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Vulkan La Palma

Vulkanausbruch auf La Palma: Zwei Monate Faszination und Schrecken

  • VonMarco Schicker
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Seit über zwei Monaten verfolgt die Welt den Ausbruch des Vulkans auf der Kanarischen Insel La Palma. Eine Bilanz zwischen Statistiken, Rekorden, Faszination und Schrecken.

La Palma - Mehr als 10 Millionen Kubikmeter pyroklastisches Material, also Lava, Asche, Gase hat der Vulkan auf der Cumbre Vieja von La Palma seit seinem Ausbruch am 19. September* ausgespien. Eine Leistung, die ihn, pünktlich zum zweimonatigen "Geburtstag" zum Vulkan der Größe 3 qualifiziert, eine Stufe höher als bisher, auf einer Skala, die bis 8 reicht. Gefährlicher wird er dadurch nicht, betonen die Experten von Involcán und Pevolca.

Die Zahlen, die der Vulkan auf La Palma nach zwei Monaten* liefert, sind beeindruckend. Es handelt sich um den längsten Vulkanausbruch auf der Iberischen Halbinsel seit dem Ausbruch von El Charco 1712, ebenfalls auf La Palma und den achtlängsten, seit es darüber verlässliche Aufzeichnungen gibt. Der Timanfaya auf Lanzarote hält den iberischen Marathon-Rekord mit 2.055 Tagen, also über fünfeinhalb Jahren.

Vulkan auf La Palma: Bilanz des Ausbruchs

Seit dem Ausbruch wurden auf der Insel La Palma 5.100 Erdbeben registriert, das stärkste mit 5,1 auf der Richterskala, gerade am letzten Freitag, just am 19. November, als wollte der Vulkan sein Zwei-Monats-Jubiläum mit einem besonderen Tusch feiern. Die freigesetzte Energie des Vulkans entspricht aller 48 Stunden dem Energiebedarf ganz Spaniens. Wer eines Tages die Kräfte des Erdinneren gezielt nutzbar machen kann, würde sich mehr als einen Nobelpreis verdienen. Gleichzeitig setzte der Vulkan auf La Palma in zwei Monaten so viel Schwefeldioxid frei, wie die Dreckschleudern der gesamten Europäischen Union in einem Jahr.

Mit Stand Donnerstag, 18. November, bedeckte die Lava 1,4 Prozent der Fläche von La Palma, 1.040,5 Hektar, erklärt die Forschungsgruppe Involcán. Die weiteste Ausdehnung vom Krater beträgt 53 Kilometer. Seit die Lava am 28. September das erste Mal das Meer erreichte, rang sie diesem ein Delta von 42,8 Hektar neuem Land ab, noch unwirtliches Land freilich.

Cumbre Vieja auf La Palma (kanarische Inseln): Mitglieder der militärischen Notfalleinheit (UME) sind im Einsatz, als Lava aus einem Vulkan ins Meer fließt.

"Der Vulkan macht was er will", erklärt Ivolcán. Zwar "hat er an Energie verloren", ergänzt María José Blanco vom Instituto Geográfico Nacional (IGN), doch die Krater haben weiter explosives Potential, neigen zum Zusammenbruch und so können immer neue Lava-Ströme entstehen oder ihre Richtung ändern. 12 Ströme beobachten die Forscher derzeit und eine geringere Explosivitiät, eine Prognose, wann der Vulkan Ruhe gibt, wagt keiner mehr von ihnen.

Ein Bild geht um die Welt: Mit Asche bedeckt, versucht ein Plantagenarbeiter auf La Palma seine Bananen-Ernte zu retten.

7.000 der 85.000 Einwohner von La Palma mussten wegen des Vulkanausbruchs* bisher ihre Wohnungen, Häuser, Geschäfte und Felder verlassen, zuerst und am stärksten betroffen waren das Viertel El Paraíso der Gemeinde El Paso sowie Teile von Las Manchas. Die Lava-Ströme ergingen sich sodann über Los Llanos de Aridane, El Pedregal, Todoque, allein mit 1.500 Einwohnern, Los Campitos, Callejón de la Gata. Der Rettungs- und Evakuierungseinsatz kann als vorbildlich gelten, auch, weil die Vulkanologen durch etliche Erdbeben im Vorfeld des Ausbruchs frühzeitig Alarm schlugen.

Schäden des Vulkanausbruchs auf La Palma belaufen sich auf über 900 Millionen Euro

Nach zwei Monaten Aktivität hat der Vulkan 1.184 Wohnhäuser von 2.120 gemeldeten Personen zerstört, so das Katasteramt der Inselregierung von La Palma. Weitere 5.000 Menschen haben derzeit keinen Zugang zu ihren Häusern, die teils zerstört, zumindest beschädigt, fast immer aber kaum zugänglich sind, die erkaltenden Lava-Massen türmen sich zum Teil auf 30 Meter Höhe und meterdicke Berge von Asche machen den Zugang unmöglich. Rund 1.000 Wirtschafts- und Gemeinschaftsgebäude kommen zur Schadensbilanz hinzu, neben Ställen, Lagern, Geschäften, Trafo-Häuschen sind darunter auch zwei Kirchen.

Über 40 Hektar Land schuf der Vulkan auf La Palma bereits, unwirtliches Land allerdings.

Viele der Evakuierten leben noch heute in Provisorien. Auch die, die das Glück hatten, bei Freunden oder Familie unterzukommen, sind oft alles andere als glücklich. "Wo vorher vier lebten, leben jetzt neun Menschen, das geht nicht ohne Konflikte". Der "Mensch braucht einen Platz für sich und sei es, um einfach mal zu weinen", schildern Betroffene ihre Lage im spanischen Fernsehen, gleichzeitig überwältigt von der Hilfsbereitschaft vieler Menschen und niedergeschlagen angesichts des Verlustes ihrer Existenz.

Insgesamt 438 Evakuierte musste die Inselregierung zunächst in Hotels, Schulen, Sporthallen unterbringen. Der Weg aus diesen Notunterkünften ist kein leichter. Zwar hatten sowohl die Zentralregierung in Madrid und Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez wie auch die Inselregierung der Kanaren angekündigt, privaten Wohnraum anzukaufen oder anzumieten, um ihn dann zu vernünftigen Preisen an die Betroffenen abzugeben, "doch so einfach ist das in der Praxis nicht, die Mieten auf der Insel La Palma sind explodiert, mit 900 Euro Einkommen im Monat kann ich mir hier keine Wohnung leisten", sagt die 33-jährige Luz im Fernsehen. 900 Euro sind zu wenig zum Mieten, aber zu viel, um Direkthilfen zu beziehen. Immer mehr verlassen die Insel La Palma für immer.

Es geht nicht nur um Wohnungen, sondern auch ums Geschäft, vor allem Bananenbauern der "plátanos de canarias", der berühmten kanarischen Bananen*, die ohnehin nur durch EU-Subventionen überlebten, haben ihre Plantagen verloren, die Ernte ist futsch, ebenso die Bewässerungsanlagen. Die Bananen-Bauern der Kanaren sind Krisen* gewöhnt. Auch andere Agrarbetriebe sind zerstört.

Selfie vor Vulkan: Der Vulkanausbruch auf La Palma als Event für Touristen. Das löst gemischte Gefühle aus.

Auf insgesamt 906 Millionen Euro schätzt Ángel Víctor Torres, Präsident der Inselregierung der Kanaren die ökonomischen Schäden bisher (Stand, 19. November), das sind mehr als zwei Prozent der Jahreswirtschaftsleistung (BIP) aller Kanarischen Inseln. Eine Größenordnung, die den Kanaren Zugang zum Not- und Solidaritätsfonds der Europäischen Union gewährt.

Wiederaufbau auf La Palma: Landwirtschaft, Wohnungen, Tourismus

Der Wiederaufbau wird ein langwieriger sein: Allein 66 Kilometer Straßen sind unbenutzbar, ohne die kommt aber keine Hilfe nirgendwohin. An diesem Samstag, 20. November, war Regierungschef Pedro Sánchez bereits zum vierten Mal seit dem Vulkanausbruch auf La Palma. Immer wieder spricht er von den „Hilfspaketen“ für alle Sektoren, Arbeitsprogramme, Hilfen für die Landwirtschaft, den Tourismus, neue Wasserleitungen, Steuernachlässe. Sáchez‘ Pakete umfassen rund 206 Millionen Euro, 40 Millionen kommen von der Regionalregierung der Kanaren, 10,5 Millionen für das Wohnungsproblem, 100 Millionen Euro sind 2022 für den Wiederaufbau zugesagt, rund 7,5 Millionen Euro private Spenden liefen auf. Das sind rund 360 Millionen Euro bis Ende nächsten Jahres, wie viel von der EU kommt, weiß La Palma noch nicht. Bisher bleibt die Insel also auf rund 550 Millionen Euro Schäden sitzen.

Während tausende ihre Heimat verlassen müssen oder um ihre Existenz kämpfen und bangen, genießen Touristen das Naturspektakel Vulkan auf La Palma*. Die Inselregierung wollte das so, denn schließlich bedeuten Touristen Einnahmen und die Politiker wollten nicht nur das Image einer Katastrophen-Wüste La Palma in die Welt senden. Die Besuche beim Vulkan auf La Palma bringen einigen Unternehmern Geld, den Betroffenen aber nichts, höchstens noch Staus und noch höhere Preise, wie unser Bericht vom Vulkan-Tourismus auf La Palma zeigt.

Dieses Wochenende um den 21. November jedenfalls war der Flughafen von La Palma wegen der Aschewolke wieder geschlossen. Und die Asche ist auch der Zeuge des Ausbruchs auf der ganzen Insel und fast Alltag. Fast. Denn wegen des Einsturz eines Daches beim Asche fegen starb vorige Woche ein Mann. Das erste Todesopfer des Vulkans auf La Palma. *costanachrichten.com ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Kike Rincón/EUROPA PRESS/dpa

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