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Elternschaft muss nicht heißen biologisch ein Kind zu zeugen, sagt Christina Klitzsch-Eulenburg.
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Elternschaft muss nicht heißen biologisch ein Kind zu zeugen, sagt Christina Klitzsch-Eulenburg.

Familien

Hürden für LBTQI*Eltern: Warum soll ich unser Kind adoptieren?

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Für LGBTQI*-Paare gibt es noch immer große formale Hürden bei der Elternschaft. Christina Klitzsch-Eulenburg von der Initiative „Nodoption“ möchte das ändern

Im Mai 2020 hat meine Frau unseren Sohn geboren. Ich wollte ihn nicht adoptieren, um rechtlich als Elternteil zu gelten. Es ist schließlich für mich kein fremdes Kind, sondern unser gemeinsamer Sohn.

Ich habe selbst lange als Anwältin gearbeitet und suchte eine Kanzlei, die schon Erfahrung mit dem Thema hatte. Nachdem ich Rechtsanwältin Lucy Chebout gefunden hatte, habe ich noch mehr unterschiedliche Familienkonstellationen gesucht, die ebenfalls den Gerichtsweg beschreiten wollten, um so mehr Öffentlichkeit zu erzeugen und eine strategische Prozessführung zu unterstützen.

Zur Person

Christina Klitzsch-Eulenburg lebt mit Frau und Kind in Berlin. Sie arbeitet als Juristin in einem gemeinnützigen Verein.

So ist die Initiative #Nodoption entstanden. Ich habe inzwischen 110 Adressen von Betroffenen in meinem Verteiler. Im August haben wir die ersten gerichtlichen Anträge eingereicht, und inzwischen haben schon zwei obere Gerichte entschieden, dass es in bestimmten Fällen verfassungswidrig ist, wenn ein Elternteil das Kind adoptieren muss, um anerkannt zu werden. Wir wollen erreichen, dass Elternschaft in möglichst allen LGBTQI+-Konstellationen bereits ab Geburt rechtlich gilt, damit insbesondere Kinder aus diesen Familien von vorneherein voll abgesichert sind.

Es muss unabhängig vom Geschlecht gelten, was jetzt schon für Personen mit dem Eintrag „männlich“ gilt: das Recht, die zweite Elternstelle ab Geburt zu besetzen. Es gibt sogar Menschen, die biologisch der „Vater“ sind, aber ihr eigenes Kind adoptieren müssen, weil sie keinen Geschlechtseintrag haben. Ich wäre auch dafür, mehr als zwei Personen die rechtliche Elternschaft zu ermöglichen. Elternschaft muss nicht heißen, biologisch ein Kind zu zeugen. Sie kann auch durch den Beschluss entstehen, gemeinsam ein Kind zu bekommen.

Die Serie

Zur Bundestagswahl am 26. September will die FR denjenigen Gehör verschaffen, die sich auch jenseits der Parteien engagieren: für neue Formen des Wirtschaftens, die den Planeten nicht zerstören. Für wohnliche Städte, gesunde Ernährung, umweltfreundliche Mobilität. Für mehr politische Teilhabe und Gleichberechtigung.

Diese Menschen haben den Mut , auch das zu wählen, was nicht zur Wahl steht. Oft sind es nachdenklich-leise Töne, die von den Mächtigen in Politik und Wirtschaft arrogant ignoriert und von rechtspopulistischen Lautsprechern übertönt werden.Die FR-Serie „Wir können auch anders“ soll ein Verstärker für diese inspirierenden Stimmen sein.

Auch Sie, die Leserinnen und Leser, können sich an unserer Serie beteiligen. Was wäre das erste, das die nächste Bundesregierung tun sollte? Schreiben Sie Ihre Antwort in einem bis drei Sätzen auf und schicken Sie sie an bundestagswahl21@fr.de . Eine Auswahl veröffentlichen wir im Rahmen der Serie.

In der nächsten Folge geht es um Sport. Sie erscheint am Dienstag, 22. Juni.

Zuletzt erschienen: eine Folge zum Thema Finanzmärkte am Dienstag, 15. Juni.

Alle Teile zum Nachlesen unter fr.de/Bundestagswahl

Unsere Forderungen betreffen sehr viele Menschen, nicht nur homosexuelle. Aber es geht auch gesamtgesellschaftlich um die Absicherung von Kinderrechten, und die sollten dem Staat ja wohl wichtig sein, wenn er uns Eltern schon keinen Gefallen tun will. Unserem Anliegen stehen eigentlich alle Parteien offen gegenüber – außer AfD und CDU. Diesen verfassungswidrigen Zustand haben sie aber alle nicht behoben, und das ist wirklich ein Skandal.

Viele Menschen glauben, wir hätten längst Gleichberechtigung. Aber ich kann mit meiner Frau nicht einfach Hand in Hand spazieren gehen, nicht mal in den coolen Ecken von Berlin, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Obwohl ich nie eine Straftat begangen habe und meinen Beitrag zur Gesellschaft mehr als durchschnittlich leiste, habe ich nicht dieselben Rechte und meine Familie nicht dieselbe Absicherung wie andere. Das macht mich wütend.

Mein wichtigster „Merkel-Moment“ war, als die Kanzlerin 2017 den Weg zur Ehe für alle frei gemacht hat. Dann wäre da auch noch der Atomausstieg. Der wirkte zwar ein bisschen wie übers Knie gebrochen, war aber eine herausragende Entscheidung. Allerdings hätte in der Klimapolitik längst viel mehr beschlossen werden müssen.

Aufgezeichnet von Stephan Hebel

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