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Farid Mammadov stand beim Eurovision Song Contest 2013 für Aserbaidschan auf der Bühne.

Eurovision Song Contest

Vorwurf der Manipulation

Nach dem Eurovision Song Contest kochen Spekulationen über die Manipulation der ESC-Punktevergabe hoch. Im Internet kursiert ein Video, dass den Kauf von Televotingstimmen für den Beitrag Aserbaidschans zeigt. Betrug im hohen Stil?

Von Elmar Kraushaar

Nach dem Eurovision Song Contest kochen Spekulationen über die Manipulation der ESC-Punktevergabe hoch. Im Internet kursiert ein Video, dass den Kauf von Televotingstimmen für den Beitrag Aserbaidschans zeigt. Betrug im hohen Stil?

Eine Szene wie in einem Wirtschaftskrimi, heimlich gefilmt: Drei Männer und eine Frau sitzen um einen Kaffeehaustisch in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Ihr Thema: der Kauf von Televotingstimmen für den Beitrag Aserbaidschans beim diesjährigen Eurovision Song Contest. Zwei am Tisch bieten nichtsahnend zwei Undercover-Journalisten der litauischen Gratiszeitung 15minutes.lt Geld und Handys dafür, dass sie am ESC-Finalabend ihre Stimme für Farid Mammadov abgeben, dem diesjährigen Vertreter Aserbaidschans.

So würden jeweils Gruppen bis zu zehn Personen gekauft und Stimmabgaben in 15 europäischen Ländern organisiert, erklärt einer, der sich Sergei nennt, vor allem in den baltischen Staaten aber auch in der Ukraine, Kroatien und der Schweiz.

Diese Geschichte kursiert im Netz, das Video inklusive. Eine Bestätigung für die Echtheit gibt es bislang nicht, aber vorstellbar ist diese Art der Manipulation durchaus. Der ESC-Veranstalter, die European Broadcasting Union, hat inzwischen reagiert: „Wir schauen uns diesen Fall genau an, möchten aber betonen, dass weiterhin unklar ist, welche Absichten diese Leute verfolgen.“ Bislang sei eine Verbindung nach Aserbaidschan nicht nachzuweisen.

Plagiatsvorwürfe und Verschwörungstheorien

Vorsicht ist also geboten, denn die Verschwörungstheorien gehören nach einem ESC genau so dazu, wie die Plagiatsvorwürfe davor. Einige Länder, die nicht zu den Siegern gehören, lecken ihre Wunden – und das auf mitunter kuriose Weise. So machte ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber die Krisenpolitik von Angela Merkel für das deutsche Desaster mit verantwortlich. Das mazedonische Duo Esma & Lozano, das den Sprung ins Finale verpasste, bezichtige dafür wiederum eine Art Schwulenmafia. Die Roma-Sängerin Esma Redzepova sagte der serbischen Zeitung Kurir: „Die ganze Veranstaltung wurde von jenen gekapert, die weltweite Schwulenparaden organisieren. Ich hatte davon gehört, aber jetzt habe ich es mit eigenen Augen gesehen.“ Ihr Duettpartner Lozano hätte kaum das Hotel verlassen können, ohne dass man ihn sofort begrapschte.

In Russland wird die ESC-Punktevergabe gar zur hochpolitischen Affäre. Außenminister Sergej Lawrow warf Aserbaidschan „Stimmenraub“ vor, die russische Kandidatin Dina Garipowa hatte aus dem Nachbarland keinen einzigen Punkt erhalten. Nach einem Treffen zwischen Lawrow und seinem aserbaidschanischen Amtskollegen Elmar Mamedjarow versprach er Aufklärung. Aserbaidschans Präsident Ilcham Alijew hatte sich zuvor bereits „ernstlich besorgt“ über die fehlenden Punkte aus seinem Land für Russland gezeigt. Jetzt will man in Aserbaidschan noch einmal die Televotingstimmen nachzählen.

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