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Hummer sind begehrt - auch in Haftanstalten.

Russland

Welcher darf?s denn sein?

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In Russland sind Bilder eines Schwerverbrechers aufgetaucht, der sich im Knast an Hummer, Kaviar und Schaschlik labt. Jetzt diskutiert das halbe Land über Korruption hinter Gittern.

Dolce Vita im Straflager: Es sind Szenen wie aus einem russischen Gangsterfilm über die wilden 90er. Ein Mann in schwarzer Häftlingskluft, mit rundem Kopf und stechendem Blick, schaut kauend in die Kamera. In den Händen hält er einen gekochten Hummer und ein Stück weißes Fleisch, vor ihm stehen Schüsseln mit Salat und rotem Kaviar. Auf anderen Fotos sitzt der Genießer in einem Sessel, flankiert von Mitgefangenen, hinter einem mit Speisen beladenen Tisch, er posiert leicht grinsend mit Schaschlik-Spießen, telefoniert mit einem Handy.

Die Fotos aus dem Jahr 2015, vergangene Woche von der Massenzeitung „Komsomolskaja Prawda“ veröffentlicht, haben in Russland einen Skandal entfacht. Weil sie aus der Strafkolonie Nummer 3 im Amur-Gebiet stammen, dessen verschärfte Regeln offenbar nicht für alle Häftlinge gelten. Aber vor allem, weil sie Wjatscheslaw Zepowjas zeigen, ein Mitglied der in ganz Russland berüchtigten Zapok-Bande. Die kriminelle Gruppe tyrannisierte von 1998 bis 2010 die südrussische Kleinstadt Kuschtschjowskaja und ermordete dabei 19 Menschen, darunter auch Kinder.

Zepowjas wurde 2013 zu 19 Jahren und 8 Monaten Haft verurteilt. Aber was sei das für eine Strafe, wenn es ihm hinter Gitter besser gehe, als vielen Menschen in Freiheit, beschwert sich die Zeitung „Moskowski Komsomoljez“. „Früher rechnete die Unterwelt im Gefängnis mit Kindesmördern ab. Zepowjas soll ein Baby auf dem Gewissen haben, auch wenn er behauptet, er habe das Mädchen nicht verbrannt, sondern nur daneben gestanden. Warum hat man ihn im Gefängnis nicht „angemessen“ empfangen?“

Der Kriminelle und seine Anwälte behaupten, die Fotos seien ein Fake, dahinter stecke seine Ex-Frau, die es auf sein Vermögen abgesehen habe. Die Ex-Frau wiederum erklärte der BBC, Zepowjas hätte ihr und den gemeinsamen Kindern die Fotos selbst geschickt. Und sie habe allein 2017 umgerechnet knapp 43 000 Euro für seinen Unterhalt im Gefängnis ausgegeben.

Die Justizvollzugsbehörde des Gebiets Amur bezeichnete die Fotos als echt. Das regionale Ermittlungskomitee hat ein Strafverfahren gegen die Verantwortlichen in der Strafkolonie gestartet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft empfing Zepowjas häufiger Besuch als erlaubt, benutzte gegen alle Vorschriften ein Handy und mehrere SIM-Karten, bewegte sich auch in Diensträumen frei. Ein ehemaliger Mitgefangener sagte dem „Moskowski Komsomoljez“, Zepowjas habe offenbar eigene Räumlichkeiten bewohnt, normale Häftlinge hätten ihn kaum zu Gesicht bekommen.

Es gilt als offenes Geheimnis, dass korrupte Aufseher in russischen Gefängnissen Häftlingen für Geld Rauschgift oder Mobiltelefone besorgen. Aber Privilegien, wie Zepowjas sie offenbar genoss, sind nur sehr reichen Sträflingen vergönnt. „Wenn du genug Geld hast, kannst du auch im Straflager jede Frage entscheiden“, sagte Sergei Babinjez, Chefermittler der Gefangenenrechtsorganisation „Komitee gegen Folter“ der FR. „Uns sind eine Menge Gefängnisse bekannt, die ihre eigenen Relax-Zonen oder Saunas für die Anstaltsleitung, aber auch für VIP-Häftlinge besitzen – gebaut von einfachen Strafgefangenen“. 

Mit Plasma-Fernsehern, Kühlschränken und Thermofenstern ausgestattete Luxus-Zellen seien ebenfalls keine Seltenheit. Dabei gibt der Staat für die Tagesration eines Durchschnittshäftlings nur einen knappen Euro aus. „Von 2000 Häftlingen leben 1000 nur von Kartoffelsuppe“, erklärt Alexei Fedjarjow, Jurist der Stiftung „Russland hinter Gittern“. „Andere bekommen von Verwandten Lebensmittelpakete. 15 bis 20 aber sitzen im Gefängnis wie in den Villen an der Moskauer Millionärsmeile Rubljowka.“

Zepowjas erhielt inzwischen Schützenhilfe von Natalia Ochotnikowa, der Vorsitzenden des behördennahen Haftaufsichtsorgans „Gesellschaftliche Beobachterkommission“ in der Amur-Region. Sie verkündete auf dem Bildernetzwerk Instagram, er sei ein bekannter Unternehmer, Abgeordneter und Mäzen. „Dieser Mensch ist kein Mörder, die massenhaften Informationen der Medien aber sind schändliche Lügen.“ Die Verbindungen des Gangsters Zepowjas scheinen auch jenseits der Gefängnismauern weiter zu funktionieren.

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