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Von drauß’ vom Walde kommen sie her
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Von drauß’ vom Walde kommen sie her ...

Mythen & Märchen

Lauter wilde Weihnachtskerle

  • VonMomsen Einsmann
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Ein sizilianischer Bischof verkündete jüngst: Den Weihnachtsmann gibt es nicht, er hat nie existiert! Stattdessen glauben wir an Heilige und ihre personifizierte dunkle Seite – an Schattenmenschen aus christlicher Zeit. Seltsame weihnachtliche Paketboten gibt es jedenfalls viele. Ein Familienporträt

Sankt Nikolaus

Sankt Nikolaus.

Mit dem Schutzpatron der Schiffer und Seefahrer sind die meisten der hier abgebildeten Figuren verbunden. Er ist sozusagen ihr Urahn. Nikolaus von Myra starb am 6. Dezember 365 nach Chr.. Dies war ursprünglich der Tag der weihnachtlichen Bescherung. In einigen Ländern ist dies auch heute noch so. Bischofsstab und Mitra auf dem Kopf unterscheiden ihn vom Weihnachtsmann. Die heute typische rote Kleidung ist relativ neu, früher stellte man ihn mit einem grünen oder blauen, aber nur selten in einem roten Mantel dar. Ihm ist ein Negativbild, ein Schatten, zur Seite gestellt. Der gutherzige, weise Nikolaus - Knecht Ruprecht, Krampus & Co als wilde und strafende Begleiter.

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Christkind

Der Martin Luther hat’s erfunden. Protestanten lehnen die Verehrung von Heiligen ab und ersetzten im 16. Jahrhundert den Heiligen Nikolaus durch den „heiligen Christ“. Daraus entwickelte sich bald das Christkind als weihnachtlicher Gabenbringer. Zusammen mit Adventskranz und Weihnachtsbaum breitete sich der Brauch in fast allen deutschsprachigen Gegenden aus. Im 19. Jahrhundert wurde er immer mehr durch den Weihnachtsmann verdrängt. Das Christkind wechselte daraufhin die Konfession und wird heute hauptsächlich in den katholischen Gebieten der Alpenregion verehrt. Vom Ursprung her eigentlich ein Junge, wird es aber meist als Mädchen dargestellt.

Weihnachtsmann

Heute die Symbolfigur des weihnachtlichen Schenkens. Sein direktes Vorbild ist der nordamerikanische Santa Claus, aber es gibt Unterschiede. Während das Vorbild in Jacke und Hose unterwegs ist, trägt er in Europa, vor allem in Frankreich, einen langen roten Mantel mit Pelzbesatz. Der Sack mit den Geschenken wird in Frankreich, wo er Père Noël genannt wird, von einer auf dem Rücken getragenen Kippe ersetzt. Erstmals wurde der „Weyhnachtsmann“ 1770 in einer Berliner Zeitung erwähnt. Mit dem Lied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, (1835, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben) ist er endgültig Teil der Weihnachtsbräuche in Deutschland.

Santa Claus

In „Nieuw Amsterdam“ (New York) wurde von Auswanderern das „Sinterklaasfeest“ für den Schutzheiligen der Stadt gefeiert. Aus „Sint Nicolaas“ wurde „Sinterklaas“ und daraus dann später „Santa Claus“. Der Dichter Clement Clarke Moore beschreibt ihn 1822 als einen gutmütigen fröhlichen älteren Mann in einem roten Mantel. Diese Figur visualisierte 1931 der Zeichner Haddon Sundblom als rundlichen Mann mit weißem Bart, einem freundlichen Gesichtsausdruck und kleidete ihn in den Farben Rot und Weiß. Zufälligerweise sind das die Farben seines Auftraggebers Coca Cola gewesen. Das Erscheinungsbild fand durch die Werbekampagnen zurück nach Europa. Als Weihnachtsmann.

Drei heilige Könige

Heilige Drei Könige.

Am 6. Januar sollen sie in Bethlehem angekommen sein, um Jesus ihre Gaben zu bringen. In Spanien und Südamerika ist dieser Tag der Tag der Geschenke. Ähnlich dem Nikolausbrauch bei uns stellen die Kinder dort am Vorabend Schuhe vor die Tür. In den zwölf Tagen zwischen Weihnacht und Dreikönigstag gehen die Sternsinger von Haus zu Haus und segnen die Häuser. Dazu werden mit Kreide die Buchstaben C+M+B sowie die Jahreszahl an die Türen geschrieben. Die Buchstaben stehen für die Bitte „Christus Mansionem Benedicat“ (Christus segne dieses Haus) werden aber oft als die Anfangsbuchstaben der Drei Heiligen gedeutet: Caspar, Melchior und Balthasar.

Sankt Martin

Sankt Martin.

Als römischer Soldat begegnete ihm im Winter ein unbekleideter Mann, daraufhin teilte er mit dem Schwert seinen Mantel und gab die eine Hälfte dem Bettler. Diese Tat machte ihn zum Schutzheiligen der Reisenden und Armen. Aus Bescheidenheit versteckte er sich vor seiner Weihe zum Bischof von Tours in einem Gänsestall. Weil das Geschnatter der Tiere ihn verriet, ist er auch ihr Schutzheiliger. Er wurde am 11. November 397 nach Chr. mit einer Lichterprozession zu Grabe getragen. Daraus entwickelte sich der Brauch der heutigen Laternenumzüge. Mit dem Martinstag beginnt die Zeit der winter-lichen Gabenbringer. In Mittelfranken stellen Kinder am Vorabend Stiefel vor die Tür, die dann am Morgen mit Süßigkeiten gefüllt sind.

Knecht Ruprecht

Knecht Ruprecht.

Wie die Endung seines Namen besagt, ist er ein Precht. Manchmal wird er auch als „Rauer Percht“ bezeichnet. Der Gehilfe des Heiligen Nikolaus tritt, wie alle ihn begleitenden Personen, als sein Gegenspieler auf, er straft als „gezähmter Teufel“ die unartigen Kinder und verkörpert so das Böse dieser Welt. In der Regel ist er in eine braun-schwarze Kutte gehüllt, trägt einen Wanderstab, einen großen Hut und einen schwarzen Bart. Früher stellte man ihn oft mit dunkler Haut dar. Während andere Nikolausbegleiter in Gruppen auftreten, bildet er mit dem Heiligen ein Paar. Im Laufe der Zeit wurde seine Figur eigenständiger, und so gibt es Regionen, wo Knecht Ruprecht alleine die Aufgaben des Nikolaus’ wahrnimmt.

Buttnmandel

Im Berchtesgadener Land sind als Begleiter von Nikolaus und „Nikoweibl“, Gruppen von Männern unterwegs, die in langes Stroh eingebunden sind, eine gehörnte Holzmaske mit langer heraushängender Zunge tragen und um die Hüften Kuhglocken gebunden haben. Mit lärmenden Geläut und Geschrei gehen sie von Haus zu Haus. Ihre bevorzugten Opfer sind „unartige“ jugendliche Mädchen, die in den Schnee geworfen und mit den Ruten, die auch ein Fruchtbarkeitssymbol darstellen, bedroht werden. Dieser ursprünglich zum Winteraustreiben praktizierte Brauch wurde durch die Christianisierung mit dem Einkehrbrauch des Sankt Nikolaus verbunden.

Wichtel

Die menschenähnlichen, aber deutlich kleineren und Gemeinschaften bildenden Wesen leben in unterirdischen Höhlen oder versteckten Ecken der Häuser. Sie helfen den Menschen. Werden sie aber entdeckt, kommen sie, ähnlich den Heinzelmännchen, nie wieder. In den skandinavischen Ländern gehören sie zur weihnachtlichen Tradition. Damit sie ins Haus kommen können, werden Wichteltüren (dänisch: Nissedør) gebastelt und über der Fußleiste angebracht. Davor stellt man eine kleine Leiter oder Treppe. Am Abend werden Gaben für die Wichtel davorgelegt. Am nächsten Morgen sollten dann dort stattdessen Geschenke für die Menschen liegen.

Pelzmärtel

Pelzmärtel.

Auch er begleitet den Nikolaus oder das Christkind. Regional tritt er auch als Pelznickel auf. Der Name leitet sich vom west-mitteldeutschen „pelzen“ ab, was so viel wie „prügeln“ bedeutet. Fränkische Kurzformen für St. Martin (Märtel) und St. Nikolaus (Nickel) bilden den zweiten Teil des Namens. Der Pelzmärtel trägt, obwohl der Name anderes suggeriert, kein Fellkostüm, sondern er ist ein „Strohbär“, eine Figur aus der schwäbisch-alemannischen und fränkischen Fastnacht. Als Pelzmärtel tritt diese jedoch nur zur Adventszeit auf. Der Anzug ist aus geflochtenem vernähtem Stroh und mit Glocken behängt, dazu gehört neben dem Sack mit Geschenken auch die Birkenrute.

Väterchen Frost

Väterchen Frost.

Ist die Personifikation des Winters, der die Kinder in der Neujahrsnacht zusammen mit seiner Tochter Snegurotschka (Schneeflöckchen oder Schneemädchen) beschenkt. Vom „Bösen“ wird auch er begleitet, von verschiedenen Märchen- und Sagengestalten wie der Hexe Baba Jaga. Das von den Sowjets künstlich geschaffene Jolkafest (Jolka = Tanne) ist in Russland so populär, dass auch nach Wiedereinführung der von 1917 bis 1992 verbotenen religiösen Weihnachtstage die meisten Russ:innen an ihm festhalten – zum Ärger der russisch-orthodoxen Kirche. Denn der 31. Dezember liegt mitten in der vorweihnachtlichen Fastenzeit, das Weihnachtsfest wird erst am 7. Januar gefeiert.

Krampus

Krampus.

Er ist mit den Prechten verwandt, kommt aber nur im Gefolge des Nikolaus vor. Am Abend des 5. Dezember ziehen vor allem im süddeutschen Raum, noch ungezähmt vom Erscheinen des Heiligen, die Krampusse gruppenweise in einer wilden Jagd durch die Dörfer (Krampuslauf). Am Nikolaustag ist seine Funktion wie die des Knecht Ruprecht: Schrecken und Strafen. Ein Krampus trägt einen Mantel oder Hosenanzug aus Fell, eine Holzmaske (die sogenannte Larve) und echte Ziegen, Steinbock oder Widderhörner. An seinem Gürtel sind oft Kuhglocken sowie ein Rossschweif oder Kuhschwanz befestigt. Eine lange Birkenrute darf nicht fehlen.

Père Fouettard

Père Fouettard.

Der französische Knecht Ruprecht. Seine Rolle ist nach lokaler Tradition unterschiedlich, teilweise ist er der Helfer des Nikolaus beim Verteilen der Geschenke; oder er erscheint als Gegenpol zu dem Heiligen und bestraft die Unartigen. Der Name leitet sich vom französischen „fouet = Peitsche her. Je nach Gegend tritt er wie der Knecht Ruprecht gekleidet oder aber dem Krampus ähnlich auf.

Zwarte Piet

De Zwarte Piet.

Das vorweihnachtliche „Sinterklaasfest“ ist in den Niederlanden wichtiger als Weihnachten. Der „zwarte Piet“ ist der jüngste Begleiter des Nikolaus (Sinterklaas), seine Figur wurde erst im 19. Jahrhundert eingeführt. Am Festtag ziehen Gruppen in volksfestartigen Umzügen durch die Straßen. Dargestellt wird der zwarte Piet als dunkelhäutiger höfischer Diener. Anders als beim Knecht Ruprecht – der ebenfalls ein „Schwarzer Mann“ war, aber heute kaum noch so in Erscheinung tritt – hat sich das Bild des zwarten Piet kaum geändert. „Blackfacing“ ist nicht zeitgemäß*, aber in den Niederlanden tut man sich noch schwer, von dieser Tradition zu lassen. Mit der „Black Lives Matter“-Bewegung wurde die Forderung nach Änderung des Brauchs besonders laut. Es gibt heftige Auseinandersetzungen bei der Suche nach einer zeitgemäßen Anpassung. Deshalb zeigen wir ihn auch nur von hinten.

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