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In den Tagen des Terrors gönnt sich König Philippe (r.) erstmal einen Urlaub in der Bretagne.

Belgien

Wellness-König hat keine Lust auf Terror

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Es gilt die höchste Terrorwarnstufe in Belgien, und was macht König Philippe? Der urlaubt ganz entspannt im Fünf-Sterne-Hotel. Die Aufregung im Land ist groß. Zu Recht?

Die Frage trieb manchen um in den tristen Tagen der Terrorwarnung. Nicht nur in Belgien. Was macht eigentlich der König? Wo steckt der nur? Zumindest für ein Wochenende im November ist die Frage geklärt. Während in Brüssel Terrorwarnstufe vier galt, relaxte der König im Fünf-Sterne-Hotel in der Bretagne. Die französische Satirezeitung „Canard Enchainé“ veröffentlichte nun entsprechende Bilder. Sie zeigen Philippe mit Begleitung. Im Bademantel. Tss,tss,tss.

Immerhin handelt es sich bei dem Erfrischungsgetränk auf dem Tisch um ein landestypisches belgisches. Und bei der Frau um seine eigene. Doch die Aufregung im Land ist trotzdem groß. Die Abwesenheit habe daheim die Sicherheitskräfte entlastet, versuchte der Palast zu beschwichtigen. Der 55-jährige Philippe sprach pikiert von einer Petitesse, angesichts des Leids der Anschlagsopfer von Paris.

Es ließe sich jetzt sagen, die royale Fahnenflucht liegt in der Familie. Schon Philippes Vater König Albert nahm 1996 während des Justizskandals um Sexualstraftäter Marc Dutroux Urlaub von der Krise. Aber so klein ist das Skandälchen nicht. Schließlich gilt das Königshaus als wichtige Klammer im Land der sich widerstrebenden Flamen und Wallonen. Doch hat es der Monarch nicht einfach, seine Stellung ist denkbar schwach. Die Verfassung von 1831 führt den Monarch nicht als König von Belgien, sondern als König der Belgier. Ein Bürgerkönig also. Reden in der Öffentlichkeit darf er nur, wenn die Regierung ihn ersucht.

Das tat sie in der Terrorwarnphase nicht. So blieb dem König wenig übrig, als stumm ein Krisenzentrum zu inspizieren. Und mit Marokkos Monarch Mohammed am Telefon über bessere Geheimdienstzusammenarbeit zu beraten. Wenig Spielraum also. Das französische Staatsrecht kennt eine schöne Formel: „Der König herrscht, aber er regiert nicht.“ In Belgien herrscht er nicht einmal. Gerade das macht es für Philipe so schwierig. Doch fühlen sich viele an einen alten Spruch erinnert. „Er kann es nicht. Auf gar keinen Fall“, hat Herman Liebaers, Berater von König Baudouin, einst über Philippe gesagt.

Dem kinderlosen Onkel folgte deshalb 1993 der Vater nach, erst nach dessen Abdankung rückte Philippe 2013 zum König auf. Er ist ausgebildeter Kampfpilot und hat einen Abschluss in politischen Wissenschaften. Seine Frau Mathilde, ebenfalls eine Adlige, heiratete er 1999. Zusammen haben sie vier Kinder.

Brav und anständig versah Philippe das Amt. Bis auf Familienzwistigkeiten. Mal blieb Papa dem Nationalfeiertag fern („Ein König reicht“), mal erregte Bruder Laurent den Rechnungshof wegen unstatthafter Ausgaben. Dazwischen Philippe. Leicht ungelenk. Aber bemüht. Immer kräftig unterstützt von seiner Frau. So ist das der eigentliche Skandal: dass Madame den Ausflug nicht stoppte.

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