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Französische Feuerwehrleute im Einsatz in der 6.000 Einwohner zählenden Gemeinde Trebes (Frankreich).

Unwetter Pyrenäen

Wassermassen aus nachtschwarzem Himmel

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Bei einem Unwetter im Osten der französischen Pyrenäen kommen 13 Menschen ums Leben.

Der Präfekt wirkt ratlos: Alain Thirion fordert die Bewohner des Departements Aude am Montag auf, zu Hause zu bleiben. Dabei bieten doch auch die eigenen vier Wände keine Sicherheit vor den vom Himmel stürzenden Wassermassen. Von den Fluten überrascht, ist eine Frau am frühen Montagmorgen in ihrer Wohnung ertrunken. Eine von 13 Todesopfern ist sie, die hier am Ostrand der französischen Pyrenäen zu beklagen sind.

Hinzu kommen acht Schwerverletzte, von denen einer unter den Trümmern seines einstürzenden Hauses begraben wurde. Die Opferzahlen seien vorläufig, stellt das Pariser Innenministerium am Nachmittag klar. Denn es regnet noch immer. Bis zum Montagabend sollte das so bleiben. Mit einem Unwetter war zu rechnen gewesen. Meteorologen hatten auf die Erwärmung des Mittelmeeres verwiesen, auf darüber aufsteigende, feucht-warme Luftmassen, die sich über dem Festland abkühlen und entladen würden.

Aber mit diesem Unwetter hatte doch niemand gerechnet. Binnen fünf Stunden fiel aus nachtschwarzem Himmel so viel Regen, wie dort gewöhnlich in drei Monaten niederzugehen pflegt. Jean Nicolau vom Wetteramt Météo France hat 200 bis 350 Millimeter Niederschlag registriert, das Unwetter als eines der schwersten der vergangenen Jahrzehnte ausgewiesen.

Durch das Tal der Aude führende Straßen erinnern an Flüsse nach der Schneeschmelze. Auf talwärts stürzenden braunen Fluten treiben Zäune, Äste, Autos, Möbel. Bewohner des Departements veröffentlichen Katastrophenfotos in den sozialen Medien. Sie zeigen Balkone, die Bootsstege auf Wasserhöhe zu sein scheinen, zu Massenkarambolagen ineinandergeschobene Autos. Drei der 13 Todesopfer wurden in einem fortgeschwemmten Auto gefunden.

In der östlich von Carcassonne gelegenen Gemeinde Trèbes hat der Flusspegel fast die Sieben-Meter-Marke erreicht, der höchste Wert seit der Flutkatastrophe von 1891. Von Brücken, die über die Aude oder benachbarte Bäche führten, ist nicht viel geblieben. In der vom Unwetter heimgesuchten Region sind am Montagnachmittag 700 Feuerwehrleute, 200 Gendarmen sowie Zivilschützer im Einsatz. Die Retter haben halbe Dörfer evakuiert, aus der 1400 Einwohner zählenden Ortschaft Pezens gar 1000 Bürger in Sicherheit gebracht. Ein Damm droht dort zu brechen.

Wo selbst Motorboote gegen Strömungen und Strudel nicht ankommen, bleibt nur noch Hilfe aus der Luft. Drei Helikopter sollen von Wassermassen umgebene Flutopfer bergen, die auf Dächer oder Bäume geklettert sind. Mitarbeiter der Gaswerke versuchen derweil, Lecks in Leitungen aufzuspüren. Kollegen des Energieversorgers EDF bemühen sich, die zusammengebrochene Stromversorgung wiederherzustellen.

Frankreichs Regierungschef Edouard Philippe, der sich am Nachmittag vor Ort über das Ausmaß der Katastrophe informiert, streicht die Professionalität der Rettungskräfte heraus, verspricht den Flutopfern staatliche Hilfe. Michel Proust, Bürgermeister von Villegailhenc, würdigt außerdem die „auf dem Land erfreulicherweise ungebrochene Solidarität“. Proust erzählt von über Nacht obdachlos Gewordenen, die bei Nachbarn untergekommen seien.

Das Unwetter hat die 1700-Einwohner-Gemeinde hart getroffen. Zwei Mitbürger, die zunächst als vermisst gemeldet worden waren, wurden später tot aufgefunden. Die Brücke über den Trapel, einen mitten durchs Dorf führenden Wasserlauf, ist eingestürzt. Der Ort ist zweigeteilt.

Wenngleich die eigenen vier Wände nicht immer Sicherheit verheißen: Der Rat daheim zu bleiben, dürfte in der Unwetterregion weitgehend befolgt werden. Auch weil die Möglichkeiten, das Haus zu verlassen, gering sind. Sämtliche Schulen sind geschlossen, viele Straßen unpassierbar, Zugverbindungen unterbrochen.

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