So soll’s werden: Eine Skizze des Kunstprojekts besteht bereits. Christo and Jeanne-Claude/AFP
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So soll’s werden: Eine Skizze des Kunstprojekts besteht bereits.

Paris

Vögel durchkreuzen Christos Pläne

  • vonBirgit Holzer
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Eigentlich wollte der weltberühmte Künstler im Frühjahr den Pariser Triumphbogen verhüllen. Daraus wird nichts: Um die nistenden Turmfalken nicht zu stören, wird das Projekt erst im Herbst realisiert.

Der Turmfalke ist nicht nur ein Wald- und Steppenbewohner. Auch in Städten kann der Vogel sich einrichten – wenn er denn Nahrung in Parks und Nistmöglichkeiten in Mauernischen findet. Alte Bauwerke, von Kirchtürmen bis zu historischen Denkmälern zum Beispiel, eignen sich hierfür besonders gut. So haust der Turmfalke in Paris, wo die Kathedrale Notre-Dame seit dem Brand vorüber unbewohnbar geworden ist, unter anderem im Eiffelturm, in der Basilika Sacré-Coeur – oder eben im Triumphbogen.

Dort ist er eigentlich auch überaus willkommen, ja, man legt sogar Wert darauf, dass die Tiere zwischen April und August ihren Nachwuchs in Ruhe ausbrüten und großziehen können. Kunst-Aktionen können dann auch einmal zurückgestellt werden, selbst wenn sie von noch so legendären Künstlern erdacht wurden.

Eben deshalb entschied das Zentrum der nationalen Monumente CMN im Einklang mit der französischen Liga für Vogelschutz LPO die Verschiebung der Verhüllung des Triumphbogens durch den Künstler Christo. Ursprünglich war sie ausgerechnet zu Beginn der Brut- und Nistzeit der Turmfalken geplant. Doch anstatt im April wird das Bauwerk nun erst von 19. September bis 4. Oktober 2020 mit 25 000 Quadratmetern recycelbarem Polypropylengewebe in silberblauer Farbe eingepackt und mit einer 7000 Meter langen roten Kordel verschnürt.

Schon vorab, nämlich vom 18. März bis 15. Juni 2020, zeigt das Centre Pompidou eine Ausstellung über die Pariser Zeit von Christo und seiner inzwischen verstorbenen Ehefrau Jeanne-Claude, die sich 1958 in der französischen Hauptstadt kennenlernten und hier mehrere Projekte planten (aber nicht alle davon realisierten), bis sie 1964 nach New York zogen.

Der will’s machen: Christo ist für seine Verhüllungen bekannt. afp

Aufgezeigt wird in der Ausstellung auch die wechselhafte Geschichte ihres wohl wichtigsten Pariser Projektes, nämlich der Verhüllung der ältesten Seine-Brücke Pont Neuf vor genau 35 Jahren. Aufgrund des heftigen Widerstands gegen diese Idee dauerte es insgesamt zehn Jahre, bis sie es endlich realisierten und im September 1985 mehr als 40 000 Quadratmeter schimmernden Gewebes die Seitenflächen und Gewölbe der zwölf Brückenbögen sowie die angrenzenden Gehwege und Straßenlampen bedeckten.

Bereits zuvor, schon ab den 60er Jahren, hatte Christo, der ein kleines Appartement in der Nähe des Triumphbogens mietete, Studien für die Verhüllung dieses Gebäudes gemacht, darunter eine Fotomontage, die ihn von einer der sternförmig auf ihn zulaufenden Straßen, der Avenue Foch, aus zeigte. Fast 60 Jahre später konkretisiert er die Idee. Dem Zentrum der nationalen Monumente CMN zufolge wird der Arc de Triomphe auch während der Zeit seiner Verhüllung für das Publikum zugänglich bleiben und die „Flamme der Nation“ vor dem Grab des Unbekannten Soldaten weiter brennen, das sich dort befindet und das beim Gedenktag zum Kriegsende gewürdigt wird.

Wie bereits beim Projekt der Brücke Pont Neuf finanziert sich auch beim Triumphbogen die Verhüllung vollständig durch den Verkauf von Skizzen, Zeichnungen und Collagen von dem Projekt sowie von Original-Lithografien und Werken der 50er und 60er Jahre. Damals übrigens kümmerte das Schicksal der tierischen Bewohner der Monumente noch herzlich wenig; anders als in heutigen Zeiten. Nun haben Turmfalken und ihre Nistzeiten Vorrang vor noch so schönen künstlerischen Ideen.

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