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Gewonnen haben vor allem die TV-Sender: Eine halbe Milliarde Menschen sahen zu.

Miss Universe

Weiß und blond reicht nicht mehr

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Die "Miss Universe"-Wahl zeigte sich diverser denn je ? dicke Frauen mit dünnen Haaren sind trotzdem nicht willkommen.

Während der letzten Sekunden vor der Verkündung ihres Sieges verlor Catriona Gray aus den Philippinen erst einmal die Kontrolle über ihre Finger. Aufgeregt strich die Favoritin beim Miss-Universe-Wettbewerb mit ihren Daumen über die Hände der südafrikanischen Konkurrentin Tamaryn Green. Als die Tochter eines aus Schottland stammenden Australiers und einer philippinischen Mutter über den Sieg jubelte, stand ihr Heimatland vor Begeisterung Kopf. „Welch ein Weihnachtsgeschenk“, schwärmte ein Twitter-Nutzer aus der Hauptstadt Manila.

Die neue 24-jährige Miss Universe, die Musiktheorie studierte, arbeitet als Fernsehansagerin, Schauspielerin und Model. Den eigenen Charakter beschreibt die junge Frau als „stur“. Die Bezeichnung nahm ihr in Thailand jeder ab. Schließlich musste sie sich vor zwei Jahren im Finale der Konkurrenz von Miss World als Zweite geschlagen geben. Trotzig wechselte sie ihr Team – und arbeitete für den Erfolg in Bangkok.

Das Finale, das Montag in Thailands Hauptstadt am frühen Morgen über die Bühne ging, um am Sonntag die beste Sendezeit in den USA zu erwischen, wurde in 190 Länder übertragen und soll von einer halben Milliarde Menschen gesehen worden sein. Die 25-jährige Deutsche Céline Flores Willers war chancenlos, kam nicht mal unter die besten 20.

Nur Frauen in der Jury

Weiß und blond, einst Erfolgsgaranten bei Misswahlen, das war einmal. Die sieben Preisrichterinnen – erstmals in der 66-jährigen Geschichte von Miss Universe urteilten nur Frauen über die 94 Teilnehmerinnen – entschieden eben nicht nur nach der antiquierten Bademodenrunde und Auftritten in mondänen Abendkleidern. Wie bei vielen anderen Schönheitswettbewerben in den vergangenen Jahren wurde explizit auf Teilnehmerinnen unterschiedlicher Hautfarben geachtet. 

Die deutliche Absage an rassistische Vorurteile und Denkmuster wird auch durch Sponsoren der Kosmetikindustrie gefördert, die bei allen einschlägigen Wettbewerben auf eine Berücksichtigung von Wettbewerberinnen aus Asien, der dynamischsten Wirtschaftsregion, drängen.

Miss USA, Sarah Rose Summers, schien die Zeichen der Zeit aber noch nicht erkannt zu haben. Sie erwies sich Mitte vergangener Woche einen Bärendienst, als sie auf sozialen Medien gemeinsam mit Miss Kolumbien Valeria Morales und der Australierin Francesca Hung über mangelnde Englischkenntnisse ihrer vietnamesischen Konkurrentin H’Hen Nie und der kambodschanischen Teilnehmerin Nat Rern herzog.

Sechs Jahre, nachdem der damalige Besitzer der Miss-Universe-Organisation , der heutige US-Präsidenten Donald Trump, sich mit Händen und Füßen gegen die Teilnahme der Transsexuellen Jenna Talackova am kanadischen Miss-Universe-Wettbewerb wehrte, hat sich auch dahingehend etwas getan: Beim Finale in Thailand versuchte Miss Spanien, Angela Ponce, ihr Glück.

Sie ist die erste transsexuelle Frau, die es bis in die Endrunde mit 94 Teilnehmerinnen schaffte. Ihr schnelles Ausscheiden nahm die 27-Jährige, die mehr Toleranz in der Welt als eines ihrer wichtigsten Ziele nannte, gelassen: „Es genügt, dass ich hier bin. Es geht darum, ein Zeichen für sexuelle Minderheiten zu setzen.“

Mit Rosa Iveth Montezuma nahm zudem erstmals eine Vertreterin eines indigenen Volkes teil – laut den Vereinten Nationen eine weltweite Minderheit von etwa 370 Millionen Menschen.
So weit, so schön. An einigen absurden Regeln aber hält die Veranstaltung weiter fest: Kandidatinnen dürfen weder verheiratet noch geschieden sein – und Mütter sind sowieso ausgeschlossen. Auch Frauen jenseits der Konfektionsgröße 36, mit dünnen Haaren oder schiefen Zähnen, gab es auch dieses Jahr freilich nicht in der großen Glitzershow zu sehen. Auch wenn sich bei der weltgrößten Misswahl also was tut, dann doch nur sehr, sehr langsam. 

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