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Warnsystem auf indonesischer Insel hat versagt

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Ein vom Tsunami zerstörtes Dorf auf  Pagai Island.
Ein vom Tsunami zerstörtes Dorf auf Pagai Island. © dpa

Gebeuteltes Indonesien: Nach dem schweren Erdbeben werden zehn Dörfer von einer riesigen Flutwelle weggespült. Etwa 300 Menschen sterben. Auch der Vulkan Merapi fordert 25 Todesopfer.

Ein tödlicher Vulkanausbruch, ein schweres Erdbeben, und ein Tsunami - und dies alles innerhalb von 24 Stunden: Den Inselstaat Indonesien hat es hart getroffen. Bei der Katastrophenserie kamen nach vorläufigen Zählungen 300 Menschen ums Leben, mehr als 400 weitere wurden am Mittwoch noch vermisst. Besonders betroffen ist die entlegene Inselkette Mentawai, dort wurden mehrere Dörfer von einer Flutwelle fortgespült. Die Überlebenden sind traumatisiert, weil sie nicht rechtzeitig vor dem Tsunami gewarnt wurden. Helfer befürchten, dass die Zahl der Opfer und das Ausmaß der Schäden in den schwer erreichbaren Katastrophengebieten noch viel größer sind ist als bislang angenommen.

„Etwa zehn Minuten nach dem Erdbeben hörten wir einen lauten, donnerartigen Lärm“, beschreibt der 32-jährige Bauer Borinte das Herannahen des Tsunamis. Das Beben der Stärke 7,7 hatte sich am Montag ereignet und eine Flutwelle ausgelöst, die zehn Dörfer auf den Mentawai-Inseln überschwemmte. Auf der Insel Südpagai schossen die Flutwellen 600 Meter weit ins Landesinnere. Auch Borintes Dorf Detumonga an der Küste von Nordpagai wurde zerstört. „Wir haben versucht, in höher gelegene Gebiete zu laufen, aber die Welle war schneller als wir“, erzählt der Bauer. Seine Frau und seine drei Kinder starben, ihre Leichen wurden am nächsten Tag gefunden. Borinte überlebte, indem er sich im Wasser an ein Holzbrett klammerte.

Nun macht er sich Vorwürfe, dass er die Katastrophe überlebte und seiner Familie nicht helfen konnte. „Es tut mir so leid, dass ich meine Frau und meine Kinder nicht retten konnte, weil ich Panik bekommen habe und nicht wusste, was ich tun soll.“ Viel schwerer wiegt aber das Versagen der Behörden. Nach dem verheerenden Tsunami an Weihnachten 2004, bei dem allein in Indonesien 168.000 Menschen ums Leben gekommen waren, wurde zwar ein Warnsystem aufgebaut. Doch bei der Flutwelle auf den Mentawai-Inseln funktionierte das System nicht. Eine nach dem Beben ausgegebene Tsunami-Warnung hoben die Behörden nach kurzer Zeit wieder auf.

Auch ausländische Touristen waren von der Naturkatastrophe betroffen. Der Australier Rick Hallet ankerte mit einem seiner Charter-Boote mit einer Gruppe von Landsleuten an Bord vor den Mentawai-Inseln, als sich die Flutwelle auftürmte. „Wir hörten ein mächtiges Getöse. Ich dachte sofort an einen Tsunami und schaute aufs Meer hinaus - und da sah ich die Mauer aus weißem Wasser auf uns zu kommen“, erzählte Hallet im Sender Fairfax Radio Network. Die Welle habe ein anderes Boot gegen seines geschleudert, das daraufhin in Brand geraten sei.

Die neun Australier an Bord sprangen ins Wasser, während ihr Boot explodierte. Alle konnten sich retten. Einige wurden 200 Meter weit ins Inland gespült und kletterten dort auf Bäume. Neun weitere Australier und ein Japaner an Bord eines anderen Bootes hatten weniger Glück. Sie wurden vermisst gemeldet.

Nach dem Tsunami werden auf den Mentawai-Inseln noch hunderte weitere Menschen vermisst. Die Suche nach ihnen und die Versorgung der Überlebenden ist auf den abgelegenen Inseln im Indischen Ozean sehr schwierig. „Vielerorts gibt es keine Straßen und keine Telefone“, sagt Dave Jenkins, Gründer der auf den Mentawai-Inseln aktiven Hilfsorganisation SurfAid International. Den Berichten seiner Mitarbeiter zufolge gebe es „viel mehr Zerstörung und Todesfälle und Vermisste als gemeldet“.

Das Erdbeben und der Tsunami waren nicht die einzigen Katastrophen, die Indonesien ereilten. Weniger als 24 Stunden nach dem Beben brach auf der bevölkerungsreichsten indonesischen Insel Java der Vulkan Merapi aus. Dabei starben mindestens 25 Menschen. Der Vulkan spuckte drei Mal Rauch und Vulkanasche bis in 1,5 Kilometer Höhe aus, wie der Vulkanexperte der indonesischen Regierung, Surono, mitteilte.

Die Behörden hatten am Montag die Evakuierung der dichtbesiedelten Gegend um den Vulkan angeordnet, wo 19.000 Menschen leben. In einem Umkreis von zehn Kilometern um den Krater waren die Bewohner aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen.

Der rund 2900 Meter hohe Merapi ist der aktivste der 69 indonesischen Vulkane, bei denen bislang Ausbrüche beobachtet wurden. Über das Wochenende nahmen die seismischen Aktivitäten innerhalb des Berges nach Angaben der Behörden drastisch zu. Der Merapi brach letztmals im Jahr 2006 aus. Damals kamen zwei Menschen ums Leben. Im Jahr 1930 wurde der bislang schwerste Ausbruch des Merapi registriert, bei dem mehr als 1300 Menschen starben. (afp/rtr/dpa)

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