Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zoe Stephens auf Tonga: „Es gab verschiedene Level von Feststecken.“
+
Zoe Stephens auf Tonga: „Es gab verschiedene Level von Feststecken.“

Pazifikinseln Tonga

Wartend im Paradies

  • VonBarbara Barkhausen
    schließen

Eigentlich wollte Zoe Stephens nur für ein Wochenende von Fidschi nach Tonga. 18 Monate später steckt die Britin noch immer im Pazifik fest - wegen Corona.

Als die Britin Zoe Stephens im März 2020 nach Tonga flog, sollte es nur ein kurzer Ausflug werden. Ihren Koffer ließ die 27-Jährige auf Fidschi zurück. Doch während sie für zwei Tage entspannen wollte, eskalierte die Pandemie. „Tonga schloss seine Grenzen und plötzlich saß ich fest“, berichtete sie in einem Video-Telefonat. „Kein Flug wollte mich mehr mitnehmen.“

Dass sie plötzlich im Paradies feststeckte, war eine Verkettung unglücklicher Umstände. „Ich habe eigentlich in China gelebt und gearbeitet“, berichtet sie. „Mitte Januar war ich jedoch auf einem Sprachkurs in Korea.“ Da mehrten sich die Nachrichten über die neue Viruserkrankung. „Mein chinesischer Arbeitgeber sagte, ich solle meinen Urlaub doch früher nehmen und noch nicht zurückkommen.“

So entschied sich Stephens, die als Reiseführerin, Bloggerin und im digitalen Marketing arbeitet, eine Auszeit in Fidschi einzulegen. Plötzlich eskalierte die Lage in China. „Auf einmal hätte ich bei meiner Rückkehr in Quarantäne gemusst und damals war das ja mehr oder weniger noch ein unbekanntes Konzept.“ So blieb sie eine Woche länger – in der Hoffnung, die Lage würde sich entspannen. Doch die Situation wurde nicht besser, so entschied sie sich, einen Rückflug nach China zu buchen und die Quarantäne auf sich zu nehmen.

Ein covidfreies Königreich

Davor wollte sie „noch schnell ein Wochenende in Tonga einlegen“, sagt Stephens – und die Urlauberin wählte genau das falsche Wochenende. China gab bekannt, seine Grenzen zu schließen, Fidschi registrierte erste Fälle und Tonga machte dicht. Stephens saß fest – mit wenigen Habseligkeiten, die sie für das Wochenende mitgenommen hatte. Die Heimreise gestaltete sich schier unmöglich. Glücklicherweise konnte ein Freund auf Fidschi ihren Koffer per Fracht schicken.

„Seitdem gab es verschiedene Level von Feststecken“, sagte die junge Frau. „Gleich im ersten Monat hätte ich theoretisch einen Flug nehmen können, den die deutsche Regierung organisiert hatte.“ Doch der hätte sie nach Europa gebracht. „Zu dem Zeitpunkt hatte ich meinen Koffer aber noch in Fidschi und mein Hab und Gut in China.“ Also dachte sie, es sei besser, ein wenig länger zu warten. „Dann gab es irgendwann wirklich überhaupt keine Flüge mehr und dann war die Lage in Großbritannien zeitweise so schlimm – meine eigene Großmutter ist an Covid gestorben“, sagte Stephens. Zwischenzeitlich zog sie eine Reise auf einem Containerschiff oder mit einer Jacht ins Auge, doch die Corona-Bestimmungen oder extreme Preise durchkreuzten diese Pläne.

Um mit der unsicheren Situation umgehen zu können, versuchte sie letztlich, „ihr Schicksal“ zu akzeptieren und sich eine Routine zu schaffen. „Mein Job reduzierte sich auf etwa einen Tag die Woche, also fing ich wieder an zu studieren und habe inzwischen online einen Masterabschluss gemacht“, erzählt sie. „Außerdem habe ich begonnen, jeden Tag zu laufen.“ Stephens wurde dabei so fit, dass sie einen 100-Kilometer-Lauf absolvierte, um Gelder für einen guten Zweck zu sammeln. Die Idee kam auf Tonga so gut an, dass der Inselstaat nun einen jährlichen Marathon daraus machen möchte.

Je vertrauter sie mit Land und Leuten wurde, um so mehr begann sie, die Insel zu erkunden. „Tonga ist ein wunderschönes Königreich und glücklicherweise covidfrei geblieben“, sagt sie. „Ich habe hier nie eine Maske getragen, auch wenn wir natürlich durchaus Restriktionen hatten.“ Nach einem dreiwöchigen Lockdown am Anfang der Pandemie gibt es nach wie vor Beschränkungen bei Veranstaltungen sowie eine nächtliche Ausgangssperre.

Trotz des tropischen Klimas und den Traumstränden war das Leben auf der Insel nicht immer einfach. „Das schlimmste Erlebnis war ein Zyklon, bei dem die Hälfte meines Hab und Guts weggeschwemmt und das Haus, in dem ich lebte, zerstört wurde“, sagte Stephens. Glück im Unglück: Sie konnte das Haus einer Familie übernehmen, die zur gleichen Zeit in den USA feststeckte und einen Haussitter brauchte. Auch die Einsamkeit und die Isolation machten ihr zeitweise zu schaffen.

Gleichzeitig versuchte sie, so viel wie möglich über Tonga und seine rund 100 000 Bewohnerinnen und Bewohner zu lernen. „Das ist gar nicht so einfach“, meint sie. Selbst im Internet lasse sich nicht allzu viel Information finden. „So trat ich am Anfang auch in das eine oder andere Fettnäpfchen“, lacht sie. „Bei so wenigen Einwohnern – da stichst du als Ausländer heraus und jede Bemerkung, die du machst, wird weiterberichtet und endet plötzlich bei den höchsten Leuten im Land.“

Ihr Fazit ist trotzdem positiv: „Alles in allem finde ich, dass ich unglaubliches Glück hatte, hier festzustecken – so etwas werde ich sicher nie wieder in meinem Leben erleben“, sagt die Britin. Letztendlich wird sie den Pazifikstaat mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlassen. Ihre nächste Option ist ein Flug, der organisiert wurde, um Tongaer aus Neuseeland in ihre Heimat zurückzubringen. Dieser könnte sie auf dem Rückflug bis nach Auckland bringen. Allerdings gefährdet der augenblickliche Ausbruch in Neuseeland nun auch diese Option. „Trotzdem ist es meine bisher beste Chance.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare