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Geräte zur geologischen Überwachung stehen an einem Highway, in dem sich ein Spalt aufgetan hat.

USA

Warten auf „The Big One“

Zwei starke Erdstöße schrecken die Menschen an der US-Westküste auf. Es geht glimpflich aus.

The Big One“, das gefürchtete große Erdbeben mit vielen Toten und schweren Schäden, hat Kalifornien noch einmal verschont. Doch zwei starke Erdstöße am Donnerstag und Freitag waren für Millionen Menschen nervenaufreibend. Die schwerste Erdbebenserie in 20 Jahren traf die Kleinstadt Ridgecrest nahe der Mojave-Wüste, gut 200 Kilometer von Los Angeles entfernt.

Die Erdstöße mit Stärken von 6,4 und 7,1 waren in weiten Teilen des Südwestens der USA zu spüren. Augenzeugen beschrieben Schrecksekunden, in denen ihre Häuser schwankten, Swimmingpools überschwappten und Möbel umstürzten. Doch eine Katastrophe mit Trümmern, Schwerverletzten und Toten blieb aus.

Es gebe keine Berichte über eingestürzte Häuser oder eingeklemmte Menschen, teilte die Feuerwehr im Bezirk Kern County am Samstag mit. „Es hätte viel schlimmer kommen können“, sagte die Bürgermeisterin von Ridgecrest, Peggy Breeden, dem Sender „CNN“. „Wir haben den Test bestanden“ erklärte sie mit Blick auf rasche Hilfe von Polizei und Feuerwehr, Erdbebensicherung von Häusern und das richtige Verhalten der Anwohner, etwa unter einem schweren Tisch Schutz zu suchen.

Das Ausmaß des Sachschadens war zunächst nicht bekannt. Es gab einige Hausbrände. Der Besitzer eines Spirituosenladens in Ridgecrest klagte über zerbrochene Flaschen im Wert von 100 000 Dollar. Der Fußboden sei voller Scherben und Alkohol. Glücklicherweise sei niemand verletzt worden, sagte er der Zeitung „USA Today“. In ihrem Haus seien die Fenster geborsten und der Kamin eingestürzt, erzählte Ronnie Tolbert der „Los Angeles Times“. Sie und ihr Mann seien in Panik hinausgelaufen und hätten die Nacht im Garten verbracht. Aus Angst vor weiteren Beben schliefen Menschen auf Bürgersteigen und in Zelten.

Auch in Las Vegas in Nevada wackelte der Boden. In der Casino-Stadt wurde ein Basketball-Spiel der NBA-Summer-League aus Sicherheitsgründen abgebrochen. In Los Angeles duckte sich eine Nachrichtensprecherin während einer Livesendung unter einen Tisch, als das Beben das TV-Studio erschütterte. In den Vergnügungsparks Disneyland und Six Flags Magic Mountain wurden Achterbahnen angehalten und inspiziert. Aus den großen Metropolen wurden aber keine Schäden gemeldet.

„Erdbeben machen Angst“

Die Erdstöße schreckten auch Promis in Los Angeles auf. Als „intensiv“ beschrieb Rapperin Nicki Minaj in einem Tweet das zweite Beben. „Jesus, Erdbeben machen Angst“, twitterte Schauspielerin Minnie Driver am Freitag. Der Komiker David Spade gab Regeln zum Besten, die man bei einem Beben befolgen sollte. „Anhalten, Ducken und dann auf Instagram super dramatisch sein. Dann zurücklehnen und die Likes zählen“, witzelte er auf Twitter.

Weitere Erdbeben seien wahrscheinlich, warnte Seismologin Lucy Jones von der Erdbebenwarte USGS. Kleinere Nachbeben könnten noch jahrelang folgen, die Wahrscheinlichkeit eines Erdstoßes größer als 7,1 gaben die Wissenschaftler am Samstag mit drei Prozent an.

Wissenschaftler sagen Kalifornien seit Längerem ein Starkbeben voraus. Auf einer Länge von 1300 Kilometern zieht sich die San-Andreas-Verwerfung durch den Westküstenstaat. Hier ereignete sich 1906 in San Francisco das große Beben der Stärke 7,8. Der Erdstoß und das nachfolgende Feuer töteten etwa 3000 Menschen. Im Oktober 1989 forderte ein Beben der Stärke 6,9 im Raum San Francisco 67 Menschenleben. Die jüngsten Erdstöße werden allerdings nicht dem San-Andreas-Graben zugeschrieben. Laut Seismologen handelt es sich um ein Gebiet mit vielen kürzeren Verwerfungen. (dpa)

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