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Was Rojava und Lützerath verbindet

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Von: Barbara Schnell

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Zwei Initiativen veranstalten am Tagebau ein Jugendfestival. Ein Ziel: ökologischen Widerstand entkriminalisieren

Im November 2017 warf die nordrhein-westfälische CDU-Abgeordnete Romina Plonsker den Grünen vor, im Hambacher Wald „Terroristen“ zu unterstützen. Kritische Stimmen merkten daraufhin an, sie bediene mit diesem Vorwurf dasselbe Narrativ, mit dem weltweit Klimaaktivist:innen kriminalisiert werden. Ein Narrativ, mit dem auch die Kurdinnen und Kurden, die seit zehn Jahren in Rojava, der Autonomen Administration von Nord- und Ostsyrien, leben, schmerzhaft vertraut sind.

„Make Rojava green again“ nennt sich eine Kampagne, die vor Ort an der Rekultivierung des im Krieg verwüsteten Landes arbeitet und gleichzeitig internationale Vernetzungsarbeit mit autonomen oder genossenschaftlich organisierten Kollektiven betreibt. An die Aktivist:innen im Rheinischen Braunkohlerevier trug man die Idee eines „Internationalistischen Jugendfestivals“ heran, das nun am 28. Mai in Lützerath am Tagebau Garzweiler ausgerichtet wird.

das festival

Am Samstag, 28. Mai, von 10 bis 22 Uhr wird in Lützerath das erste „Internationalistische Jugendfestival“ veranstaltet. Das Motto des Festivals lautet „Kämpfe verbinden – Kapitalismus überwinden“. Es wird organisiert von den Initiativen „Lützerath lebt“ und „Make Rojava green again“. FR

www.luetzerathlebt.info

„Wir kommen hier an sehr konkreten Themen zueinander“, freut sich Aktivist Mirko, der in der durch den Braunkohletagebau bedrohten Ortschaft lebt, auf die Begegnung mit den Menschen aus Kurdistan. „Auch Lützerath ist ein Ort der basisdemokratischen Transformation, ein Gegenentwurf zum Nicht-gehört-Werden, das das Leben so vieler Menschen prägt. Das Fest wird für uns hier eine Gelegenheit sein, von Erfahrenen zu lernen“, erzählt der Neunzehnjährige. „Der Fokus von ‚Make Rojava green again‘ liegt darauf, die Bewirtschaftung des – dort wie hier besonders fruchtbaren – Landes anders zu organisieren. Die Menschen dort haben inzwischen viel Erfahrung mit Permakultur und betreiben eine bedarfsorientierte Landwirtschaft, deren Ziel es ist, die Böden zu erhalten, nicht zu zerstören.“

Dieser Aspekt ist von besonderem Interesse für die Bewohner:innen von Lützerath, die seit zwei Monaten im Schatten der näher rückenden Schaufelradbagger auf einem Acker kollektive Landwirtschaft betreiben. Diese sogenannte KoLaWi unterscheidet sich von der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) dadurch, dass Menschen gemeinsam den Anbau lernen, statt nur einen Anteil eines Betriebs durch eine Einlage zu finanzieren und dafür Produkte zu bekommen.

„Wir lernen hier auf unserem Acker dieselben Dinge wie die Öko-Anbauer in Rojava – und kämpfen gegen dieselben Probleme“, sagt Mirko. Wenn erst einmal der Großteil der Ökologie zerstört sei und es keine funktionierenden Ökosysteme mehr gebe, sei man automatisch vom Klimawandel mehr betroffen, der ja kein nationales Problem sei: „Wenn wir versuchen wollen, den Klimawandel noch zu dämpfen, müssen wir uns vernetzen, auch weil es oft dieselben Unternehmen sind, die die Zerstörung vorantreiben.“ Politisch hoffen die Macher:innen des Festivals auf eine Entkriminalisierung ihrer Ziele – und auf eine Solidarisierung der deutschen Außenpolitik mit den Menschen in Rojava.

3000 Gäste werden zur Premiere des „Internationalistischen Jugendfestivals“ in Lützerath erwartet. Kurdische Vereine steuern Essen bei; Bands aus Kurdistan, der Türkei und Deutschland werben musikalisch für den Abbau von Grenzen, und Workshops laden dazu ein, sich mit aktivistischem Können vertraut zu machen – und im Schatten der Bagger herauszufinden, was den Widerstand im Rheinland und in Rojava verbindet.

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