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Wenn viele Augen zucken in der Nacht

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Von: Boris Halva

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Diese Augen! Evarcha arcuata, auf einem Blatt sitzend. imago images
Diese Augen! Evarcha arcuata, auf einem Blatt sitzend. imago images © imago images

Auch Springspinnen träumen recht lebhaft

Die meisten Menschen kennen Evarcha arcuata nur flüchtig. Denn entweder sucht bei einer unverhofften Begegnung die kleine Springspinne das Weite – oder der Mensch nimmt die Beine in die Hand. Sind doch Spinnen nach wie vor – auch wenn ihr Wesen eher furchtsam und ihr Beitrag zum biologischen Gleichgewicht ein nicht zu unterschätzender ist – für die meisten Menschen die Angstgegner und -gegnerinnen schlechthin. Ein Alptraum auf acht Beinen!

Nicht so Daniela Rößler. Sie gehört zu den Menschen, die sich intensiv mit Springspinnen befassen, sich im Dienste der Wissenschaft sogar nachts an deren Bettchen setzen und ihnen beim Schlafen zusehen. Und dabei hat die Biologin, die an der Uni in Konstanz forscht, mit ihrem Team eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Evarcha arcuata träumt in der Nacht!

Beim Schlafen beobachtet

Wie jetzt im Wissenschaftsjournal PNAS veröffentlicht wurde, hat Rößlers Team bei Springspinnen einen REM-Schlaf ähnlichen Zustand entdeckt. Bei Säugetieren und Vögeln ist diese „Rapid Eye Movement“-Phase eingehend untersucht, auch bei Reptilien und Kopffüßern ist sie dokumentiert. Aber da viele Tiere keine beweglichen Augen hätten, sei ein umfassender Vergleich aktiver, schlafähnlicher Zustände schwierig, heißt es in der Mitteilung der Uni. So seien Springspinnen nicht in der Lage, die Linsen ihrer Augen zu bewegen, könnten jedoch ihre Netzhautröhren bewegen, um ihren Blick anzupassen.

Wie auch immer: Die Konstanzer Verhaltens- und Evolutionsökologin und ihr Team untersuchten nächtliche Infrarot-Aufnahmen von 34 jungen Springspinnen. Und erkannten dabei „Phasen deutlicher Netzhautbewegungen, die in sehr regelmäßigen Abständen auftraten und im Laufe der Nacht zunahmen“.

Ob die Spinnen geschnarcht haben, ist nicht überliefert. Aber – und das ist irgendwie rührend – die Netzhaut-Bewegungen seien „mit unkontrollierten Körperbewegungen einhergegangen, etwa dem Einrollen der Beine oder dem Zucken einzelner Gliedmaßen“.

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