Adventskalender

Viva Banana

FR-Adventskalender, 21.12.: Heute geht es ab in die Bananenrepublik.

Welches Spiel bot sich Anfang der 1990er für ehemalige Hausbesetzer mehr an als eines, das in einer Bananenrepublik spielt? Und bei dem es darum geht, als Präsident der fiktiven, hochgradig korrupten „Republica las Bananas“ möglichst viel Entwicklungshilfegeld auf sein Schweizer Bankkonto zu transferieren? Diese Gelder kamen, natürlich, von einer „Großmacht, die keine Fragen stellt“. 

Und alles läuft auch genau so, wie man sich das in einer Bananenrepublik vorstellt. Kaum ist man als Präsident aus den Reihen der herrschenden Familien gewählt und hat stilgerecht die dunkle Sonnenbrille angezogen, geht es darum, sich seiner Minister mit Geldgeschenken zu versichern. Das nennt sich „Haushaltsberatung“ und endet entweder mit Zustimmung oder mündet in einen Militärputsch. Auch können zusätzlich Attentäterkarten gezogen werden, um die Dinge zu beschleunigen.

Es hat schon seinen Charme, dem Mitbewohner Harry, mit dem man sich gerade über den WG-Putz gestritten hat, zu sagen: „Ich verübe ein Attentat auf dich!“ Vor allem aber gelingen diese Anschläge nicht immer. Gerade der irre Attentäter hat es in sich, da bei ihm das Risiko besteht, dass er anstelle des Opfers versehentlich seinen Auftraggeber ins Jenseits befördert. 

Dazu gibt es Bauernaufstände, Journalisten, christliche Milizen, Leninisten und vieles mehr, was das Leben des Bananero so richtig interessant macht. Aber egal, am Ende wird auf jeden Fall geputscht. Entweder beteiligt man sich an den Kämpfen aufseiten der Regierung oder Putschisten – oder setzt sich über eine der auf dem Spielfeld befindlichen Botschaften ins Exil ab. Zwecks Verprassen der hinterzogenen Gelder.

Und in der nächsten Runde verteilt dann entweder der alte oder ein neuer Präsident die Entwicklungshilfe.

Gleichwohl ist „Junta“ eines von diesen Spielen, für die es gute Argumente braucht. Bei sechs oder sieben benötigten Mitspielern, einer Spielzeit von um die vier Stunden und einem opulenten Regelwerk ist es kein Spiel für zwischendrin. Es gibt zwar auch Regelvarianten für zwei oder drei Spieler, aber so richtig Spaß macht das eigentlich erst in großer Runde. Irgendwie erinnerte die Organisation eines solchen Spieleabends dann an die Aufgabe, sieben Leute für einen Umzug zusammenzubekommen. Alle würden ja gerne helfen, aber die Hälfte hat es am Rücken. Und so fand „Junta“ dann auch einen Dauerparkplatz in meinem Bücherregal.

Aber zu Weihnachten habe ich mir nun die vor einiger Zeit erschienene Kartenspielvariante geschenkt. Geht angeblich schneller und soll als Einstiegsdroge wunderbar funktionieren. Dann kann ich ja vielleicht bei Gelegenheit doch noch mal wieder mein historisches Original hervorzaubern …

„Junta: Viva el Presidente“ kostet im Handel rund 30 Euro.

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