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Naomi Campbell will sich ihren Miniauftritt beim Semperopernball vergolden lassen.

Landgericht Dresden

Wehe, wenn Naomi Campbell kommt

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Streit vor dem Dresdner Landgericht: Supermodell Naomi Campbell will 55.000 Euro Spesen für einen überraschenden Miniauftritt beim Semperopernball 2015. Der Veranstalter nennt ihr Erscheinen eine "Zumutung".

Sie kam, flog wieder und forderte: Ein bizarrer Streit um das britische Model Naomi Campbell beschäftigt gerade das Landgericht Dresden. Es geht natürlich um Geld und um einen Auftritt, tatsächlich um wenig Auftritt, dafür aber viel Geld. Die 46-Jährige war 2015 beim Semperopernball in Dresden aufgetaucht. Ganz überraschend, wie die Ball-Organisatoren sagen.

Man hatte sie zwar als eine von zwei „Weltpersönlichkeiten“ für jenen Abend einladen wollen. Aber es war wegen zu hoher Spesenforderungen dann angeblich nicht dazu gekommen.

Sie sorgte für blankes Entsetzen

Aber, unverhofft kommt oft: Plötzlich war Campbell doch mit Privatjet, Bodyguards und Stylist auf dem Flugplatz Dresden-Klotzsche gelandet, hatte sich zur Semperoper chauffieren lassen, war dann kurz dort – Beobachter schätzen eine Zeitspanne zwischen elf und 19 Minuten –, nahm fix einen Orden (Wert: 10000 Euro) entgegen, sagte artig Danke und düste weiter in die Türkei.

Natürlich flatterte später eine Rechnung ins Opernhaus: 55930 Euro für Auslagen, Gage berechnete sie nicht. Aber nun liegt der Fall vorm Dresdner Landgericht. „Es ist unstrittig, dass ich einen Tag vor dem Ball das Engagement abgesagt hatte", sagte Opernball-Impresario Hans-Joachim Frey am Donnerstag während der Verhandlung. „Noch während ich beim Ball in der ersten Reihe saß, wusste ich nicht, dass Naomi Campbell kommt."

Aber dann war sie da – und sorgte für blankes Entsetzen, denn die Ballorganisatoren hatten für ein Ersatztopmodel gesorgt. Man hatte Nadja Auermann angeheuert und die war auch eingesprungen. Nun standen plötzlich zwei Weltpersönlichkeiten aus der Bekleidungsbranche auf der Bühne. Bernd Aust, Mitveranstalter, ärgerte sich vor Gericht: „Der SemperOpernball ist doch kein Kindergeburtstag, wo man kommen kann, wie man will."

Und er ärgerte sich richtig: „Die Frau Campbell hat unseren Ball nicht geschmückt, sie hat uns in Panik versetzt!" Und dann ärgerte er sich noch ein bisschen mehr: „Ihr Erscheinen war eine Zumutung.“ Auf dem Flug im Privat-Jet nach Istanbul habe sie nur kurz Halt in der sächsischen Landeshauptstadt gemacht. „Bis heute liegt nicht vor, wie hoch dieser Aufwand war.“

Der Campbell betreuende Künstler-Agent legte vor Gericht die Naomi-Campbell-Sicht auf den Ballabend 2015 dar. Er behauptete, es hätte einen mündlichen Vertrag gegeben. Schriftlich legte er immerhin die E-Mail einer Mitarbeiterin des SemperOpernballs vor. Darin sollte Campbells Spesenabrechnung nach dem Auftritt auf 25000 Euro gekürzt werden, weil die Ball-Macher mit Campbels Auftritt nicht zufrieden gewesen seien. Während der Verhandlung boten die Herren Frey und Aust einen Vergleich an, der deutlich darunter liegt: 2500 bis 3000 Euro.

Das Landgericht hörte sich alles tapfer an und und schlug den Streithähnen und Streithühnern dann als Vergleich 20000 Euro Entschädigungssumme vor. Bedenkzeit bis Mitte März, sonst wird im Mai weiter verhandelt.

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