Zwischen Weilburg und Runkel paddelt unser Autor über viele Brückenspiegelungen.

Ferien zu Hause

Von Weilburg bis Runkel: Paddeln auf der Lahn

Durch Schifffahrtstunnel und Schleusen, vorbei an grünem Dickicht und steinernen Klippen – beim Paddeln auf der Lahn stellt sich bei unserem Autor volle Begeisterung ein.

Einen der Höhepunkte meiner Lahn-Paddeltour nach Runkel gibt es gleich am Anfang: Die Fahrt durch den Weilburger Schifffahrtstunnel, dem längsten und ältesten seiner Art in ganz Deutschland. Die 195 Meter lange künstliche Wasserstraße durch den Mühlberg – parallel zu Bahn- und Straßentunnel – ist ein einzigartiges Erlebnis. Auch wenn es ein wenig Zeit kostet, das Ensemble aus Tunnel und Doppelschleuse zu durchfahren. Denn die Schleusen müssen – wie sämtliche Lahnschleusen bis Runkel – von Hand geöffnet und geschlossen werden. Das bedeutet: Bootsfahrer müssen viel kurbeln, um den Höhenunterschied von mehr als viereinhalb Metern zu überwinden.

Kein Wunder also, dass die Boote im Tunnel „Schlange liegen“, um in die Schleuse einzufahren. Doch keine Bange: Haltestangen links und rechts an den Tunnelwänden sorgen für ausreichend Sicherheit. Am Tunnelende könnten die Bootsfahrer über zwei senkrechte Metallleitern auf die Schleusenanlage hinaufklettern. Dort befinden sich die Kurbeln zum Hochziehen der Schotten, durch die das Wasser in die Schleusenkammern rauscht. Anschließend lassen sich die mächtigen Schleusentore problemlos öffnen.

Meine Bootstour beginnt in Höhe der Weilburger Boots- und Kanuvermietung, die der Kur- und Verkehrsverein Weilburg in Kooperation mit der Stadt Weilburg unterhalb des Oberlahnbades und neben dem Bootshaus der Weilburger Rudergesellschaft betreibt.

Gut 100 Meter flussaufwärts, bei Lahnkilometer 39,4, verschwindet der Fluss in dem mächtigen Felsmassiv des Mühlbergs, um wenige Hundert Meter weiter - nach dem Schiffstunnel - wieder in den Hauptstrom einzumünden.

Der Weilburger Schifffahrtstunnel wurde in den Jahren 1844 bis 1847 mit großem finanziellen Aufwand gebaut, um die Lahn bei Weilburg für die Binnenschifffahrt passierbar zu machen. Er umgeht eine rund zwei Kilometer lange Lahnschleife, die mit ihren Stromschnellen und den beiden Wehren nicht befahrbar ist. Schon wenige Jahrzehnte nach seiner Eröffnung verlor der Schifffahrtstunnel bereits seine wirtschaftliche Bedeutung: 1863 wurde die Lahntalbahn eröffnet. Geblieben ist eine touristische Attraktion, die Kanuwanderern und Wassersportlern ein wenig Nervenkitzel spüren lässt.

Verlosung

Wir verlosen heuteeinen Gutschein für das Ausleihen eines Viererkanadiers im Wert von 68 Euro sowie einen Gutschein für das Ausleihen eines Dreierkanadiers im Wert von 57 Euro beim Kur- und Verkehrsverein Weilburg. Die Gutscheine gelten bis Ende 2020, allerdings nicht an Samstagen.

Wenn Sie gewinnen möchten, rufen Sie heute, 27. Juli, bis 14 Uhr bei unserer Gewinn-Hotline 01378-800831* an und nennen Sie das Stichwort „Kanadier“. Damit wir Sie im Gewinnfall benachrichtigen können, hinterlassen Sie bitte Ihren Vor- und Nachnamen, Ihre Anschrift und Telefonnummer. Viel Glück!

* Der Anruf kostet 50 Cent aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk teurer. Anbieter Telemedien Interactive GmbH, Datenschutz unter: datenschutz.tmia.de
Die Gewinner werden per Zufall ermittelt und telefonisch benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung der Gewinne findet nicht statt. Mitarbeiter der Frankfurter Societäts-Medien GmbH sind von der Teilnahme ausgeschlossen.
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Weitere Informationengibt es auf www.weilburger-boote.de

Mit einem herrlichen Blick auf eine romantische Flusslandschaft geht es weiter; Fahrradfahrer und Fußgänger begleiten meinen Weg stromabwärts. Kraftvolle Paddelschläge sind notwendig, um mein 4,90 Meter langes Seekajak in Fahrt zu bringen. Die Strömung ist hier schwach. Ein Umstand, der die Lahn gerade bei Menschen, die zum ersten Mal in einem Boot sitzen, sehr beliebt macht. Mit Querströmungen, Kehrwasser oder Untiefen, wie sie beispielsweise auf dem Rhein gefürchtet sind, muss der Kanuwanderer auf der Lahn nicht rechnen.

Gemächlich zieht der Fluss zwischen Taunus und Westerwald seine Bahn, umsäumt von dichten Büschen und Wäldern, die sich mit saftig-grünen Wiesen und schroffen Felshängen abwechseln. Gelegentlich bieten kleine sandige Buchten eine gute Gelegenheit, eine Pause einzulegen. Doch ich habe es heute eilig, denn mein Ziel, das malerische Fürstenstädtchen Runkel, ist noch ein gutes Stück entfernt: Ein geübter Paddler bewältigt die Strecke in rund fünf Stunden; Anfänger benötigen bis zu zwei Stunden mehr.

Die nächste Schleusenkammer umtrage ich, weil vor mir noch Betrieb ist. Ein junger Mann hilft mir dabei, das gut 26 Kilogramm schwere Kajak aus dem Wasser zu heben und etwa 150 Meter weiter unten wieder einzusetzen.

Stille prägt meine Weiterfahrt, gelegentlich unterbrochen nur vom sanften Rauschen der Bäume, dem Zwitschern von Vögeln oder auch den Stimmen von Radfahrern und Bootsfahrern. Ich gleite durch ein Stück nahezu unberührter Natur. Nach der Schleuse Fürfurt nimmt die Lahn Fahrt auf: Unzählige flache Stromschnellen machen das Kanufahren hier zu einem wahren Vergnügen. Anfängern sei empfohlen, nicht die flachsten Stellen zu befahren, da Grundberührung besonders im Hochsommer nicht auszuschließen ist.

Vor mir liegt ein rund elf Kilometer langer Flussabschnitt ohne Schleuse. Vorbei geht es am malerischen Örtchen Aumenau, wo ein Touristikunternehmen eine Kanustation mit gastronomischem Angebot betreibt. Bei mäßiger Strömung geht es weiter bis Villmar, das schon aus einiger Entfernung an seinem markanten Kirchturm zu erkennen ist.

Wer Zeit und Muße hat, steigt an der Slipanlage am linken Lahnufer aus und macht einen Abstecher ins Lahn-Marmor-Museum am Bahnhof und dem nahegelegenen Unica-Bruch. Der Weg dorthin führt über eine Brücke aus ungeschliffenem Lahnmarmor – eine Attraktion. Museum und Steinbruch eröffnen einen einzigartigen Blick in das Erdzeitalter des Devon vor 380 Millionen Jahren. Zu dieser Zeit lag das Lahngebiet am Äquator.

Eine letzte Schleuse noch und nur drei Kilometer weiter kommt das Ziel meines Ausflugs in den Blick: Runkel. Hier bietet sich dem Besucher ein einzigartiges Panorama, das Maler vieler Epochen inspiriert hat: Auf einer Anhöhe links thronen die mächtigen Mauern der Runkeler Burg des Fürstenhauses zu Wied, davor überspannt die historische Lahnbrücke mit ihren charakteristischen Rundbögen den Fluss, und weiter hinten, auf der Höhe gleich gegenüber liegt das Schadecker Schloss. Mit diesem Bild vor Augen steuere ich das linke Ufer an und beende meine sommerliche Reise durch die Heimat, deren Schönheit mich immer wieder beeindruckt.

Von Rolf Goeckel

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