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Wenn das Päckchen Ärger bringt

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Worauf man achten sollte, wenn man Post für andere annimmt, wird hier erklärt. Von Alena Hecker.

Wer regelmäßig zu Hause ist, hört diese Frage zuweilen mehrmals in der Woche: „Können Sie ein Paket für den Nachbarn annehmen?“ Zwar ist die sogenannte Zustellung bei Ersatzempfänger:innen ohne ausdrückliche Einwilligung der Absenderinnen und Absender nicht erlaubt. Doch viele Versandunternehmen haben in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgelegt, dass die Abgabe an Personen in der Nachbarschaft zulässig ist. Der Begriff „Nachbar“ ist dabei juristisch umstritten. In der Regel sollte diese:r nicht weit entfernt wohnen, also auf der gleichen Etage, im selben Mietshaus oder maximal im selben Wohnblock.

Nimmt jemand für eine andere Person eine Sendung an, wird damit laut Gesetz eine Geschäftsführung ohne Auftrag angenommen: „Ich bin dann verpflichtet, das Paket so zu handhaben, wie es das Interesse meines Nachbarn erfordert“, sagt Rechtsanwalt Harald Rotter vom Deutschen Anwaltverein. „Dabei hafte ich schon für leichte Fahrlässigkeit.“

Niemand sollte also die für Nachbarinnen und Nachbarn angenommene Lieferung einfach vor dessen Wohnungstür abstellen. Denn für Verlust oder Schäden am Inhalt des Pakets kann im Ernstfall der oder die Empfänger:in verantwortlich gemacht werden, weil nicht gut genug darauf geachtet wurde. „Deshalb: Pakete nur annehmen, wenn man den Nachbarn als verträglichen Menschen kennt.“

Manchmal endet der Freundschaftsdienst auch böse. Das Landeskriminalamt Berlin warnt vor Betrugsfällen im Zusammenhang mit Bestellungen. Kriminelle bestellen unter falschem Namen und geben eine Lieferadresse an, bei der sie nicht wohnen. Dort bringen sie ihren gewählten Namen gut sichtbar an einem Briefkasten an. Hat jemand aus der Nachbarschaft die Bestellung angenommen, holen die Straftäter – meist junge Männer – die Zustellkarte aus dem präparierten Briefkasten und gehen damit zur Person, die das Paket entgegengenommen hat. Um mögliches Misstrauen zu zerstreuen, erzählen sie häufig, sie seien gerade neu eingezogen, würden eine Wohnung während des Urlaubs hüten oder seien beauftragt worden, die Lieferung für den oder die Empfänger:in abzuholen.

Das Problem dabei: Wer das Paket annimmt, muss im Zweifel die Rechnung zahlen. Mögliche zivilrechtliche Ansprüche stellen Warenversender an die letzten namentlich bekannten und nachvollziehbaren Empfänger:innen des Pakets. Falls Unbekannte ein Paket abholen, sollte man sich darum zur Sicherheit immer einen Personalausweis zeigen lassen und die wichtigsten Daten wie Name, Adresse, Datum und Aussehen der Person notieren, um später die Weitergabe beweisen zu können. Wer einen Betrug vermutet, verweigert besser die Herausgabe und verständigt die Polizei.

Und was, wenn angenommene Pakete gar nicht abgeholt werden? Vielleicht weil die Zustellkarte verloren gegangen ist oder jemand die Bestellung doch nicht haben möchte und ignoriert? „Dann muss ich meine Nachbarin in Verzug setzen“, so Rotter. Das soll heißen: Freundlich darauf hinweisen, dass ein Paket auf sie wartet, und eine angemessene Frist setzen, bis wann sie ihre Lieferung abholen kann. Nach Ablauf dieser Frist haftet der Paketempfänger oder die -empfängerin nur noch für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit, falls dem Paket während seiner Obhut etwas zustößt.

Pakete, die vom Versandunternehmen Hermes ausgeliefert wurden, nehmen die Zusteller:innen problemlos wieder mit. Alternativ verschickt der Kundenservice auf Anfrage einen Versandgutschein. DHL verweist darauf, dass mit der erfolgten Nachbarschaftszustellung und der entsprechenden Information an den oder die Paketempfänger:in der Beförderungsvertrag mit dem oder der jeweiligen Absender:in erfüllt sei.

Verwaiste Bestellungen des Onlinehändlers Zalando dürfen laut Kundenservice geöffnet werden. Mithilfe des Retourenscheins können sie dann zurückgeschickt werden. Das verstößt jedoch streng genommen gegen das im Grundgesetz verankerte Postgeheimnis. Amazon empfiehlt, den Kundenservice zu kontaktieren: „Der stellt dann entweder ein kostenloses Rücksendeetikett zur Verfügung oder veranlasst eine Abholung der Sendung.“

Als letzte Möglichkeit bleibt, ein nicht abgeholtes Paket auf eigene Kosten zurückzuschicken. Der oder die Absender:in muss es aber nicht annehmen, vor allem, wenn es sich um eine Bestellung handelt deren Rückgabefrist abgelaufen ist. Viel Ärger für einen kleinen Gefallen in der Nachbarschaft. Was hilft, um dem zu entgehen: Einfach auch mal nein sagen.

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