbegeisterten Freiwilligen in diesem Jahr bereits zum neunten Mal wissen und ruft dazu auf, zwischen Freitag und Sonntag eine Stunde lang Vögel zu zählen. „Das pure Interesse und die Freude an der Vogelwelt reichen zur Teilnahme aus, eine besondere Qualifikation ist für die Wintervogelzählung nicht nötig“, heißt es in der Ankündigung der nach NABU-Angaben deutschlandweit „größten wissenschaftlichen Mitmachaktion“. Um den Spatz auch nicht mit der Meise zu verwechseln, bietet die Organisation eine kostenlose App zur eindeutigen Zuordnung an. Dann gilt es nur noch, an einem ruhigen Beobachtungsplatz von jeder Art die höchste Anzahl zu notieren, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu sehen ist.

Die „Stunde der Wintervögel“ sei eine „Citizen Science“-Aktion, sagt Hans-Valentin Bastian, Sprecher des NABU-Bundesfachausschusses Ornithologie und Vogelschutz. Ziel sei es, „ein deutschlandweites und möglichst genaues Bild der Vogelwelt in unseren Städten und Dörfern zu erhalten“, sagt Bastian auf FR-Anfrage. „Dabei geht es nicht um eine vollständige Erfassung aller Vögel, sondern darum, Veränderungen der Vogelbestände festzustellen.“ Die gute Nachricht: die Teilnehmerzahl steige, im vergangenen Jahr seien es 136.000 Vogelfreunde gewesen, die aus mehr als 92.000 Gärten Rapport erstatteten.

Allerdings nehme die Anzahl der Vogelsichtungen ab. Denn die milderen, frostärmeren Winter führten dazu, dass auch weniger Vögel in die Gärten kämen, da sie auch außerhalb der Siedlungen noch genug Nahrung fänden. „Je kälter der Winter, desto mehr Vögel in den Gärten“, so die Faustregel des Ornithologen. Auch aufs Jahr gesehen litten Vogelarten viel mehr durch die Auswirkungen des Klimawandels, als sie davon profitierten. Hinzu kommt eine intensive Landwirtschaft, die eine Gefahr für den Lebensraum der heimischen Vogelwelt bedeutet. So ergab eine NABU-Studie auf Grundlage der Vogelbestandsdaten, die die Bundesregierung an die Europäische Union gemeldet hatte, dass die Anzahl der Brutpaare innerhalb von zwölf Jahren um 15 Prozent abgenommen habe.

Bei der aktuellen „Stunde der Wintervögel“ ist der NABU besonders gespannt, wie viele Amseln in Deutschland gezählt werden. Auf den Vertreter aus der Familie der Drosseln könnte sich die Usutu-Epidemie des vergangenen Sommers negativ ausgewirkt haben, fürchtet NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „2018 trat die für Amseln tödliche Viruserkrankung erstmals fast deutschlandweit auf und hat vor allem in Norddeutschland zu einem regelrechten Massensterben geführt.“ Ein milder Winter könnte aber auch dafür sorgen, dass viele Amseln im Land bleiben und nicht wegziehen. Die gemeldeten Zahlen könnten dann höher als erwartet sein, so Miller.

Die Amsel ist auch nicht der einzige Vogel, um den sich Naturschützer hierzulande sorgen. „Die Art, die bei der Wintervogelzählung über die Jahre am stärksten abgenommen hat, ist der Grünfink“, sagt NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. „2018 konnten nur noch etwa 45 Prozent des Bestandes von 2013 festgestellt werden. Hauptgrund ist das Grünfinkensterben, das durch den Parasiten Trichomonas gallinae ausgelöst wird, der besonders an sommerlichen Vogelfutterstellen von Vogel zu Vogel übertragen wird. Hier erwarten wir leider, dass sich der Negativtrend fortsetzt.“

Ob Lachmanns Befürchtungen eintreten, wird die Auswertung der eingereichten Vogelzählungen zeigen. Die Beobachtungen können unter stundederwintervoegel.de bis 15. Januar gemeldet werden. Zusätzlich ist am 5. und 6. Januar eine kostenlose Hotline geschaltet (0800 1157115), um die Sichtungen telefonisch mitzuteilen.

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