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Bestreiten ihr Mitwirken an dem Buch „Finding Freedom“: Meghan und Harry. Tolga AKMEN/AFP

Buch „Finding Freedom“

Wie in alten Zeiten

  • vonKatrin Pribyl
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Eine Soap-Opera in Echtzeit: Manche Royal-Beobachter werten ein neues Buch als übles Nachtreten von Prinz Harry und Herzogin Meghan. Das kommt in Großbritannien nicht überall gut an.

Es geschah nur einige Monate, nachdem sich Prinz Harry und Meghan Markle verliebt und bereits verlobt hatten, dass Prinz William das große Gespräch mit seinem Bruder suchte. Die beiden standen sich nah, schon seit Kindesalter und erst recht, seit ihre Mutter Prinzessin Diana bei einem Autounfall ums Leben kam.

Der als vernünftig geltende William sah sich stets in der Beschützerrolle des eher wilden Harry. So auch jetzt. „Glaube nicht, dass du das überstürzen musst. Nimm dir so viel Zeit wie nötig, um dieses Mädchen kennenzulernen“, soll der ältere der beiden Brüder damals zu dem jüngeren gesagt haben. Erzürnt, dass William nicht hundert Prozent hinter seiner Entscheidung stand, nahm Harry die Worte nicht als gutgemeinten Rat auf, sondern soll über die anmaßende Beschreibung „dieses Mädchen“ gewütet haben. Schlimmer noch, er erkannte „einen Snob“ in seinem Bruder.

Nun darf man anmerken, dass die Erkenntnis, ein Royal könnte als Snob auftreten, nicht gerade überraschend daherkommt. Mehr Establishment als die britische Königsfamilie geht nicht. Doch auch wenn William aus Sorge gehandelt haben mag, Prinz Harry empfand den Ton als Affront. Die Szene bringe es auf den Punkt, soll ein Freund später erzählt haben. „William, der Ruhige und Rationale, und Harry, der nicht anders kann, als Dinge zu persönlich zu nehmen.“

Mit dieser Episode soll der Bruderstreit begonnen haben, der unter anderem schlussendlich zum Abschied von Herzogin Meghan und Prinz Harry aus der „Firma“ der Windsors geführt hat. Ende März quittierten die beiden den Dienst im Auftrag der Krone. Beim letzten gemeinsamen öffentlichen Auftritt in der Westminster Abbey würdigten sich die einstmals als „Fab Four“ gefeierten Cambridges und Sussexes kaum eines Blickes.

Doch loslassen können der 35-jährige Harry und die 38 Jahre alte Meghan offenbar auch in ihrer neuen kalifornischen Heimat Los Angeles nur schwer. Bereits jetzt sorgt das am 11. August erscheinende Enthüllungsbuch „Finding Freedom“ über den Austritt der Sussexes aus dem engsten Zirkel des Königshauses für Schlagzeilen. Geschrieben haben es die US-Amerikaner Omid Scobie, royaler Korrespondent der Zeitschrift „Harper’s Bazaar“, und die Reporterin Carolyn Durand.

Beide gehören klar dem Team Harry/Meghan an. Auch wenn die Sussexes bestreiten, mit den Journalisten zusammengearbeitet zu haben, sind sich britische Experten einig, dass sie gezielt Freunde, Ex-Mitarbeiter und andere Quellen unterrichtet haben und es sich bei dem Werk um eine unautorisierte Biografie des abtrünnigen Paares handelt, das sich ungerecht behandelt fühlt. In „The Times“ und „The Sunday Times“ wurden in den vergangenen drei Tagen Auszüge gedruckt. Die Ausschnitte lesen sich wie eine Abrechnung der beiden mit der Königsfamilie, den Palastangestellten, den Medien, der Öffentlichkeit. Nicht einmal Queen Elizabeth II. bleibt Kritik erspart. Ihr wird vorgeworfen, bei ihrer im TV übertragenen Weihnachtsansprache kein Foto der Familie Sussex auf ihrem Schreibtisch zur Schau gestellt zu haben.

Es ist alles wie in alten Zeiten, möchte man meinen. Das Königshaus Großbritanniens als eine Soap Opera in Echtzeit, die die royale Fanwelt bestürzt oder erfreut, zumindest bewegt. Nun wird wieder schmutzige Wäsche gewaschen. Und wie schon bei Prinzessin Diana kommen die Details in einem Buch ans Licht.

Darin werden Prinz Harry und Herzogin Meghan als unschuldige Opfer von Intrigen der jahrhundertealten Institution und der bösen Presse dargestellt. „Verbittert, neidisch, gemieden“, titelte das Boulevardblatt „The Sun“ über die „Buch-Rache“ von Harry und Meghan. Darin wird etwa detailliert aufgedröselt, wie die beiden von den Cambridges nicht richtig aufgenommen worden wären. Wie Meghan sich von Herzogin Catherine im Stich gelassen fühlte, auch wenn nun Freunde von William und Kate bereits betont haben, dass der ehemaligen US-Schauspielerin „der rote Teppich ausgerollt“ worden sei.

Heile Welt: Die Märchenhochzeit 2018. Damir Sagolj/rtr

Das Buch beschreibt auch Harrys Eifersucht auf den Bruder, der als Nummer zwei der Thronfolge nicht nur mit mehr Macht ausgestattet ist, sondern sich als künftiger König auch in einer besseren finanziellen Position befindet. Daraus soll Missgunst entsprungen sein. So heißt es, dass der Herzog und die Herzogin von Sussex durch ihre Popularität und ihre Märchenhochzeit „Millionen an Einnahmen“ gebracht hätten, und trotzdem bei wichtigen Terminen zurückstecken mussten hinter Prinz Charles und Camilla sowie Prinz William und Catherine.

Sie seien ins Abseits manövriert worden. „Ich habe mein ganzes Leben für diese Familie aufgegeben. Ich war bereit, alles zu tun, was nötig ist“, wird Herzogin Meghan zitiert. Es sei sehr traurig. Die Frage ist, für wen? Denn ob die beiden sich mit ihrem „Evangelium für Meghan und Harry“, wie es Insider bezeichnen, einen Gefallen getan haben, darf zumindest bezweifelt werden.

In Großbritannien kommen die Beschwerden und das Nachtreten aus der Ferne jedenfalls alles anderes als gut an. „Es ist ein völlig unnötiges Drama“, wird in den Medien ein enttäuschter Freund von Harry zitiert. Beobachter meinen, mit den Enthüllungen hätte das Paar jede Chance auf eine Rückkehr ins Königshaus verspielt.

„Vielleicht werden sich die Sussexes erleichtert fühlen, dass nun alles raus ist“, schrieb die Königshaus-Korrespondentin der „Sunday Times“ Roya Nikkhah. Vielleicht helfe es ihnen, das Kapitel abzuschließen. Und vielleicht werde es auch Geister zur Ruhe setzen und zu gegebener Zeit die Wunden heilen. „Aber war es das wirklich wert?“

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