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Bekannter Hof: Nachbarn waren schon lange skeptisch.

Niederlande

Warten auf das Ende aller Tage

Eine Familie in den Niederlanden soll neun Jahre lang isoliert auf einem Hof gehaust haben, aus Angst vor dem Weltuntergang, heißt es. Sichere Informationen zu dem Fall gibt es bisher allerdings kaum.

Ungläubig und schockiert, so reagieren viele Niederländer auf die Entdeckung einer Familie in einem Dorf in der Provinz Drenthe. Neun Jahre lang sollen ein Vater und seine sechs mittlerweile erwachsenen Kinder völlig isoliert in einem kleinen Kämmerchen auf einem abgelegenen Bauernhof in Ruinerwold im Osten des Landes gehaust haben.

Viele denken an ähnliche Fälle aus anderen Ländern, Fälle von Gewalt oder Missbrauch oder auch an eine Sekte. Auch wenige Tage nach der Entdeckung bleibt vieles unklar. Bisher gibt es allerdings keine Hinweise, dass die Familie dort gegen ihren Willen festgehalten wurde. Auf Fotos sind ein großer Gemüsegarten und eine Art Gewächshaus zu sehen. Außerdem liefen auf dem Hof ein paar Gänse herum und eine Ziege.

Die Familie habe auf das „Ende der Zeiten gewartet“, hatten niederländische Medien gemeldet. Das soll einer der Söhne zu Besuchern der Dorfkneipe gesagt haben. Bestätigt wurde das bislang nicht. Der verwilderte und verwirrte 25-Jährige hatte in der Kneipe um Hilfe gebeten. Und so war schließlich seine Familie auf dem Hof auch entdeckt worden.

Unterdessen tauchten Berichte auf Sozialen Medien auf – Facebook, Instagram und Linkedin. Dort soll er unter dem Namen Jan nach einer Sendepause von neun Jahren wieder Fotos und Einträge gepostet haben. Ob es sich tatsächlich um den gleichen Mann handelt, konnte die Polizei nicht sagen. „Wir überprüfen diese Berichte“, sagte ein Sprecher.

Die sechs Kinder waren 2010 zwischen neun und 16 Jahre alt und hätten zur Schule gehen müssen. Doch weder der Vater noch die Kinder waren bei den Behörden gemeldet. Das könnte erklären, warum niemand die Kinder vermisst hat. Ein 58-jähriger Österreicher hatte den Hof gemietet, aber wohnte wahrscheinlich nicht dort.

Er hat auch einen Schreiner-Betrieb im nahe gelegenen Meppel. Fast täglich, so erzählen Nachbarinnen und Nachbarn, war er mit seinem Volvo gekommen und renovierte den Hof. Der Österreicher wohnt wohl schon seit Jahren in den Niederlanden. Er wurde vorläufig festgenommen, weil er nicht bei der polizeilichen Untersuchung helfen wollte. Er sitzt mittlerweile in U-Haft. Doch einen konkreten Verdacht gegen ihn hat die Polizei nicht.

Die Nachbarinnen und Nachbarn hatten den neuen Mieter freundlich begrüßt, erzählten sie im Fernsehen. Als er dort vor einigen Jahren erstmals auftauchte, hatten sie ihm Blumen und eine Flasche Wein gebracht. „Doch der reagierte total komisch“, erinnerte sich Nachbar John van Dijk. Er sei kurz angebunden gewesen: „Und dann ging das Hoftor auch immer schnell wieder zu.“

Etwas stimme nicht, spürten die Anwohnerinnen und Anwohner. „Wir dachten, dass es irgendetwas mit Drogen war, eine Haschplantage oder so“, sagte eine Frau. Bauer van Dijk war sogar einmal abends mit einem Freund dorthin gegangen, um sich umzuschauen: „Aber da hingen überall Kameras, und dann sind wir wieder umgekehrt.“ Ein paar Mal wollte auch die Polizei nach dem Rechten schauen. Doch die Beamten kehrten am verschlossenen Hoftor unverrichteter Dinge wieder um.

Die Untersuchungen laufen auf Hochtouren. Der Vater und die sechs Kinder sind vorerst in einem Ferienpark untergebracht worden. „Sie werden versorgt“, sagte ein Sprecher der Polizei. „Was sie jetzt vor allem brauchen, ist Ruhe.“ (dpa)

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