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Was haben Sido und Helene Fischer gemeinsam? Diesen Mann.

Nico Santos

Nico Santos: „Wenn ich Dorfluft rieche, bekomme ich Gänsehaut“

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Und das, obwohl Nico Santos gerade ganz schön viel rumkommt: Derzeit zählt er zu den erfolgreichsten neuen Musikern Deutschlands. Ein Gespräch über das Tourneeleben – und Nachhausekommen.

Herr Santos, Sie sind viel unterwegs. Was steht 2020 alles an?

Es ist lustig, wenn mir Freunde schreiben: „Wann können wir uns mal treffen?“ Dann muss ich sie auf Mai verweisen: In den nächsten Tagen finden die Proben für „Sing meinen Song“ statt. Dann schreibe ich mein Album fertig. Es folgen Tourproben, danach bin ich für zwei Wochen in Südafrika, dann wieder Tourproben und die Tour – dann ist Mitte April, und das Album kommt raus, es folgen zwei Wochen Album-Promo – und dann ist schon Mai.

Auf welche Tourstationen freuen Sie sich trotz des ganzen Stresses?

Es ist das erste Mal, dass ich in Bremen spiele; darauf freue ich mich sehr. Dort bin ich geboren, meine Onkels und Tanten kommen dort her. Auf Köln freue ich mich auch, dort habe ich noch viele Kumpels – ich habe eine Zeit lang in Köln in WGs gelebt. Das typische WG-Leben und Partys. Natürlich bin ich auch nervös, wenn alle zuschauen. Auch meine Mutter und meinen Vater habe ich nach Köln eingeladen – und nach Berlin. Aber in Berlin habe ich dann bereits 16, 17 Shows hinter mir. Da habe ich ihnen gesagt, kommt lieber nach Köln, da ist meine Stimme dann noch nicht ganz kaputt (lacht).

Doch so anstrengend?

Das wäre alles im Rahmen, aber ich komme erst kurz davor aus Südafrika zurück, und ich habe gehört, dass man dort während den Sendungen („Sing meinen Song“, Anm. d. Red.) nicht nur viel singt, sondern auch viel feiert.

Haben Sie trotz der vielen Reisen ein richtiges Zuhause-Gefühl? Schließlich haben Sie neben Köln und Bremen auch mal auf Mallorca gelebt, wohnen nun in Berlin.

Da ich nun seit sechs Jahren in Berlin lebe, ist mir die Stadt echt ans Herz gewachsen. Ich fühle mich da sehr zu Hause und weiß, dass ich die nächste Zeit dort leben werde. Meine Familie lebt noch in Spanien, ich war noch vor vier Tagen dort. Und wenn ich dorthin zurückkomme und die Finca sehe und die Dorfluft rieche, dann bekomme ich schon Gänsehaut und ein Heimatgefühl. Es ist schön, dass ich zwei Orte habe, an denen ich zu Hause bin.

Waren Zuhause, Heimat, Familie auch wichtig für Ihre Karriere?

Das Wichtigste! Meine Eltern waren beide Musiker …

Ihr Vater dürfte vielen vor allem als „Melitta-Mann“ aus der Werbung in Erinnerung sein …

Er war aber auch Gitarrist für Roy Black, das ist allerdings nicht sein Lieblingspart in seiner Vita. Er war Discjockey, als er in seinen Zwanzigern war, hat in Jazzbands gespielt, viel Musik mit Donna Summer gemacht, war irgendwann Radioredakteur und ist dann durch Zufall in die Werbewelt gelangt. Und meine Mutter war Gitarristin in einer Frauen-Grungeband. Sie ist ein Freigeist. Durch die beiden habe ich alles gelernt.

Wie lief das ab?

Mein Vater hatte ein Studio in der Finca. Jeden Tag sind dort Leute ein- und ausgegangen. Gitarristen von den Bee Gees, Backgroundsänger von Eurythmics und von Annie Lennox und so weiter. Als Kind habe ich mir das alles angeschaut. Die waren alle gut gelaunt auf Mallorca, und ich dachte: Ich wäre dumm, wenn ich das nicht auch wollen würde.

Klingt nach einer traumhaften Kindheit.

Das war eine traumhafte Kindheit! Ich habe das in den letzten Tagen noch mal Revue passieren lassen, und ich hoffe, dass ich so etwas auch meinen Kindern einmal geben kann.

Ihr Bekanntheitsgrad ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Wir sitzen hier in einem separaten Bereich des Frankfurter Flughafens, auch weil Sie öfter erkannt werden.

Zur Person: Nico Santos , Sänger, Songwriter und Produzent, wurde 1993 in Bremen als Nico Wellenbrink geboren, bald darauf zog er mit seinen Eltern nach Mallorca. Später kehrte Santos allerdings nach Deutschland zurück, um in Köln Tontechnik zu studieren. 

Die Familie ist musikalisch geprägt. Santos’ Eltern, Egon und Lisa Wellenbrink, spielten in diversen Musikprojekten, sein Vater wurde auch in der Werbung als „Melitta-Mann“ bekannt. Santos’ Schwester Susanna und deren Tochter Mia-Sophie arbeiten als Schauspielerinnen. Santos selbst war durch die Formate „Sing meinen Song“ und „The Voice of Germany“ zuletzt häufiger im TV zu sehen.
Die Hits von Nico Santos laufen rauf und runter: Mit „Rooftop“, „Safe“, „Play with Fire“ oder „Better“ mit Lena Meyer-Landrut zählt er derzeit zu den meistgespielten Künstlern Deutschlands. Santos arbeitet mit Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Genres zusammen – so sind auch seine eigenen Stücke nicht einer Richtung zuzuordnen. Nach seinem Debüt „Streets of Gold“ (2018) folgt 2020 sein zweites Album.
Die Tour führt Santos am 24. März in die Frankfurter Jahrhunderthalle. ansi

Ja, das ist eben erst wieder passiert – das war sehr lustig. Meinen Namen hat man vielleicht immer wieder mal im Radio gehört – aber durch das Fernsehen ist mein Gesicht dazugekommen. Das hat sich gerade in den letzten drei Monaten durch die Show „The Voice“ nochmals verändert.

Zum Guten oder zum Schlechten?

Ich kann damit noch leben. Aber mein Vater ist ja deswegen damals nach Mallorca gezogen. Ihm wurde es irgendwann zu viel. Aber ich glaube, ich bin da nicht so.

Werden Sie denn in Berlin oft angesprochen?

Die Berliner sind es gewohnt, mal jemand Bekannten zu sehen. Aber auf dem Ku’damm, wo viele Touristen sind, da ist es anders.

Wie reagieren Sie dann?

Nett. Ich finde das nicht schlimm, sondern cool. Es ist neu für mich. Das ist alles noch spannend.

Sie haben gemeinsame Projekte mit vielen erfolgreichen und vor allem unterschiedlichen Musikerinnen und Musikern gemacht, darunter Lena Meyer-Landrut, Sido und Helene Fischer. Was ist die Basis einer solchen Zusammenarbeit? Der Wunsch der Agenturen? Business? Freundschaft?

Mal so, mal so. Zum Beispiel mit Sarah Connor oder Adel Tawil, man trifft sich irgendwo und hält Small Talk und irgendwann: „Hey, vielleicht können wir mal was zusammen machen.“ Lena habe ich ein paar Mal zufällig gesehen, sie hatte einen Song von mir gehört und fand den cool – dann haben wir zusammengearbeitet, und irgendwann sind wir auf einer Freundschaftsbasis angekommen. Aber es sind auch andere Freundschaften als die, die man seit seiner Jugend hat. Wenn man sich sieht, sind aber alle superglücklich, und ich weiß es zu schätzen, dass man Kollegen hat, mit denen man auch eine Freundschaft pflegen kann.

Und Ihre Jugendfreundschaften? Leiden die unter der Arbeit?

Ja, ein bisschen. Ich sage immer, 2021 wird’s besser.

Die Liste prominenter Musikerinnen und Musiker, mit denen Sie zusammengearbeitet haben, ist zwar lang. Aber fehlt Ihnen noch jemand?

Es wäre nicht schlecht, wenn da ein internationaler Name dazukäme. Da gibt’s einige. Ich höre sehr gerne spanische Musik und Latinomusik. In diese Welt einzutauchen, fände ich sehr spannend.

Apropos internationale Künstlerinnen und Künstler: Sie machen zwar englischsprachige Songs, Ihr Hauptfokus liegt aber auf dem deutschsprachigen Musikmarkt. Warum?

Ich glaube, weil ich mich hier am wohlsten fühle. Deutschland hat einen großen Musikmarkt. Ich war die vergangenen Jahre auch mal in Prag oder in Polen, das ist noch alles übersichtlich, aber es macht Spaß. Ich habe das auch bei Alvaro (Soler, Anm. d. Red.) gemerkt, der ist in Italien, dann geht es weiter nach Costa Rica, von dort dann nach Polen – das ist schon ein bisschen anstrengender.

Das reizt Sie also weniger?

Wenn ich ehrlich bin: Ich bin sehr glücklich, so wie es ist.

Interview: Andreas Sieler

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