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Ein Herz und eine Seele: Demonstrativ hielt die Queen zu ihrem angeblichen Lieblingssohn.

Kommentar

Zu wenig, zu spät

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Dass Prinz Andrew seine Ämter niederlegt, war ein unausweichlicher Schritt -  er kommt aber zu spät. Auch die Queen hat viel zu lange gezögert. Der Kommentar.

Prinz Andrew hat seine öffentlichen Ämter niedergelegt und in Aussicht gestellt, im Missbrauchsfall um den toten US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein auszusagen. Dieser Schritt des Prinzen war unausweichlich – und doch kommt er viel zu spät. Die Fakten liegen seit langem auf dem Tisch, die Anschuldigungen sind ebenfalls altbekannt.

Es ist ein Skandal, dass der Druck auf den Prinzen erst durch das BBC-Interview vom Wochenende so massiv wurde, dass er Konsequenzen ziehen musste, die ohnehin nur ein Anfang sein können. In dem Interview äußerte er kein Wort des Bedauerns, der Reue, der Empathie für die Mädchen und Frauen, die Epstein sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben soll.

Nun plötzlich will Andrew „tiefes Mitgefühl“ verspüren? Seine Verbindung mit dem verurteilten Sexualstraftäter bereuen? Das ist wenig glaubhaft. Vielmehr hat er seine wahre Natur entlarvt. Arrogant offenbarte er das typische Selbstverständnis des britischen Establishments, in dem einflussreiche Männer noch immer denken, ihnen gehöre die Welt.

Dieses System, das die Privilegierten schützt, wandelt sich leider nur langsam. Aber zumindest Hoffnung auf einen Umbruch besteht – ausgelöst durch die Enthüllung mehrerer Missbrauchsfälle und Pädophilenskandale in den vergangenen Jahren. Betroffen waren so ziemlich alle Bereiche, auf die die Briten besonders stolz sind: die Unterhaltungsbranche genauso wie die BBC, das Parlament und die Politszene, das Rechtssystem und die Musikindustrie.

Prinz Andrews Name fiel in diesem Zusammenhang schon damals. Trotzdem musste er keine Ermittlungen fürchten, und auch die Medien gingen schonend mit ihm um, vor allem weil die royale Jubelpresse es sich mit der Königsfamilie nicht verscherzen wollte, auf deren glamouröse Bilder TV-Sender und bunte Blätter angewiesen sind, um das nach Klatsch gierende Publikum zu bedienen.

Zu viel Kritik und kontrollierender Journalismus des völlig intransparenten Königshauses können schnell zum Ausschluss aus dem Zirkel der Hofberichterstatter führen. Dabei wäre es angebracht, öfter und genauer hinter die schweren Vorhänge des Palasts zu blicken. Auch dass insbesondere Königin Elizabeth II. als unantastbares Heiligtum gilt, darf man als ungesund bezeichnen.

Sie müsste nun ebenfalls in den Fokus der Kritik rücken, hielt sie doch seit Jahren und vor allem in den vergangenen Wochen demonstrativ zu ihrem angeblichen Lieblingssohn. Symbolisch etwa fuhr die Queen mit ihm im Auto zur Kirche. Sie war es, die viel zu lange mit der überfälligen Entscheidung bezüglich ihres Sohnes zögerte. Die 93-Jährige ist Chefin der Firma Windsor. Und sollte als Beschützerin von Andrew in dem Skandal, der die Monarchie schwer beschädigt hat und noch lange beschäftigen wird, ebenfalls in die Verantwortung genommen werden.

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