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Jedes Jahr gehen Frauen am 08. März auf die Straße, um für ihre Rechte zu kämpfen. Der Weltfrauentag wurde von Sozialistinnen ins Leben gerufen und ist mittlerweile ein Welttag (Symbolbild).

Feminismus

Mehr als 100 Jahre später: Warum der Weltfrauentag an Relevanz nichts eingebüßt hat

Jedes Jahr gehen Frauen am 08. März auf die Straße. Sie kämpfen für Gleichberechtigung und gegen Gewalt an Frauen. Der Internationale Frauentag wurde von Sozialistinnen ins Leben gerufen und ist mittlerweile ein Welttag geworden.

  • Am 08. März ist der Weltfrauentag
  • In Deutschland geht der Tag auf die Sozialistin Clara Zetkin zurück
  • Weltweit demonstrieren Frauen für ihre Rechte

Jedes Jahr am 08. März gehen weltweit Frauen auf die Straße, um für Gleichberechtigung und gegen Gewalt zu demonstrieren. Seit fast 100 Jahren - seit 1921 - wird der Weltfrauentag an diesem Tag begangen. Gängige Begriffe für den Tag sind außerdem Internationaler Frauentag, Frauenkampftag, Internationaler Frauenkampftag oder einfach Frauentag. 

Im Jahr 1975 erkoren die Vereinten Nationen den Tag als „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ und richteten erstmals eine Feier aus. In diesem Jahr fand außerdem die erste UN-Weltfrauenkonferenz statt. Der Internationale Frauentag ist ein Welttag und wird dementsprechend weltweit begangen.

Weltfrauentag: Entstehung in Deutschland

Die Idee zu einem Frauentag stammt aus den USA. Dort initiierten Sozialistinnen einen nationalen Kampftag für das Frauenwahlrecht. Dieser fand erstmals 1909 statt. In Deutschland wurde der Weltfrauentag erstmals am 19. März 1911 begangen. Er entstand auf Initiative sozialistischer Frauen. Schwerpunkt des Frauentags war damals ebenso wie in den USA der Kampf für das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation der Arbeiterinnen.

In Deutschland geht die Initiative für einen Weltfrauentag auf die Sozialistin Clara Zetkin zurück. Auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 setzte sie sich gemeinsam mit Käte Duncker für die Einführung eines Frauentags ein. Im Beschluss wurde betont, der Frauentag müsse einen internationalen Charakter tragen.

Weltfrauentag: Seit fast 100 Jahren am 8. März

Nachdem der Frauentag zehn Jahre lang an unterschiedlichen Daten stattgefunden hatte, wurde im Jahr 1921 beschlossen, der Weltfrauentag solle am 08. März begangen werden. Die Wahl des Datums repräsentiert den revolutionären Charakter des Frauentags. Es wurde damit der Rolle der Frauen in der Februarrevolution in Russland gedacht. So wurde dem Frauentag eine neue Bedeutung verliehen, nachdem im Jahr 1918 das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt wurde.

Der Weltfrauentag in Deutschland seit 1945

Unter den Nationalsozialisten wurde der Frauentag 1933 wegen seiner sozialistischen Tradition verboten - stattdessen wurde der Muttertag zum Feiertag. 

In der DDR kam dem Frauentag nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Bedeutung zu, auch aus propagandistischen Zwecken. Die gleichberechtigte und vollzeitbeschäftigte Frau und Mutter galt als politisches Leitbild. Jedoch war der Tag in der DDR kein gesetzlicher Feiertag.

In Westdeutschland gewann der Tag nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Frauenbewegung Ende der 1960er-Jahre an Bedeutung. Im Fokus standen bei den stattfinden Demonstrationen der Protest gegen Gewalt an Frauen, gesellschaftliche Gleichberechtigung und Selbstbestimmung über den eigenen Körper, insbesondere in Bezug auf eine legale Abtreibung.

Der Weltfrauentag als Feiertag

Im wiedervereinigten Deutschland bekommt der Weltfrauentag seit Mitte der 1990er-Jahre wieder mehr Aufmerksamkeit. Er wird in Form von Demonstrationen, Vorträgen und Feiern begangen. In Deutschland ist der 08. März in Berlin seit 2019 ein gesetzlicher Feiertag. Damit ist Berlin das erste deutsche Land mit einem Frauentag als freiem Arbeitstag.

In verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern ist der Weltfrauentag ein Feiertag, ebenso in einigen südosteuropäischen Ländern. Vielen dieser Länder ist gemein, dass sie ehemals zum Ostblock gehörten. 

Weltfrauentag: Protest gegen Gewalt an Frauen

Ein zentrales Thema am Weltfrauentag ist die Gewalt gegen Frauen. Durch ihre strukturell benachteiligende Rolle in der Gesellschaft sind Frauen besonders häufig Gewalt ausgesetzt. Es wird in diesem Fall von „geschlechtsbasierter Gewalt“ gesprochen. Diese „geschlechtsbasierte Gewalt“ bezieht sich auf körperliche, emotionale und sexuelle Gewalt. 

Die Vereinten Nationen zählen außerdem Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Mord an weiblichen Neugeborenen, Frauenhandel und sogenannte „Ehrenmorde“ zur Gewalt gegen Frauen. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2011 haben in Deutschland etwa 25 Prozent der Frauen zwischen 16 und 85 schon einmal Gewalt durch eine*n Beziehungspartner*in erlebt.

„Geschlechtsbasierte Gewalt“ gegen Frauen

Besonders häufig äußert sich Gewalt gegen Frauen in häuslicher und sexueller Gewalt. Auch sexuelle Belästigung ist damit gemeint. Durch die Kampagne #MeToo wurden sexuelle Belästigung und Vergewaltigung öffentlichkeitswirksam thematisiert. Frauen äußerten und äußern sich unter dem Hashtag bei Twitter über ihre Erfahrungen mit Sexismus und sexueller Gewalt. Seit 2017 wurde der Hashtag millionenfach verwendet.

Sexuelle Gewalt ist außerdem eine weitverbreitete Kriegstaktik. Ziel ist es dabei, durch systematische Vergewaltigung den Widerstand in der Bevölkerung zu brechen. Mittlerweile erkennen die Vereinten Nationen sexuelle Gewalt als Kriegstaktik und als Verbrechen gegen die Menschlichkeiten an

Weltfrauentag: Kampf für reproduktive Rechte

Auch reproduktive Rechte sind ein wichtiges Thema, für das am Weltfrauentag demonstriert wird. Dazu gehören beispielsweise das Recht auf ein selbstbestimmtes Sexualleben, das Recht auf Familienplanung, der Zugang zu effektiven Verhütungsmitteln und das Recht auf eine sichere Schwangerschaft und Geburt. 

Die Frauenbewegung in Deutschland legte in den 1970er und 1980er-Jahren einen starken Fokus auf das Recht auf eine legale Abtreibung. Der Kampf ist auch heute noch nicht vorbei. Durch die Verurteilung mehrerer Ärzt*innen, die auf ihrer Webseite darüber informieren, Abtreibungen durchzuführen, kam das Thema wieder auf die feministische Agenda.

Weltfrauentag: Frauen in der Arbeitswelt

Frauen sind heute mehrheitlich auf dem Arbeitsmarkt aktiv. In dieser Hinsicht hat sich die Situation für Frauen weltweit verbessert. Allerdings sind sie noch immer schlechter bezahlt als Männer. In Deutschland beträgt der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern 22 Prozent. Darauf macht der „Equal Pay Day“ jedes Jahr aufmerksam. Auch am Weltfrauentag wird diese Ungerechtigkeit thematisiert. 

Ein wichtiger Grund dafür ist die Tatsache, dass Frauen nach wie vor hauptsächlich für die Arbeit in der Familie und im Haushalt verantwortlich sind. Sie müssen Karriere und Familie vereinbaren und arbeiten deswegen öfter in Teilzeit als Männer. 

Besonders in Führungspositionen sind Frauen wenig repräsentiert. In Deutschland gibt es deswegen eine unverbindliche Selbstverpflichtung für 30 börsendotierte Unternehmen. So sollen sie ermutigt werden, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. 

Streik am Weltfrauentag

Im Sinne der sozialistischen Tradition finden am Weltfrauentag weltweit immer wieder feministische Streiks statt. 

In Deutschland hat sich in den letzten Jahren ein Netzwerk aus verschiedenen Ortsgruppen gebildet, die am Frauentag streiken. Dabei soll nicht nur die klassische Arbeit niedergelegt werden, sondern ebenso die Hausarbeit. Damit wollen die Frauen auf die ungleiche Bezahlung aufmerksam machen und zeigen, wie viel unbezahlte Arbeit sie im Haushalt erledigen. 

Besonders erfolgreich war der Streik 2018 in Spanien. Unter dem Motto „Wenn die Frauen streiken, dann steht die Welt still“ beteiligten sich mehr als 5,3 Millionen Menschen.

Von Josephine von der Haar

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