Die Zahl der Ratsuchenden geht zurück - und bleibt doch höher als vor fünf Jahren.
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Die Zahl der Ratsuchenden geht zurück - und bleibt doch höher als vor fünf Jahren.

Schwangere

Ansturm auf katholische Beratung legt sich

Interesse von Migrantinnen und Geflüchteten bleibt hoch.

Rund 113.500 Ratsuchende haben 2018 Beratung in den 274 katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen in Deutschland gesucht. Der Ansturm der vergangen Jahre – plus 20 Prozent, bedingt durch den Zuzug von Geflüchteten, Migrantinnen und Migranten – hat sich gelegt, wie aus der Jahresauswertung des Deutschen Caritasverbandes hervorgeht. Dennoch liegt das Beratungsaufkommen immer noch deutlich über den Zahlen von vor fünf Jahren.

Fragen zum Lebensunterhalt

Knapp 54 Prozent aller Ratsuchenden hatten eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit, 31,6 Prozent kamen aus dem nichteuropäischen Ausland. Mehr als jede Dritte war Muslimin. Für die rund 650 Beraterinnen von Caritas und Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) besonders schwierig sind Sprachkenntnisse, die in mehr als jedem fünften Fall fehlten.

Rund 18 Prozent der Ratsuchenden kamen nach der Geburt in die Beratungsstellen oder führten die Beratung in der frühen Familienphase fort. Aus Sicht der Caritas erweisen sich die Beratungsstellen deshalb als wichtige Türöffner für weitere Hilfen. Die Beraterinnen vor Ort verfügten über gute Kontakte in das Netzwerk der Unterstützungsleistungen – zu Elternkursen etwa, zu psychologischer Begleitung oder verschiedenen offenen Treffs.

Die Themen in der Beratung haben sich verändert: Während es in den Jahren 2015 bis 2017 um Krisenintervention und das Ankommen in Deutschland ging, stehe inzwischen in weit größerem Maße die Sicherung des Lebens im Vordergrund, unterstreicht Caritas-Familienreferentin Sabine Fähndrich in ihrer Bilanz in der Zeitschrift „Neue Caritas“.

Ein erheblicher Teil der geflüchteten Frauen leide an den Folgen sexueller Gewalt und posttraumatischen Belastungsstörungen, die sich negativ auf Schwangerschaft und Geburt auswirkten. Durch den Zuzug von Frauen mit Flucht- und Migrationshintergrund gewinnt auch das Thema weibliche Genitalverstümmelung und Beschneidung zunehmend an Bedeutung in der Schwangerschaftsberatung, hieß es.

Laut Fähndrich ist die Kostenübernahme für Verhütungsmittel als staatliche Leistung für viele Ratsuchende eine ganz wichtige Frage. Bislang übernimmt der Staat diese Leistung allerdings nicht finanziell. In vielen Kommunen gibt es aber sogenannte Verhütungsmittelfonds. „Für die katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen stellt sich die Frage, ob und in welcher Form sie sich an diesem Fonds beteiligen können“, betont die Autorin. „In einzelnen Diözesen hat es eine Verständigung darüber gegeben, dass eine Beteiligung der Beratungsstellen von Caritas und SkF möglich ist.“

Kontinuierlich gestiegen ist die Zahl der alleinerziehenden Frauen in der katholischen Schwangerschaftsberatung: 2018 lag ihr Anteil bei 14,4 Prozent. Themen wie Partnerschaftskonflikte und Trennung würden deshalb gerade bei den Ratsuchenden mit Migrations- und Fluchthintergrund häufiger angesprochen.

Fehlen der Hebammen

Zunehmende Schwierigkeiten für die Schwangeren ergeben sich auch durch einen gravierenden Mangel an Hebammen in vielen Regionen. „Die Situation spitzt sich durch Schließung von geburtshilflichen Abteilungen und Kreißsälen zu.“ Schwangere würden mit ihrer Suche nach einer Hebamme oder nach einem Platz in einem Geburtsvorbereitungskurs oft alleingelassen.

Beratungen nach einem Schwangerschaftsabbruch sind in den katholischen Beratungsstellen weiter leicht rückläufig. Die Zahl lag 2018 bei 98 Fällen, also gerade einmal bei 0,1 Prozent. Weiterhin niedrig bleibt auch die Zahl der Beratungen nach einem positiven Befund bei einer Pränataldiagnostik. Hier registrierten die Beraterinnen 188 Ratsuchende. 597 Ratsuchende wandten sich in einem existenziellen Schwangerschaftskonflikt an Caritas und SkF. Katholische Stellen dürfen seit 2001 keine Beratungsnachweise mehr ausstellen, die zu einer Abtreibung berechtigen. kna

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