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Sorge vor Vulkanausbruch in Portugal: „Beunruhigende“ Aktivitäten – Bevölkerung verlässt Azoren-Insel

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Von: Karolin Schäfer, Max Schäfer

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Menschen besteigen in eine Fähre auf der Insel São Jorge auf den Azoren. Seit einer Woche ist die Insel das Epizentrum von Tausenden von kleinen Erdbeben geworden, die einem Vulkanausbruch vorausgehen könnten.
Menschen besteigen in eine Fähre auf der Insel São Jorge auf den Azoren. Seit einer Woche ist die Insel das Epizentrum von Tausenden von kleinen Erdbeben geworden, die einem Vulkanausbruch vorausgehen könnten. © Patricia de Melo Moreira/AFP

Die Azoren werden von tausenden Erdbeben heimgesucht. Portugals Behörden warnen vor einem Ausbruch des Vulkans.

Update vom Sonntag, 27.03.2022, 09.15 Uhr: Die Sorge auf der zu Portugal gehörenden Azoren-Insel São Jorge wächst. Innerhalb von sieben Tagen seien 13.000 Erdstöße auf der Insel festgestellt worden, teilte das seismisch-vulkanische Überwachungszentrum der Azoren (Civisa) laut dpa-Informationen am Samstag (27.03.2022) mit. Das seien doppelt so viele wie durchschnittlich im gesamten Jahr. Größere Schäden haben die Erdbeben bislang nicht verursacht. Dennoch könnten sie ein Hinweis auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch sein. Die Behörden in Portugal haben daher die Vulkanwarnung auf die zweithöchste Stufe 4 angehoben.

„Um ein deutliches Zeichen der Verbundenheit und Solidarität zu setzen“, wolle der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa am Sonntag (27.03.2022) die Insel besuchen. Das kündigte Regionalpräsident José Manuel Bolieiro am Samstag an. Nach Einschätzungen von Fachleute gebe es aber derzeit „keinen Grund zur Beunruhigung“, betonte Rebelo. Aus Angst vor einem möglichen Ausbruch verließen nach portugiesischen Angaben dennoch etwa 1250 der rund 8400 Einwohner:innen die Insel.

Die Datenlage sei allerdings noch zu dünn, um konkrete Aussagen zu einem möglichen Vulkanausbruch zu machen, erklärten Fachleute. Ein größerer Ausbruch wie auf der zu Spanien gehörenden Kanareninsel La Palma im vergangenen Jahr sei aber unwahrscheinlich, erklärte Geologe Ricardo Ramalho gegenüber der Zeitung Público.

Portugal: Sorge vor Vulkanausbruch wächst

Erstmeldung vom Samstag, 26.03.2022: Velas (Azoren) – Die portugiesische Inselgruppe Azoren ist in der vergangenen Woche immer wieder von kleineren Erdbeben heimgesucht worden. Etwa 2000 Erdbeben wurden seit dem vergangenen Samstag (19.03.2022) beispielsweise auf der Insel São Jorge verzeichnet. Auf der etwa 1500 Kilometer von Portugals Festland entfernten Insel wächst deshalb die Sorge vor einem Vulkanausbruch.

Als Reaktion auf die Erdbeben hat das seismisch-vulkanische Überwachungszentrum „Civisa“ den Vulkanalarm auf der Azoreninsel auf Stufe 4 von 5 möglichen angehoben. Demnach besteht eine „reale Möglichkeit eines Ausbruchs“. In der aktuellen Situation ist das auch die höchstmögliche Warnstufe, da Stufe 5 nur bei einem tatsächlichen Vulkanausbruch ausgerufen werden kann.

Portugal: Vulkan-Aktivitäten auf Azoren-Inseln geben Rätsel auf

Wie sich die seismischen Aktivitäten auf Portugals Atlantikinseln weiterentwickeln, ist laut Fachleuten jedoch schwer vorherzusagen. Es fehlen weitere geophysikalische Daten, um die Beben auf den Azoren besser interpretieren zu können. Somit ist noch unklar, ob die seismischen Schwarmbeben ein Hinweis auf einen Vulkanausbruch sind.

São Jorge
InselgruppeAzoren
StaatPortugal
Größe233,5 km²
Einwohner8300
HauptortVelas

„Der Ursprung dieser Seismizität kann mit dem Aufstieg von Magma in einem magmatischen Gang zusammenhängen“, erklärte das portugiesische Institut für Meeres- und Atmosphärenforschung (IPMA). Das Phänomen verursacht demnach die Fragmentierung von Gestein in der Tiefe. Dadurch wird laut den Fachleute Energie freigesetzt, die zu Erdbeben führt.

Portugal: Behörden geben Warnungen für Azoren-Inseln heraus

„Alles könnte passieren, nichts könnte passieren“, sagte der Präsident der Regionalregierung der Azoren, José Manuel Bolieiro, über die Vulkanaktivitäten auf der Insel São Jorge. Die Regionalregierung bereitet derweil einen Evakuierungsplan für die 8300 Bewohner:innen vor. „Die Situation ist besorgniserregend, denn das gesamte Epizentrum dieser Erdbeben liegt auf der Insel und nicht im Meer“, erklärte Bolieiro während eines Besuchs auf São Jorge.

Auch für die anderen Inseln der Azoren hat das portugiesische Institut für Meeres- und Atmosphärenforschung (IPMA) für Samstag (26.03.2022) und Sonntag (27.03.2022) herausgegeben. Die erwarteten starken Regenfälle könnten zusammen mit den anhaltenden kleinen Erdbeben zu Erdrutschen führen. Die Menschen auf der am stärksten betroffenen Insel São Jorge wurden daher aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.

Reaktion auf Vulkan-Aktivität: Auswärtiges Amt rät von „nicht notwendien Reisen“ nach São Jorge ab

Auch die deutsche Bundesregierung hat eine Warnung für die Azoren-Insel herausgegeben. „Aufgrund der seit dem 19. März 2022 auftretenden außergewöhnlich großen Anzahl seismischer Aktivitäten auf São Jorge (Azoren) raten die Behörden der Azoren derzeit vorsorglich von nicht notwendigen Reisen nach São Jorge ab“, heißt es im Reise- und Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amtes für Portugal. Unweit der Azoren sorgte ein Vulkan auf der spanischen Atlantikinsel La Palma für Probleme. (ms)

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