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Strammstehen betont das Bäuchlein: der Lieblingskamerad der Soldaten.

Winnie-the-pooh

Pu der Bär und sein Freund, der Soldat

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Die Geschichte von Winnie-the-Pooh kennt fast jedes Kind. Ebenso berühmt war einst sein Vorbild, ein Schwarzbär gleichen Namens im Londoner Zoo.

Er mag Honig, singt gerne und lebt mit seinen Freunden im Hundertsechzig-Morgen-Wald. Doch eigentlich kommt Pu der Bär aus Kanada. Jedenfalls das Tier, das dem Autoren der Geschichte als Vorbild diente: ein zahmer Schwarzbär aus den Wäldern Nordamerikas. Der Zufall wollte es, dass ihn sein Weg nach London führte, wo der Schriftsteller A.A. Milne auf ihn aufmerksam wurde.

Und dieser Weg allein ist eine Geschichte für sich: Das Bärenjunge verlor sehr früh seine Mutter. Nach einigen Irrungen und Wirrungen geriet es schließlich an einen jungen Kanadier namens Harry Colebourn. Colebourn war Tierarzt und außerdem bereit, 20 Dollar für den Bären zu bezahlen – für damalige Verhältnisse viel Geld. Laut der kanadischen Rundfunkgesellschaft CBC entspricht das heutigen 429 Dollar.

Ein Bär namens Winnie

Winnie – klein und handzahm.

Kein Zweifel, Harry Colebourn wollte den Bären wirklich haben. Er beschloss, sein neues Haustier „Winnipeg Bear“ zu nennen, nach seiner kanadischen Heimatstadt. Das bedeutet so viel wie: „Der Bär von Winnipeg“, kurz: Winnie. Winnie begleitete ihn von nun an und nur wenig später begaben sich die beiden auf ein Schiff. Welches Schiff? Nun, Harry war nicht nur Tierarzt, sondern auch Soldat. Und als solcher musste er nach Europa reisen, wo gerade der Erste Weltkrieg wütete.

So kam es, dass die beiden Teil der kanadischen Armee in England wurden – der Bär ebenso wie Harry. Die Soldaten liebten das Tier und wann immer sie frei hatten, spielten sie mit ihm. Es gibt ein Gruppenfoto aus jener Zeit: Ganz vorne, auf Harrys Schoß, sitzt Winnie. Da war er noch klein – nur wenig größer als ein Teddy.

Winnie landete im Zoo

Gruppenfoto mit Bär: Kanadische Soldaten im ersten Weltkrieg in England. 

Die Zeit verging, Winnie wurde größer und die Truppe erhielt den Befehl, nach Frankreich weiterzuziehen – alle 30 Soldaten. Nur ihr felliger Kamerad durfte nicht mitkommen. Nun musste sich Harry doch noch von ihm trennen und gab ihn im Londoner Zoo in Obhut.

Mittlerweile war der Bär so groß, dass er einem Kindergartenkind an die Schulter reichte, wenn er auf seinem Stummelschwanz saß. Trotzdem hatte keiner Angst vor ihm. Er war ganz zahm. Die Kinder im Zoo durften sogar auf ihm reiten. Und es kamen viele Kinder – auch ein Junge namens Christopher Robin. Dieser liebte den Bären so sehr, dass er seinen Teddy zu Hause nach ihm benannte. Das Stofftier wiederum inspirierte Papa A.A. Milne dazu, die Geschichte über einen Bären aufzuschreiben – über einen Bären von sehr geringem Verstand, der Honig mag. Sie erschien 1926.

Winnie war eigentlich eine Sie

Soldat mit Bär im Assiniboine Park in Winnipeg. 

Der echte Winnie im Zoo bevorzugte übrigens Maissirup, gemischt mit Kondensmilch. Und noch etwas: Er war gar kein Er, er war eine Sie! Als Harry vier Jahre später aus dem Krieg zurückkam und sah, wie beliebt seine Bärin dort war, entschloss er sich, ohne sie nach Hause zu reisen. Sie war in London mindestens so berühmt wie es heutzutage die Winnie-the-Pooh-Bücher auf der ganzen Welt sind. Winnie starb 1934 im Alter von zwanzig Jahren. Sie war bereits eine hochbetagte Lady.

Seine Erlebnisse mit Winniehat Harry Colebourn während des Ersten Weltkriegs in einem Tagebuch notiert. Auf dessen Basis veröffentlichte Colebourns Urenkelin Lindsay Mattick 2015 das Kinderbuch „Finding Winnie: The Story of the Real Bear Who Inspired Winnie-the-Pooh.“

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