Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zentralafrika

Ein Volk auf der Suche nach seiner Identität

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
    schließen

Ursprünglich lebten die Pygmäen in Zentralafrika von der Jagd. Doch seit Anfang der 1990er Jahre dürfen sie nur noch wenige Tiere erlegen. Ihre jahrtausendealten Traditionen drohen in Vergessenheit zu geraten.

Zuallererst sind die aus dem Dorf mitgebrachten bösen Geister zu verjagen. Dazu bildet die Gruppe der auffallend kleingewachsenen Menschen auf einem freien Fleck mitten im Urwald einen Kreis um einen Stamm, an dem sie zuvor die Blätter eines Dschungelriesen festgemacht haben. Auf diese schlagen sie nun mit Zweigen ein und lachen, als ob sie die Geister außer mit ihren Schlägen auch noch mit ihrem Gespött vertreiben müssten. Dann kann es losgehen.

Lautlos spannen mehrere junge Männer aus Lianen-Fasern geflochtene Netze um ein dicht bewachsenes Dschungelareal. Plötzlich bricht Zeter und Mordio aus: „Ouaho, ouaho“, schreien die Männer, „ijeii, ijeii“, kreischen die Frauen. Wenn alles mit rechten Dingen zuginge, würde sich jetzt das Netz mit aus dem Unterholz aufgescheuchten Tieren füllen – kleinen Waldantilopen, Buschschweinen oder Mangusten. Doch hier im zentralafrikanischen Dschungel geht nichts mehr mit rechten Dingen zu: Das Netz bleibt leer. Beim ersten, beim zweiten und beim dritten Anlauf.

Für das Missgeschick sei wohl der Tod eines Jungen aus dem Dorf verantwortlich zu machen, meint der grauhaarige Bernard Welela, der sein Alter nicht in Jahren auszudrücken weiß, aber bei der Unabhängigkeit des Landes vor 57 Jahren bereits ein gestandener Mann gewesen sein will. Der Junge war kürzlich im Sangha-Fluss ertrunken, nachdem er das Schmerzmittel Tramadol zu sich genommen hatte, das in den Dörfern der BaAka als verblüffend billiges Rauschmittel grassiert. Die Geister eines verunglückten Menschen könnten ohne Weiteres eine Jagd scheitern lassen, meint Bernard Welela. Doch auch er weiß, dass für die leeren Netze weniger der tote Junge als der tote Wald verantwortlich ist. „Dschengi ist verschwunden“, klagt die betagte Kräuterfrau Henriette Memba: Jetzt müssen die BaAka ohne den guten Waldgeist auskommen, der zwischen ihnen und dem mächtigen Gott Komba wie Jesus bei den Christen zu vermitteln hat.

Von ihrem Mentor alleingelassen, fristen die einst Pygmäen genannten Waldbewohner in der schwer zugänglichen Dreiländerregion zwischen der Zentralafrikanischen Republik, der Republik Kongo und Kamerun ein trauriges Dasein. Über Jahrtausende hinweg waren sie am nördlichen Rand des Kongobeckens auf geschickteste Weise ihrem halbnomadischen Dschungelleben nachgegangen – jagten außer mit Netzen auch mit Speeren und Pfeil und Bogen, kletterten auf Bäume, um sich Honig zu holen, und wussten, wo die besten Fruchtbäume standen. Doch aus den genialen Jägern und Sammlern ist inzwischen ein verlorenes Völkchen geworden: Vierzig Jahre der Entwurzelung und Entwürdigung haben mit dem physischen auch das psychische Wohlbefinden der kleinen Waldbewohner ausradiert. Naturschutzorganisationen wie dem Worldwide Fund for Nature (WWF) wird vorgeworfen, ihre westlich ausgerichteten Schutzbemühungen gegen die Interessen der BaAka durchgesetzt zu haben. Die aus ihrer ursprünglichen Umgebung vertriebenen Urbewohner seien wie Unkraut am Wegrand abgeworfen worden, heißt es.

Tatsächlich macht Babongo genau diesen Eindruck. Das BaAka-Dorf besteht aus ein paar schiefen Hütten aus Ästen und Gras, in deren Innern in der Regel nicht mehr als eine Strohmatte zum Schlafen und ein vom Feuer geschwärzter Kochtopf zu finden ist. Aus Mangel an Kleidern laufen viele Frauen barbusig herum, während ihre Kinder die hellen Haare und aufgedunsenen Bäuche von Mangelernährten aufweisen. Nicht wenige haben von den Larven der Sandflöhe zerfressene Füße: Die Plage wird neben der Armut auch der Sesshaftigkeit der einstigen Halbnomaden zugeschrieben. Sie könne die für die Behandlung der Parasiten in der Klinik verlangten drei Dollar beim besten Willen nicht aufbringen, sagt eine alte Frau, die die zweijährige Tochter ihrer verstorbenen Nachbarin auf dem Arm hält.

Ihren Unterhalt verdienen die Einwohner Babongos, indem sie auf den Feldern der Sangha-Sangha arbeiten, den Angehörigen eines Bantu-Volks, die bereits seit Hunderten von Jahren als Fischer an den Flüssen in der Dreiländerregion leben. Für ihre Arbeit verdienen die BaAka nicht einmal einen Euro am Tag. Kein Wunder, dass es zwischen ihnen und den Sangha-Sangha immer wieder zu Konflikten kommt. Auch früher waren ihre Beziehungen nicht gerade herzlich, aber zumindest nicht feindselig: Den „Pygmäen“ gehörte der Wald, den „Bantus“ die Flüsse.

Bis Anfang der 1970er Jahr alles aus der Balance geriet. Ausländische Firmen stießen in die Region vor, um kostbare Tropenhölzer zu fällen. Dazu mussten Straßen in den Dschungel gehauen und Waldarbeiter vor Ort gebracht werden. Die Arbeiter ernährten sich von Wildtieren, die sie mit ihren Gewehren und Tausenden von Fallen erlegten – bald wurde das „Buschfleisch“ im ganzen Land verkauft. Aus manchen Regionen des Kongobeckens schleppten Wilderer täglich bis zu 500 getötete Affen. Allmählich leerte sich der Urwald von seinen vierbeinigen Bewohnern. Kein Wunder, dass die Beziehungen zwischen den BaAka und den Waldarbeitern immer miserabler wurden. Die zugezogenen Bantus betrachteten die Pygmäen als durch den Wald streunende Untermenschen, die man bei einem Streit folgenlos über den Haufen schießen konnte.

„Buschfleisch-Mafia“ ruft WWF auf den Plan

In Yondo leben BaAka und Bilos, wie die Bantus hier genannt werden, zusammen. Ihre Kinder besuchen dieselbe Grundschule. In den Klassenzimmern ist auf den Tafeln fein säuberlich der Anteil der Bilo- und BaAka-Kinder vermerkt. Kürzlich sei es wieder mal zu einem Streit zwischen einem BaAka- und einem Bilo-Schüler gekommen, erzählen die Eltern. Daraufhin wurde der BaAka-Schüler von der Schule geschmissen. Ihnen wäre es lieber, wenn ihre Schulen und Dörfer getrennt gehalten würden, sagen BaAka-Eltern: Ihre Kinder hätten mit der Bildungseinrichtung ohnehin nur Probleme. Sie hätten oft nicht einmal Schuluniformen und würden immer wieder den Unterricht verpassen, wenn ihre Familien für ein paar Wochen mit ihnen im Wald verschwinden. „Anwesend: 5, abwesend: 11“, ist als Bilanz des heutigen Unterrichtstags auf der Tafel notiert.

Die „Buschfleisch-Mafia“ und ihre Leerung des Urwalds rief in den 1980er Jahren den WWF auf den Plan. Er empfahl der zentralafrikanischen Regierung, die Region am Sangha-Fluss unter Naturschutz zu stellen, was 1992 auch tatsächlich geschah. Weil zufällig zur selben Zeit auch die jugoslawische Holzfirma in der Region ihre Segel strich, warfen die Waldarbeiter dem WWF vor, ihre Arbeitsplätze zu vernichten.

In Wahrheit hatte die Naturschutzorganisation jedoch ein vielschichtiges Nutzungskonzept für die gesamte Dreiländerregion ausgearbeitet, das auf zentralafrikanischer Seite die Etablierung eines voll geschützten Nationalparks – den über 1200 Quadratkilometer großen Dzanga-Sangha-Park – sowie eine fast dreimal so große Pufferzone vorsah. In dieser Zone sollten Holzfirmen auf nachhaltige Weise Bäume fällen und Menschen mit Jagdschein in begrenztem Umfang Tiere schießen dürfen. Den BaAka war die Jagd auch ohne Schein erlaubt: Allerdings nur noch in der Pufferzone und nur auf traditionelle Weise – also mit Speeren, Netzen oder Pfeil und Bogen.

Im Nationalpark selbst dürfen die Ur-Waldbewohner seither nur noch Kräuter und Früchte sammeln oder an ihren heiligen Orten Rituale zelebrieren. Hier sollen sich die unter Stress geratenen Tiere erholen können, allen voran die seltenen Waldelefanten und die noch selteneren Flachland-Gorillas. Zwar waren die BaAka damit von ihren besten Jagdgründen abgeschnitten. Doch hätte die Buschfleisch-Mafia weiter unbehelligt die Tierwelt massakrieren können, wären die Jäger und Sammler heute noch viel schlimmer dran, gibt WWF-Mann Johannes Kirchgatter zu bedenken.

„Die Ausweisung der Schutzgebiete hätte mit der Bevölkerung womöglich besser abgestimmt werden sollen“, räumt der Afrika-Referent der deutschen Sektion der Naturschutzorganisation ein. Als Kirchgatter vor zehn Jahren mit seiner Arbeit in der Region begann, vegetierten die BaAka in trostlosen Dörfern in der Pufferzone vor sich hin, konnten ihre Jäger in der intensiv bejagten Pufferzone kaum noch Tiere finden, und wer sich bei der Jagd im Nationalpark erwischen ließ, wurde verprügelt oder festgenommen. Das über Jahrtausende angesammelte Wissen der BaAka von den Gepflogenheiten der Tiere und der Heilkraft unzähliger Pflanzen drohte mit den Überlebensstrategien der Jäger und Sammler und ihrer einzigartigen Musik verloren zu gehen. Die Identität eines der ältesten Völker der Welt stand auf dem Spiel.

Kirchgatter alarmierte den in Deutschland lebenden Peruaner Eduardo Noriega, der außer im Amazonas-Gebiet auch schon in anderen Teilen der Welt Erfahrungen mit dem Schicksal autochthoner Völker gesammelt hatte. Als der Gründer der Organisation „OrigiNations“ zum ersten Mal in den zentralafrikanischen Urwald kam, stach ihm weniger die unter den BaAkas herrschende Armut in die Augen („die habe ich auch anderswo zu Gesicht bekommen“), als der Grad der Diskriminierung, dem sich die Waldbewohner ausgesetzt sahen. „Das war hier so extrem wie nirgendwo anders.“

Noriegas Ziel: Erst einmal das geschundene Selbstbewusstsein der BaAka zu stärken. Die Jäger und Sammler sollten sich nicht länger nur als machtlose, in eine feindliche Welt katapultierte Opfer, sondern als Entscheidungen treffende Subjekte betrachten können. „Das Leben der BaAka wird nie mehr so sein, wie es einmal war“, sagt der ausgebildete Architekt: „Den einstigen Waldbewohnern müssen neue Wege eröffnet werden.“

Zunächst regte Noriega die Gründung einer auf den Namen Ndjima-Kali getauften Jugendgruppe an – nach dem BaAka-Wort für Wald und dem Songha-Wort für Fluss. Der Gruppe gehören sowohl junge Bilos wie BaAka an: Hier sollen sie sich gegenseitig und ihre vom Vergessen bedrohten Traditionen besser kennen lernen. Zu diesem Zweck stoßen immer wieder erfahrene Älteste zu den Jugendlichen, die ihnen zeigen, wie sie mit Hilfe einer Liane auf einen 20 Meter hohen Baum steigen, gegen Schlangengift wirkende Pflanzen finden und die Rituale ihrer Vorfahren feiern können. Kürzlich begab sich die Gruppe in einem riesigen ausgehöhlten Einbaum auf dem Sangha-Fluss in den Kongo, um dort nach alten Verwandten der Waldbewohner zu fahnden.

Béatrice Babona und Line-Adora Konga sind beide 24 Jahre alt, hochschwanger und gehen trotzdem noch zur Schule. Die kleine Béatrice will später einmal Französisch-Lehrerin werden, Line-Adora, eine Bilo, träumt von einem Leben als Rechtsanwältin. Die Freundinnen wuchsen in einer Welt auf, in der die Vormachtstellung der Bilo selbstverständlich war. Line-Adoras Eltern hielten eine BaAka-Familie als unbezahlte Hausangestellte, woanders würde man sie Sklaven nennen. Heute sieht Line-Adora die kleinwüchsigen Waldbewohner als ebenbürtig an, wobei ihr zweifellos auch das Selbstbewusstsein ihrer Freundin half. „Ich bin stolz, eine BaAka zu sein“, sagt Béatrice: „Wir wissen so viel von unserem Wald, dass die Bilos in Wahrheit auf uns neidisch sind.“

Sämtlich BaAka der Ndjima-Kali-Gruppe besuchen die Schule, viele wollen Abitur machen und später zumindest vorübergehend mal in der Hauptstadt leben. Trotzdem möchten sie ihre Herkunft, ihre Rituale und Gesänge nicht vergessen und wissen, welche Kräuter sie ihren Kindern im Krankheitsfall verabreichen können. Auch halten sie die Einrichtung des Nationalparks für eine gute Sache, obwohl ihnen diese die Jagdgründe beschnitten hat. „Anders wäre der Wald vollends zerstört worden“, sagt Béatrice. Die Gymnasiastin kennt allerdings auch die Klagen ihrer Landsleute: Dass der illegalen Jagd verdächtigte BaAka immer wieder von Wildhütern verprügelt werden, geschützte Elefanten die ungeschützten Felder der BaAka zertrampeln und die ehemaligen Waldbewohner vom ohnehin kümmerlichen Tourismus viel zu wenig profitieren. Als in der Zentralafrikanischen Republik vor gut vier Jahren ein Bürgerkrieg ausbrach, blieben ausländische Besucher lange ganz weg. Erst allmählich wagen sich die Ersten wieder in den Dschungel zurück.

Barthelemie Ngabanda hat einen Traumjob ergattert. Der rund 40-jährige BaAka pflegt ausländische Forscher und Touristen zu einer der vier an Menschen gewöhnten Gorilla-Familien im Dzanga-Sangha-Park zu führen. Dazu muss er Spuren lesen können und den Wald wie seine Handfläche kennen. Letzteres hat ihm sein Großvater, ein weithin bekannter Gorilla-Jäger, beigebracht. Die BaAka jagten die Menschenaffen sowohl ihres Fleisches wie ihres Hautfetts wegen, das sich Männer zur Anregung des Haarwuchses auf den Körper schmierten. Heute werden die vier an Menschen gewöhnten Gorilla-Gruppen zum Schutz vor Wilderern Tag für Tag von einem Ranger-Team begleitet.

Trotzdem kommt es immer wieder zu Jagdvergehen. Im vergangenen Juni wurde das zwölfjährige Gorillamännchen Sosa von einem Wilderer erschossen. Auch auf Elefanten hat es die nach wie vor aktive Buschmafia abgesehen: In den vergangenen zehn Jahren brachten Elfenbeinjäger mehr als hundert Dickhäuter im Dzanga-Sangha-Park um, insgesamt wurden die seltenen afrikanischen Waldelefanten im selben Zeitraum um 60 Prozent dezimiert.

Die BaAka dienen den Schlächtern nicht selten als Tracker: Manchmal werden sie regelrecht dazu gezwungen, manchmal mit minimalen Geldbeträgen geködert. Als der berüchtigte Wilderer-Pate „Kabila“ im vergangenen Jahr gefasst wurde, befanden sich zwei BaAka-Spurensucher in seiner Begleitung: Sie bekamen für ihre Dienste drei Dollar. Für die Stoßzähne eines Waldelefanten werden auf dem Schwarzmarkt gut 400 000 Dollar bezahlt.

Makumba lässt sich offenbar gerne suchen. Der 38-jährige Silberrücken hat sich mit seinen zwei Frauen und vier Kindern in die abgelegenste Ecke des Parks verzogen. Dort mustert er die Besucher mit nur mäßigem Interesse, viel wichtiger ist ihm die mangoähnliche Frucht in seiner Hand. Überhaupt lässt sich die Familie in ihrem Affenalltag kaum stören: Der neunjährige Tempo spielt mit Mangaben-Äffchen, die siebenjährige Sopo kratzt sich am Bauch. Nur Mutter Malui ist nervös, was an den auf ihrem Rücken mitgeschleppten Schätzen liegt: Einjährige, unter Gorillas äußerst seltene Zwillinge. Ngabanda war der erste, der die beiden Geschwister nach der Geburt zu Gesicht bekam: „So etwas hatte noch keiner von uns zuvor gesehen.“

Er werde um seinen Beruf von allen beneidet, fährt Ngabanda fort: Schließlich kann er sich den ganzen Tag im Wald aufhalten und bringt sogar noch Geld mit nach Hause. Sie wollten keinesfalls, dass die Naturschützer verschwinden, widerspricht Gabriel Mabeli, BaAka-Bürgermeister von Mossapoula, einer von der Londoner Organisation „Survival International“ in die Welt gesetzten Behauptung: „Wir wollen vielmehr, dass der WWF uns mehr Jobs verschafft.“

Immerhin richtete WWF-Mann Kirchgatter inzwischen ein vom Bonner Entwicklungsministerium finanziertes Menschenrechtsbüro ein, an das sich von Wildhütern misshandelte BaAka wenden können. Bald soll auch eine mobile Gesundheitsstation durch die zwölf in der Schutzzone liegenden Dörfer rollen, um unter anderem den Kampf gegen die Sandflohlarven aufzunehmen. Schließlich könnten auch mehr Tracker wie Ngabanda einen Job bekommen, wenn endlich wieder mehr Touristen in den Dschungel kämen. Für Kirchgatter wäre es unerträglich, sollten ausgerechnet jene, die Tausende von Jahre lang das grüne Paradies am Leben erhielten, unter dessen Schutz am meisten leiden: „Wir schulden den BaAka viel.“

Zumindest gelegentlich scheint die Welt für einige ihre ältesten Bewohner doch noch in Ordnung zu sein – wenn die BaAka zu ihren heiligen Plätzen im tiefsten Wald verschwinden, um ihre Rituale zu feiern. Dann geben ihre Trommeln einen gehetzten, raffinierten Rhythmus vor, während ihre Saiteninstrumente betörend monotone Melodien von sich geben, die aus den Schoß der Zeit zu kommen scheinen. Und wenn sich dann die Stimmen der Frauen, die mal wie ausgelassene gregorianische Gesänge, mal wie alpenländisches Jodeln klingen, mit den unzähligen Lauten aus dem Urwald vermischen, dann schöpft auch Kräuterfrau Henriette Memba wieder die Hoffnung, dass Dschengi vielleicht doch nicht verschwunden ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare