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Waldbrandgefahr - die Angst vor dem Funken

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Von: Andreas Sieler

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Die Temperaturen in Deutschland gehen wohl ein bisschen runter, doch die Waldbrandgefahr ist hierzulande noch lange nicht vorüber. Dramatischer ist die Lage an Mittelmeer- und Atlantikküste.

Nach den vorläufigen Hitzerekorden für 2022 am Dienstag in Westdeutschland wurden auch am Mittwoch neue Temperaturrekorde vermeldet. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) etwa in Bad Mergentheim-Neunkirchen mit 40,3 Grad, ein neuer Rekord für Baden-Württemberg. Die ebenfalls vorläufig höchsten Landeswerte betrugen je 39,8 Grad im niedersächsischen Uelzen und in Huy-Pabstorf in Sachsen-Anhalt – Hitzerekorde für beide Länder. „Die Werte könnten aber bis zum Abend noch durchbrochen werden“, sagte ein DWD-Sprecher. Vorläufige Landesrekorde wurden auch in Hamburg Neuwiedenthal (39,7 Grad) sowie in Krambek in Schleswig-Holstein (38,4 Grad) verzeichnet.

Eine gute Nachricht: eine leichte Abkühlung aus westlicher Richtung verspricht angenehmere Tage – vorerst. Am Donnerstag soll es im Osten und Nordosten auf immer noch warme 33 Grad abkühlen. Im Südwesten und Westen gab es schon am Mittwoch örtlich Schauer und Gewitter bei 30 bis 34 Grad. Doch schon am Wochenende könne es wieder heißer werden, warnt der DWD.

So oder so, das Grundproblem bleibt: Trotz Regens ist es zu trocken, beklagen nicht nur die DWD-Fachleute. Die Folge sind Waldbrände. Bei Sundern im Sauerland brannte laut Polizei eine Fläche von 30 000 Quadratmetern. Mehrere Feuer beschäftigten am Mittwoch die Rettungskräfte im sächsischen Landkreis Meißen. „Bitte beachten Sie auch weiterhin, dass in Wald und Flur schon der kleinste Funke zu einem Brand mit möglicherweise verheerenden Folgen führen kann“, warnte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU). So geschehen bei Alsdorf nahe Aachen, wo ein Feldbrand am Dienstagabend auf ein Gehöft übergriff, sieben Menschen wurden leicht verletzt. In und um Trier löste ein Güterzug laut der Stadt gleich mehrere Brände aus – Ursache war „ein Defekt an einem Rad, wodurch Funkenflug entstand“, hieß es. Die Feuerwehr brachte die Lage unter Kontrolle.

Dramatischer gestaltet sich die Situation am Mittelmeer und am Atlantik. An letzterem kämpft die französische Feuerwehr noch immer gegen zwei Brände, die sich in der Nacht auf Mittwoch weiter ausgebreitet hatten. Bei Landiras und Teste-de-Buch sind inzwischen 20 600 Hektar Land verbrannt. Auch in der Bretagne wütet ein Feuer.

Portugals Zivilschutz ANEPC meldete Stand Mittwoch 25 Waldbrände. Traurige Zwischenbilanz: drei Tote, sechs Schwerverletzte, mehr als 200 Verletzte und 1055 Menschen, die ihre Siedlungen verlassen mussten.

Laut des Instituts für Meer und Atmosphäre (IPMA) sind 98 Prozent Portugals von einer schweren bis extremen Trockenheit betroffen. Hinzu kommt seit Juli eine extreme Hitze. Diese, so wird vermutet, soll mitunter zu einer Übersterblichkeit geführt haben: Zwischen dem 7. und dem 18. Juli meldete das Gesundheitsministerium 1063 Todesfälle mehr als im Vorjahreszeitraum. Allerdings gab es auch im Juni in Portugal deutlich mehr Sterbefälle als im Vorjahresmonat – ohne extreme Hitze.

Auch in Italien brennt es: In der Toskana hat die Feuerwehr am Mittwoch weiter versucht, einen Waldbrand nahe Lucca unter Kontrolle zu bringen. 500 Menschen mussten laut Feuerwehr vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden. Auch in anderen Regionen der Toskana brannte es, ebenso nahe der slowenischen Grenze bei Görz – auf der slowenischen Seite wurden vier Dörfer evakuiert.

In Großbritannien, das am Dienstag den heißesten Tag seiner Geschichte erlebte, wurden bei Einsätzen in London mindestens 16 Feuerwehrleute verletzt, wie der stellvertretende Feuerwehrchef sagte. Es habe mehr als 1000 Notrufe gegeben, meist wegen Hitze. Sadiq Khan, der Bürgermeister der Hauptstadt, sprach vom arbeitsreichsten Tag für die Feuerwehr seit dem Zweiten Weltkrieg. ansi mit dpa/afp

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