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Hitze

Der Hitzerekord ist geknackt 

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Auch die Dürre des vergangenen Jahres und ein schwächerer Jetstream treiben die Hitze.

Update, 26. Juni, 17:12 Uhr: Der Hitzerekord ist geknackt - im brandenburgischen Coschen an der deutsch-polnischen Grenze wurden um 14.50 Uhr satte 38,6 Grad gemessen. Nie war es in einem Juni hierzulande heißer, berichtet der Deutsche Wetterdienst. Den bisherigen Juni-Höchstwert hatten Meteorologen 1947 mit 38,5 Grad im baden-württembergischen Bühlertal erfasst.

Meteorologen warnen vor Hitze 

Ärzte warnen davor, sich draußen zu sehr anzustrengen, Zeitungen schreiben über die „kühlsten Orte der Stadt“ und der Deutsche Wetterdienst empfiehlt gar scherzhaft, zur Abkühlung auf eine 1500 Meter hoch gelegene Alm zu fliehen: Wir sind wieder mitten in einer Hitzewelle. Am heutigen Mittwoch soll es örtlich bis zu 38 Grad warm werden.

Bei einer Klimaerwärmung um zwei Grad könnte es Hitzesommer wie den im vergangenen Jahr so gut wie jedes Jahr geben, das haben Studien gezeigt. Ist also auch dieses Jahr der Klimawandel schuld? „Wir können eine einzelne Hitzewelle nicht auf den Klimawandel zurückführen“, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst der FR. „Aber dass wir in immer dichterer Folge Rekorde brechen, ist sicher auch teilweise auf den Klimawandel zurückzuführen.“

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Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sagt: „Wetterdaten zeigen, dass Hitzewellen und andere Wetterextreme in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen haben.“ Die heißesten Sommer seit dem Jahr 1500 hätten alle seit der letzten Jahrhundertwende gelegen, nämlich in den Jahren 2002, 2003, 2010, 2016 und 2018.

„Monatliche Hitzerekorde auf der ganzen Welt treten heute fünfmal häufiger auf, als es bei einem stabilen Klima der Fall wäre“, so Rahmstorf. Diese Zunahme entspreche dem, was die Klimawissenschaft als Folge der globalen Erwärmung vorhersagt hatte.

Den Hitzesommer im vergangenen Jahr erklären Wissenschaftler auch damit, dass der Jetstream schwächer wird, eine Höhenwindströmung, die Wettergebiete rund um die Erde transportiert. Die Arktis erwärmt sich viel schneller als die mittleren Breiten, wodurch der Temperaturunterschied kleiner wird. Der Jetstream wird durch diese Unterschiede gesteuert und verlangsamt sich also.

Trockene Böden kühlen nicht

Deshalb halten Wetterlagen länger an. „Die aktuelle Situation ist typisch für extreme Hitzewellen in Europa“, erklärt Kai Kornhuber vom PIK. Ähnliche Muster im Jetstream habe es auch Ende Juni vergangenen Jahres sowie in den Hitzesommern 2003, 2006 und 2015 gegeben. „Wie lange die Hitze anhalten wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt aber nur schwer einschätzen.“

Ein Faktor, der eine Hitzewelle in diesem Jahr wahrscheinlicher macht als im vergangenen Jahr, ist die Trockenheit. „Die Böden haben sich von der Dürre im vergangenen Jahr noch nicht erholt“, sagt Kornhuber. Verdunstung von Bodenfeuchte sei ein wichtiger Mechanismus, der zur Kühlung während Warmzeiten beiträgt. „Trockene Böden erhöhen das Risiko für Hitzewellen.“

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Friedrich beruhigt ein bisschen. Zwar sei jetzt der Jetstream nach Norden verschoben. Das führe dazu, dass uns eine südliche Luftströmung heiße Saharaluft bringt. „Ich würde aber nichts darauf geben, dass das jetzt so weitergeht. Es kann gut sein, dass der Jetstream sich ab Montag wieder nach Mitteleuropa verschiebt und kühleres Wetter bringt.“

Die derzeitige Hitze ist nach seiner Einschätzung auch nicht so sehr mit dem vergangenen Jahr vergleichbar, als vor allem die Dürre ein Thema war. „Es ist eher vergleichbar mit 2003 und 2015“, sagt Friedrich. „Wir müssen abwarten, wie es weitergeht.“

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