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Glück gehabt: Heidrun Fink präsentiert nur die Attrappe einer Hand.

Silvesterraketen und Böller

Wenn, dann richtig

Vor Silvester demonstrieren Mitarbeiter der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, wie man Feuerwerk besser nicht zündet, und erklären, was bei der Knallerei zu beachten ist.

Weiße, lange Finger umklammern im kalten Nieselregen einen schwarzen Böller, der einer Dynamitstange ähnelt. Darauf abgebildet ist ein Totenkopf. Als die oben aus dem Böller ragende Zündschnur anfängt zu brennen, gibt es eine weiße Stichflamme und dann einen gigantischen Knall. Der Hand fehlen nur wenige Sekunden nach dem Zünden des Böllers Daumen, Zeige- und Mittelfinger.

Glücklicherweise ist es lediglich die Attrappe einer menschlichen Hand, die bei der Explosion so schwer verletzt wurde. Die Mitarbeiter der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) nutzen diese aufsehenerregende Methode gerne, um zu zeigen, welche schweren Schäden illegale Feuerwerkskörper anrichten können.

Da der Jahreswechsel bevorsteht, wollen sie Menschen für den richtigen Umgang mit Silvesterraketen und Böllern sensibilisieren. Vom Erwerb sogenannter Blitzknallkörper, im Volksmund meist einfach als „Polenböller“ bezeichnet, raten die Experten gänzlich ab. Der erste Tipp für einen sicheren Silvesterabend ist daher ganz einfach: „Kaufen sie Feuerwerkskörper in Deutschland und zwar in Läden, die ihnen vertrauenswürdig erscheinen – also nicht aus dem Kofferraum eines Autos“, sagt Christian Lohrer, Pyrotechnikexperte bei der BAM.

In der EU werden die Silvesterknaller von neutralen, unabhängigen Organisationen geprüft und dann mit CE-Zeichen samt Kennnummer der Prüfstelle gekennzeichnet. So können Verbraucherinnen und Verbraucher davon ausgehen, dass Sicherheitsstandards eingehalten werden. In Deutschland zählen aber auch noch länderspezifische Regelungen. So dürfen hier Feuerwerkskörpern der Kategorie F1, zum Beispiel Tischfeuerwerk und Knallerbsen, von Kindern erst ab einem Alter von zwölf Jahren gezündet werden. Die Knaller der Kategorie F2, Böller und Raketen, sind nur für Volljährige zugelassen und dürfen nur im Freien gezündet werden.

Aber auch Erwachsene sollten nicht einfach munter drauf los knallen, rät Heidrun Fink, Expertin für Explosivstoffe bei der BAM. „Lesen Sie bitte vorher die Anleitung“, sagt sie. „Und dann ist es ganz wichtig, nach dem Zünden immer einen Sicherheitsabstand von acht Metern einzuhalten.“ Das gelte insbesondere für Batteriefeuerwerk oder Fontänen, beides sei in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. Diese können auf dem Boden aufgestellt werden und brennen dann in ein bis zwei Metern Höhe ab. Dabei können einzelne Funken mehrere Meter weit fliegen. Beim Anzünden sollte man darauf achten, weder Gesicht, Oberkörper noch Arme und Hände über das Feuerwerk zu halten.

Wichtig sei es auch, Batteriefeuerwerk und Fontänen auf einem festen und geraden Untergrund zu platzieren. Raketen sollten nicht in Schnee- oder Erdhaufen gesteckt werden, um sie abzuschießen. „Am besten geeignet ist eine leere Sektflasche, die fest in einem Getränkekasten steht“, weiß Fink. Angezündete Böller sollten im Übrigen auf gar keinen Fall geworfen werden. „Das ist ein häufiger und gefährlicher Fehler“, so Fink. „Am besten legen Sie den Böller auf dem Boden und zünden ihn dann an“. Die Knallkörper sind so konstruiert, dass drei bis acht Sekunden Verzögerung ausreichend Zeit garantieren, um den Sicherheitsabstand einzuhalten. Blindgänger sollten einfach liegen gelassen und kein zweites Mal verwendet werden.

Vor einem Risiko wollen die Experten des BAM ganz besonders warnen: „Versuchen Sie niemals legales oder illegales Feuerwerk selbst zu manipulieren“, sagt Christian Lohrer mit Nachdruck. Das sei nämlich erstens illegal und zweitens brandgefährlich. „Die explosiven Stoffe in Raketen und Böllern sind sehr sensibel und sollten daher auf gar keinen Fall aus ihrer Verpackung entfernt werden“, so der Experte.

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