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Geteilte Stadt: Wie ein Mahnmal ragt die alte Brücke hervor.

Eingestürzte Brücke in Genua

"Wiedergeburt" nach der Katastrophe

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Am 14. August stürzte in Genau eine Autobahn-Brücke ein, 43 Menschen kamen ums Leben. Seitdem ist wenig passiert. Der Bürgermeister will die Brücke nun bis Weihnachten 2019 ersetzen.

In einem Jahr, Weihnachten 2019, wird die Morandi-Brücke wieder stehen, verspricht Marco Bucci. Der Bürgermeister von Genua ist Optimist. Denn seit ein 200 Meter langer Abschnitt des Autobahn-Viadukts am 14. August einstürzte, 43 Menschen starben und Hunderte ihre Wohnungen verloren, ist kaum etwas passiert. Nach vier Monaten ragen die Brückenstümpfe immer noch wie ein Mahnmal hervor, die ligurische Hafenstadt ist wegen der fehlenden Verbindung über das Polcevera-Tal weiterhin zweigeteilt.

Am Samstag nun hat Bucci, vor sechs Wochen von Rom zum Sonderkommissar für den Wiederaufbau ernannt, die Abriss-Baustelle eröffnet – symbolisch zumindest. Bevor Bagger und Mini-Sprengsätze zum Einsatz kommen, muss ein Richter die beschlagnahmten Brückenteile freigeben. Im Lauf der Woche sollen die Arbeiten beginnen.

Bucci glaubt fest an den engen Zeitplan. Fünf Monate sind für den Abriss angesetzt. Ende März soll parallel mit dem Neubau begonnen werden. „Ich bin der Weltmeister des halbvollen Glases“, sagt der 59-Jährige von sich. Aber wenn es einer schaffen kann, dann Bucci. Der frühere Top-Manager bei Eastman Kodak und Pharmakonzernen in den USA und der Schweiz, gilt als durchsetzungsstark und entschlossen. In die Politik ging er 2017. Bei der Bürgermeister-Wahl trat er für ein breites Bündnis rechter Parteien an und besiegte den Mitte-Links-Kandidaten. Das traditionell rote Genua erlebte erstmals nach 42 Jahren den Wechsel. Bucci selbst ist parteilos, hat aber gute Kontakte zur Lega.

Die Ermittlungen laufen noch

Der 600.000-Einwohner-Stadt verspricht er die „Wiedergeburt“ nach der Katastrophe. Genua soll laut Regierungsbeschluss 1,1 Milliarden Euro erhalten, davon 430 Millionen für Abriss und Wiederaufbau der Brücke. Einen Großteil muss der private, zum Benetton-Konzern gehörende frühere Betreiber Autostrade per l’Italia zahlen, den Rom rasch als Schuldigen ausgemacht hatte. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch, sie bestätigen Instandhaltungs-Mängel. Autostrade hat aber Widerspruch eingelegt.

Bucci kann als Kommissar mit besonderen Vollmachten die Aufträge für den Brücken-Neubau recht unbürokratisch vergeben. Unter den zehn Bewerbern sind Konsortien, die mit zwei der berühmtesten Architekten der Welt arbeiten. Beste Chancen soll ein italienischer Baukonzern haben, der die Brücke nach Plänen des Genuesers Renzo Piano errichten will, mit 43 Lichtsäulen zur Erinnerung an die Opfer. In den kommenden Tagen will Bucci bekanntgeben, wer den Zuschlag erhält.

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