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Vertuschungsvorwürfe gegen Drosten: Virologe kontert – und erhält Applaus

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Von: Sophia Lother

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Virologe Christian Drosten
Virologe Christian Drosten auf der Bundespressekonferenz. © Emmanuele Contini/Imago

Woher stammt das Coronavirus? Ein Physiker wirft Christian Drosten Vertuschung vor. Das lässt der Virologe nicht auf sich sitzen.

Update von Freitag, 04.02.2022, 16.30 Uhr: Das Interview mit dem Physiker Roland Wiesendanger im Magazin Cicero hat im Netz eine Welle der Entrüstung ausgelöst. Darin warf Wiesendanger Christian Drosten Vertuschung vor. Gemeinsam mit anderen Forschenden soll der Virologe an der Verschleierung der Coronavirus-Herkunft beteiligt gewesen sein. Auf Twitter trendete daraufhin der Hashtag #SolidaritaetMitDrosten. Viele Nutzerinnen und Nutzer stellten sich auf die Seite des Institutsdirektors am Berliner Charité. Drosten konterte die Vorwürfe (s. Erstmeldung). Unter anderem bezeichnete er den Physiker Wisendanger als „Extremcharakter“.

Nun hat sich auch Cicero zu Wort gemeldet. Auf Twitter kritisierte das Magazin die von Drosten genutzte Bezeichnung von Wiesendanger. Außerdem schlug das Magazin dem Virologen an, ein „Streitgespräch“ zwischen beiden Forschern zu organisieren und zu dokumentieren.

Corona-Ursprung: Virologe Christian Drosten kontert Vertuschungsvorwürfe

Erstmeldung von Freitag, 04.02.2022, 09.30 Uhr: Frankfurt – Virologe Christian Drosten muss sich nahezu täglich heftigen Gegenwind gefallen lassen. Denn neben seiner Professur am Charité in Berlin ist er auch Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung in Sachen Corona-Krise. Auch ist Drosten sich nicht zu schade, seine Meinung in Interviews, Podcasts und immer wieder auf Twitter mit scharfen Worten zu vertreten. Das macht ihn zur Zielscheibe.

So hat vor Kurzem der Virologe Klaus Stöhr Drostens Omikron-Prognose scharf kritisiert und auch mit der Bild-Zeitung geriet der Virologe bereits aneinander. Nun hat das konservative Magazin Cicero ein Interview veröffentlicht, das den Corona-Experten ins Kreuzfeuer nimmt. Im Fokus: die Herkunft des Coronavirus.

Virologe Christian Drosten in der Kritik – Physiker wirft ihm Irreführung in der Corona-Pandemie vor

Mit großen Lettern titelt das Magazin in seiner Onlineausgabe, dass Drosten Politik und Medien in die Irre geführt habe. Dabei handelt es sich um ein Zitat von Roland Wiesendanger, einem Physiker der Universität Hamburg. Wiesendranger wirft Drosten im Interview Verschleierung vor. Zusammen mit US-Virologen Anthony Fauci und anderen Forschenden habe er die Herkunft des Coronavirus vertuscht. Der wahrscheinlichste Ursprung liege nämlich in einem Labor in Wuhan, so der Physiker.

Fakt ist: Über den Ursprung des Coronavirus gibt es nicht nur eine, sondern viele zahlreiche, unterschiedliche Theorien. Immer wieder wird die Herkunft von Sars-CoV-2 durch Politikerinnen und Politiker sowie durch Staaten instrumentalisiert. Die Mehrheit der Forschenden weltweit geht jedoch, nach Untersuchungen der WHO, von einem sehr wahrscheinlichen tierischen Ursprung aus. Ein Laborunfall, wie ihn auch Donald Trump immer wieder ins Spiel brachte, halten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit hingegen für unwahrscheinlich.

Auch Christian Drosten hat sich bereits zu einem möglichen Ursprung des Coronavirus geäußert. Im Interview mit dem Magazin Republik aus der Schweiz erklärte er: „Diese Idee eines Forschungs­unfalls ist für mich ausgesprochen unwahrscheinlich, weil es viel zu umständlich wäre“. Schon gar nicht vonseiten des Wuhan-Virologie-Institut, denn dieses sei seriös. Ein tierischer Ursprung des Coronavirus sei deutlich wahrscheinlicher, so der Virologe. Angesichts der Anschuldigungen des Physikers reagiert Drosten – und wehrt sich nun auf Twitter.

Corona-Ursprung: Virologe Drosten reagiert auf Vorwürfe

„Cicero bietet einem Extremcharakter die Bühne und provoziert persönliche Angriffe gegen mich durch suggestive Fragen“, betont der Wissenschaftler in einem Tweet und wird deutlich: „Antworten werden im Andeutungs- und Wertungsbereich stehengelassen, belastbaren Tatsachenbehauptungen ausgewichen. Das ist kein Interview, sondern ein Vorkommnis.“ Zudem stach Drosten ein weiterer Aspekt ins Auge: „Auch auffällig: in der NZZ (Neue Zürcher Zeitung, Anm. d. Red.) ist zeitgleich ein bis hin zu Formulierungen inhaltsgleiches Interview erschienen. Betreibt hier jemand eine Kampagne?“.

Auf Twitter entbrannte anschließend eine Diskussion um die Anschuldigungen gegenüber Drosten. So kommentierte beispielsweise Johanna Soll, unter anderem Autorin für die FR: „Hierbei handelt es sich um eine Tatsachenbehauptung. Wenn diese falsch ist, kann man rechtlich dagegen vorgehen. Diffamierungen sollten [...] nicht einfach hingenommen werden.“

Herkunft des Coronavirus: Kritik an Christian Drosten – Diskussion auf Twitter

„Aus gegebenem Anlass“, teilte Drosten im Anschluss den im Fachmagazin Lancet veröffentlichten Aufruf, den er mit vielen weiteren Fachleuten veröffentlichte. In diesem stellten sich die Expertinnen und Experten gegen Verschwörungstheorien und Mutmaßungen zum Ursprung des Coronavirus. Nur die Wissenschaft könne erklären, woher das Virus stamme.(slo)

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