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Das Wasser vom Felsen geleckt

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Von: Willi Germund

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Thailändische Soldaten bringen Vorräte für die eingesperrten Kinder.
Thailändische Soldaten bringen Vorräte für die eingesperrten Kinder. © afp

Tauchen oder das Wasser abpumpen: Die Retter der Kinder und ihres Trainers aus einer Höhle in Thailand stehen vor schwierigen Problemen.

Die neue Botschaft aus der Finsternis der kleinen Grotte tief in den Eingeweiden der Tham Luang Höhlen nahe Chiang Rai im Norden Thailands stimmte zuversichtlich. Die schmalen Jungen im Alter von elf bis 16 Jahren traten einzeln vor die Kamera der thailändischen Navy Seals, grüßten respektvoll und stellten sich mit Namen vor. Die Zähne leuchteten weiß, ihre Münder schienen riesig in den abgemagerten Gesichtern. Die Alufolien, mit denen sie sich zum Schutz gegen Kühle und Feuchtigkeit eingewickelt hatten, waren ihnen von draußen gebracht worden.

Gut 36 Stunden nach dem Auffinden der zwölf Jungen und ihrem 25-jährigen Trainer war auch keine Rede mehr von Hunger. In der Grotte vier Kilometer vom Eingang der Höhle entfernt stapeln sich jetzt Vorräte für vier Monate. Ob die jungen Fußballer solange bleiben müssen, ist unklar. Denn bei aller Aufregung und Freude über das Auffinden der Jungen, von denen geschlagene zehn Tage jedes Lebenszeichen fehlte, herrscht weiter Ungewissheit über ihre Zukunft.

Eine Bergung scheint vorerst ausgeschlossen. Wie schwierig es ist, die Kinder in der Dunkelheit durch enge, überflutete Gänge zu lotsen, führten am Dienstag die Retter bei ihren hektischen Bemühungen vor Augen. Die Geräte, mit denen eine unterirdische Telefonleitung zu der Grotte aufgebaut werden sollte, fielen ins Wasser und verschwanden auf Nimmerwiedersehen in den trüben Fluten. Deshalb gibt es noch immer keine direkte Verbindung zu den Kindern.

„Es war einer der extremsten Tauchgänge, die ich je gemacht habe“, verdeutlichte Ben Reyemenants, der einzige noch verbleibende, britische Höhlenrettungsexperte vor Ort gegenüber Medien. „Es ist eng, der Weg ist weit und dann haben wir die Strömung. Die Sicht ist Null und das Risiko, dass einer der Jungen Panik bekommt, ist da. Außerdem kann keiner von ihnen schwimmen.“

Die beste Option erscheint derzeit, das Wasser aus den Höhlen zu entfernen. 120 Millionen Liter Wasser, die inzwischen rund zwei Quadratkilometer Reisfelder in der Umgebung überschwemmen, wurden bislang aus Tham Luang gepumpt. Der Erfolg: Der Wasserspiegel sinkt um etwa einen Zentimeter pro Stunde.

Gouverneur Naronsak Osottanakorn spielte dennoch den Optimisten und spekulierte: „Vielleicht kriegen wir sie schon am Wochenende raus.“ Thailands Militärs sind vorsichtiger. Man nenne keine Termine. Denn der Wasserspiegel hängt vom Wetter ab.

Sollte die Regenzeit mit voller Wucht zuschlagen, werden viele Bemühungen der letzten Tage, das Wasser abzupumpen, innerhalb von Stunden wieder zunichte gemacht.

Trotz dieses Risikos glauben die Retter, dass die Fußballer sicher sind. Zwei Freiwillige der Navy Seals bleiben permanent bei den Eingeschlossenen. Zudem haben die Suchmannschaften eine größere Grotte in der Nähe ausfindig gemacht. Dort, wo die Jungen entdeckt wurden, gibt es kaum Bewegungsspielraum. Psychologen in aller Welt mögen derzeit Gratisratschläge verteilen, laut denen die Kinder beschäftigt werden sollten. Bislang überlebten sie, weil sie auf dem engen Raum nahezu bewegungslos auf Hilfe warteten – und Wasser vom Felsen ableckten.

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