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Die Queen im Mai 1965, bei ihrem ersten Staatsbesuch in Deutschland, am Wiesbadener Stadtschloss.

Queen-Besuch

Wiesbaden huldigt der Queen

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Vor 50 Jahren kam Queen Elizabeth II. für zwei Stunden nach Wiesbaden. Etwa 100.000 Menschen säumten die Straßen, um einen Blick auf die Monarchin und ihren Gatten zu erhaschen. Auch der Queen scheint ihr Besuch gut zu gefallen zu haben, wie ein Telegramm zeigt.

Als „rosa Vision“ sei sie damals vorbeigehuscht, schrieb vor 50 Jahren eine Tageszeitung nach dem Besuch Elizabeths II. 1965 in Wiesbaden und ihrem ersten Besuch in Deutschland überhaupt. Rosa, weil Kleid, Mantel und Hut in dieser Farbe leuchteten. Vision, nun ja, weil die Queen auch vor 50 Jahren nur wenig Zeit hatte. Kaum etwas länger als zwei Stunden dauerte die königliche Stippvisite in Wiesbaden am 20. Mai 1965. Trotz der Kürze beeindruckte der Besuch die Menschen. Etwa 100.000 säumten die Straßen, riefen „E-li-za-beth“ und winkten der Monarchin und ihrem Gatten zu.

Mit einem 15 Waggons langen Sonderzug waren die damals 39-Jährige und ihre Entourage angereist, inklusive ihrer einstigen Säuglingsschwester Miss MacDonald, der die Queen den Spitznamen „Bobo“ gegeben hatte. 17 Minuten zu spät kam die Bahn auf Gleis 5 im Wiesbadener Hauptbahnhof an, wo das Empfangskomitee um den damaligen Ministerpräsidenten Georg August Zinn ungeduldig wartete.

Im dunklen Mercedes ging es zum Landtag, wo sich die Ehrengäste ins Goldene Buch der Stadt Wiesbaden eintrugen. Das hatten Oberbürgermeister Georg Buch und Stadtverordnetenvorsteher Hajo Rywoll vom Rathaus extra in das blaue Zimmer bringen lassen – was nicht selbstverständlich war. Der damalige Oberbürgermeister von München, Hans-Jochen Vogel, weigerte sich, der Queen das Buch der Stadt zum Eintragen zu bringen. Das sei schließlich kein Poesiealbum, zitierten ihn die Gazetten.

Tatsächlich unternahmen die Wiesbadener große Anstrengungen, um den Aufenthalt der Monarchin so angenehm wie möglich zu machen. Laut der Leiterin des Stadtarchivs, Brigitte Streich, war sogar der 250 Kilogramm schwere Teppich, der heute noch im großen Festsaal des Rathauses liegt, ins Kurhaus gebracht worden. „Dieser Teppich war ein Geschenk von Königin Victoria an Wilhelm III. zur Hochzeit. 1954 hatte ihn die Stadt angekauft.“

Vom Landtag fuhr der Konvoi in Richtung Kurhaus, wo zum Empfang eingeladen worden war. Die Menschen drängelten sich an den Absperrgitter, um einen Blick auf die Queen zu erhaschen. „Wer einen guten Platz hat, sieht die Königin im offenen Wagen ganz nah an sich vorbeifahren. Sie lächelt. Es lächelt auch Prinz Philip. Und der hessische Landesvater strahlt“, schrieb eine Zeitung.

Georg August Zinn war ebenfalls vom Besuch der Queen angetan. „Mein Vater war beeindruckt von der charmanten und menschlichen Art der Königin und ihres Gemahls. Auch beeindruckte ihn das Geschichtsbewusstsein der beiden, zumal beide enge verwandtschaftliche Verbindungen zu Hessen haben“, sagt Georg-Christian Zinn, Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten. Er hat über das Ereignis in Aufzeichnungen seines Vaters gelesen. „Unseren Eltern fiel auch auf, wie gut und geschickt sie sich bei dem großen Empfang im Wiesbadener Kurhaus mit einem Blick oder einer Geste verständigten.“

Dass es der Queen in Wiesbaden gefallen haben muss, zeigt ein Telegramm, das am selben Abend gegen 23.15 Uhr eintraf. „Dieser Besuch hat uns große Freude bereitet, und wir werden nur schöne Erinnerungen an die Freundlichkeit der Wiesbadener Bevölkerung bewahren.“

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