"Das war keine absichtlich gestellte Pose", beteuert die singende Schauspielerin.
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"Das war keine absichtlich gestellte Pose", beteuert die singende Schauspielerin.

Natalia Avelon

"Warum darf ich nicht breitbeinig dasitzen?"

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Ende Mai erscheint das Debütalbum der Schauspielerin Natalia Avelon. Für manchen Mann ist das Cover eine Provokation. Avelon selbst versteht den beherzten Griff in den Schritt als feministische Ansage.

Natalia Avelon sieht wirklich aus, wie die junge Version der bildschönen Uschi Obermaier. Die 68er-Ikone und Geliebte von Rainer Langhans und Mick Jagger verkörperte Avelon vor zehn Jahren im Kinofilm „Das wilde Leben“. Laut Kritikern war die 37-Jährige darin zu 90 Prozent nackt zu sehen. „Haben die da alle Szenen zusammengezählt und dann die Prozentzahl ausgerechnet?“, fragt Avelon und lacht. Schon beim Soundtrack zum Obermaier-Film bewies sie allerdings, dass sie mehr ist als nur schön und sexy. Natalia Avelon überzeugte mit ihrem Cover des Songs „Summer Wine“ zusammen mit dem finnischen Rockmusiker Ville Valo. Nun erscheint am 26. Mai ihr eigenes Debütalbum: „Love kills“. Das klingt ein bisschen nach Chanson, ein bisschen nach Nancy-Sinatra-Pop. An den Songs haben mit ihr zusammen große Namen gearbeitet: Robbie Williams’ Songwriter Guy Chambers und Chad Hugo von N.E.R.D. zum Beispiel. Und Bela B von den Ärzten singt ein Duett mit Avelon. Beim Frühstücks-Interview in einem Frankfurter Hotel trägt die zierliche Berlinerin, die in Polen geboren wurde, ein AC/DC-Shirt.

Ihr Albumtitel „Love kills“ klingt wenig romantisch. Ein Song heißt „Immune to love“. Sind Sie immun gegen die Liebe, Frau Avelon ?
Ich bin auf gar keinen Fall immun gegen die Liebe. Wenn ich mich verliebe, dann sehr stark. Und wenn ich verlassen werde, dann leide ich auch sehr. Ich lebe die Extreme, wahrscheinlich, weil ich Künstlerin bin. Als meine geliebten Großeltern starben, aber auch, als ich von Partnern verlassen wurde, hat das immer ein Stück von mir mitgenommen, etwas in mir getötet. Das heißt aber nicht, dass ich nun emotional völlig tot bin. Es kommen neue Leute und andere Emotionen dazu.

Vor zehn Jahren sind Sie mit Ihrer ersten Hauptrolle als Uschi Obermaier bekannt geworden. Für den Soundtrack nahmen Sie mit HIM-Frontmann Ville Valo die Coverversion „Summer Wine“ von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra auf und landeten einen Hit. Warum hat es solange gedauert, bis Sie Ihr Debütalbum aufnahmen?
Zehn Jahre klingen lange, sind aber superschnell vergangen. Außerdem habe ich mich erstmal auf die Schauspiel-Branche konzentriert. Man braucht Jahre, um sich als Debütantin zu beweisen. Bis März habe ich Theater in Karlsruhe gespielt. Und wenn man als Künstler authentisch sein will, braucht es seine Zeit. Für manche Songs ist man noch nicht soweit. Mit dem Thema Tod konnte ich mich beispielsweise bei meinem Debütalbum noch nicht auseinandersetzten. Ich habe zu Chad Hugo, dem Partner von Pharrell Williams bei der Band N.E.R.D, im Studio gesagt: „Lass uns uns an Nancy Sinatra orientieren.“ Ihre Melodien sind einerseits tief, schwer und dramatisch, aber immer auch mit einer gewissen Leichtigkeit. So ein 60er/70er-Retro-Pop. Damit fühle ich mich wohl. Mein Album hat aber immer auch einen Schimmer Hoffnung. Denn das Leben ist schön, nur die Liebe ist halt ein wenig kompliziert. (lacht)

Nach Ihrer Rolle als Uschi Obermeier war es ruhig um Sie geworden …
Ich wollte nicht nur die sexy Rollen spielen. Das fand ich langweilig. Das waren aber die Angebote, die ich bekam. Deswegen habe ich viele Rollen zunächst abgesagt. Ich habe absurderweise alles versucht, um mein sexy Image abzulegen – vor allem optisch. Haare blond gefärbt, anders oder gar nicht geschminkt. Das macht man als junger Mensch oft. Man lässt sich beeinflussen und einreden, dass man so wie man ist, nicht genug ist. Völliger Quatsch! Heute mit 37 habe ich keine Lust mehr darauf, mich zu verstellen. Wenn die Leute finden, dass ich sexy bin, dann nehme ich es als ein Kompliment auf. Ich weiß, wer ich bin und dass ich auch andere Werte zu bieten habe als bloß einen schönen Körper. Leider haben die Leute, mit denen ich gerne arbeiten würde, mich noch nicht für sich entdeckt. Ich würde gerne mit Detlef Buck, Leander Haußmann, Fatih Akin oder meinem Lieblingsregisseur Dominik Graf zusammenarbeiten.

Auf Ihrem Albumcover tragen Sie Bikini, posen mit Zigarette und halten Ihre Hand im Schritt. Warum haben Sie diese Pose gewählt?
Das war keine absichtlich gestellte Pose. Ich sitze tatsächlich oft gerne so leger und burschikos breitbeinig da und lege meine Hände in den Schritt ab. Viele Männer haben zum Cover gesagt: „Mensch, das ist aber ganz schön provokativ.“ Und ich antwortete: „Sitzt du denn nie mit der Hand im Schritt da? Gilt das denn bei euch Männern als provokativ? Nein. Warum darf ich denn als Frau nicht breitbeinig dasitzen?“ Ich nenne es feminine Power. Hätte ich ein simples sexy Cover machen wollen, hätte das anderes ausgesehen. Mein Thema des Albums ist für mich: moderner, weiblicher Cowboy. Es steht für Unabhängigkeit, Freiheit, Wildsein, aber auch eben für einsame Momente.

1989 sind Sie nach Deutschland gekommen. Da waren Sie neun Jahre alt und konnten kein Wort Deutsch. Wie verfolgen Sie die aktuelle Flüchtlingsdebatte?
Ich habe ein paar Jahre im Flüchtlingsheim gelebt. Das war in der Nähe von Ettlingen in Baden-Württemberg. Meine Eltern sind vor dem Kommunismus aus Polen geflohen. Dieses Zusammenleben mit fremden Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, mit ihnen so etwas Persönliches wie Küche und Bad zu teilen, war ungewohnt. Es funktionierte mit Ausnahme von ein paar Randalierern sehr gut. Ich bin froh, kein Politiker zu sein, weil es kein einfaches Thema ist, das man einfach und schnell lösen kann. Ich bin für Hilfe für alle, solange sie nicht kriminell sind und sich integrieren. Wir haben uns integriert. Denn Integration hat immer etwas mit Respekt zu tun gegenüber dem Land, das einen aufnimmt und eine Zukunftsperspektive bietet. Das bedeutet nicht, dass man seine Wurzeln vergessen soll.

Sie sind, wie Sie selbst betonen, glücklicher Single. Wie hat sich Ihr Männerbild in den letzten Jahren verändert?
Der Anspruch auf Intelligenz und Humor steigt, der Anspruch auf Muckis schrumpft. Er geht sogar bei mir gegen Null (lacht). Ich bin jetzt nicht der Kandidat, der unbedingt heiraten muss, aber ich wollte immer Kinder, weil ich Kinder liebe. Jetzt schauen wir mal, was kommt. Ich bin aber weder verzweifelt noch verbittert, egal was passiert. Diese beiden Worte existieren bei mir nicht. Ich bin glücklich.

Trifft man Sie auf Tinder?
Nein. Online-Daten ist nichts für mich. Ich will jemanden meinetwegen beim Bäcker oder bei einer Hochzeit treffen. Am besten auch keinen Schauspieler. In meiner Branche gibt es viele Exzentriker, Egomanen und Narzissten. Wenn ein Mann sich selbst schöner findet als mich, geht das gar nicht. (lacht)

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Bela B von den Ärzten, mit dem Sie das Duett „Dark Desires“ singen?
Bela hatte damals für „Summer Wine“ abgesagt, wie er mir mal anvertraut hat. Und als ich „Dark Desires“ geschrieben habe, fand ich, dass es von der Stimmung her zu Bela passte. Ich habe ihm augenzwinkernd eine Mail geschrieben mit dem Text: „Jeder bekommt eine zweite Chance im Leben. Hast du Bock?“ Da schrieb er zurück: „Leider geil, der Song. Mache ich mit.“ Die Arbeit mit ihm war schön: Sein Humor ist super und er ist ein lieber und respektvoller Kollege.

Sie sind seit dem Film mit Uschi Obermaier befreundet. Sie sehen sich also nicht nur ähnlich. Was verbindet Sie noch?
Wir haben uns vom ersten Moment an super verstanden. Wir telefonieren oft und besuchen uns. Sie ist ein sehr liebevoller Mensch und sie hat viel zu erzählen. Ich liebe ihr Haus in L.A. und ihren Hund, ihre Eulen und alle wilden Tiere, die bei ihr hausen. Es ist ein sehr idyllischer und naturverbundener Ort. Wir können auch zusammen einfach nur auf die Berge schauen und schweigen. Wir verstehen uns einfach. Unsere Seelen haben sich irgendwie gefunden.

Interview: Kathrin Rosendorff

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