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Seit dem vergangenen Mittwoch ist das Rauchen in Griechenland nicht nur in allen öffentlichen Gebäuden verboten, sondern auch in Parks und auf Kinderspielplätzen.

Griechenland

Weitere Verbote, schärfere Sanktionen

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Die griechische Regierung geht gegen Raucher vor. Die Gastronomie wehrt sich.

Rauchverbote gibt es in Griechenland bereits seit vielen Jahren, etwa in Krankenhäusern und öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber bisher werden sie, wie Verbote in Griechenland generell, weitgehend ignoriert. Verstöße bleiben ungeahndet. Der neue konservative Premierminister Kyriakos Mitsotakis, mit seinen 51 Jahren ein begeisterter Basketballspieler und passionierter Nichtraucher, will das ändern. Er fängt mit der Durchsetzung der Rauchverbote dort an, wo sie beschlossen wurden: „Ich bin es leid, auf den Fluren des Parlaments mit Kollegen zu streiten, die sich systematisch über jenes Rauchverbot hinwegsetzen, das eben dieses Parlament verabschiedet hat“, sagt Mitsotakis.

Das neue Gesetz sieht weitere Rauchverbote und erheblich verschärfte Sanktionen für jene vor, die dagegen verstoßen. Seit dem vergangenen Mittwoch ist das Rauchen in Griechenland nicht nur in allen öffentlichen Gebäuden verboten, sondern auch in Parks und auf Kinderspielplätzen. Wer im Auto in Anwesenheit eines Kindes von unter zwölf Jahren raucht, macht sich strafbar und muss mit einem Bußgeld von 1500 Euro und drei Monaten Fahrverbot rechnen. In Restaurants und Cafés, die bisher Raucherzonen einrichten konnten, werden die Verbote verschärft. Auch in Nachtklubs, bei Open-Air-Konzerten und in den Fußballstadien darf jetzt nicht mehr geraucht werden.

Die Strafen werden deutlich heraufgesetzt: Den Rauchern drohen bis zu 500 Euro Bußgeld, dem Gastwirt oder Veranstalter, der verbotswidriges Rauchen duldet, bis zu 10 000 Euro. Nach fünf Verstößen verliert das Etablissement seine Zulassung. Über eine Hotline können die Bürger Verstöße gegen das Rauchverbot anzeigen. Bisher waren die kommunalen Behörden für die Einhaltung der Rauchverbote zuständig – und blieben meist untätig. Jetzt wird die Polizei mit der Durchsetzung der neuen, verschärften Vorschriften beauftragt. Wie das in der Praxis funktioniert, muss sich zeigen.

Gastrobranche wehrt sich

In der kommenden Woche will Premierminister Mitsotakis weitere Einzelheiten seiner Antiraucherkampagne vorstellen. Unterdessen formiert sich aber Widerstand: Der griechische Verband der Café- und Barbetreiber, der 35.000 Gastwirte vertritt, will das Oberste Verwaltungsgericht anrufen, um die neuen Rauchverbote zu kippen. Verbandschefin Niki Konstantinou hält sie für geschäftsschädigend.

Es gibt allerdings einen Hoffnungsschimmer in diesem Tauziehen: Die Raucher sind inzwischen auch in Griechenland auf dem Rückzug. Nach einer Studie des Griechischen Instituts für öffentliche Gesundheit ist der Prozentsatz der erwachsenen Raucher in den vergangenen zehn Jahren von 40 auf 27,5 Prozent zurückgegangen. Nur noch 18 Prozent der Griechen rauchen täglich. Mitsotakis dürfte deshalb die große Mehrheit der Bevölkerung auf seiner Seite haben. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen beträgt der Anteil der Raucher sogar nur knapp acht Prozent. Griechenlands Jugend findet Rauchen offenbar nicht mehr cool.

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