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„Unwort des Jahres“ 2018

Viele „Unwort“-Vorschläge drehen sich um Flüchtlingspolitik

Von „Lügenpresse“ bis „Alternative Fakten“ - eine sprachkritische Jury macht jedes Jahr auf problematische Wortschöpfungen aufmerksam. Beosnders oft tauchen diesmal verbale Entgleisungen zur Flüchtlingspolitik auf.

Die meisten der bislang mehr als 700 Vorschläge für das „Unwort des Jahres“ drehen sich um die Flüchtlingspolitik.

Der von CSU-Politiker Markus Söder benutzte Begriff „Asyltourismus“ sei am häufigsten genannt worden, sagte die Sprecherin der sprachkritischen Jury, Nina Janich, der Deutschen Presse-Agentur in Darmstadt. Aber nicht nur der heutige bayerische Ministerpräsident erregte Anstoß. Auch die von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gebrauchte Formulierung „Anti-Abschiebe-Industrie“ ist unter den Einsendungen.

Ebenso wie die „Abschiebeverhinderungsindustrie“, eine Wortschöpfung, die dem Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, zugeschrieben werde. Vorgeschlagen wurden zudem „Flüchtlingsindustrie“ und „sicherheitsgefährdende Schutzsuchende“.

722 Mails und Postsendungen mit 417 verschiedenen Begriffen seien bis Anfang Dezember eingegangen. „Das ist noch ein bisschen wenig. Es kann sein, dass wir die Grenze von 1000 bis zum Jahresende diesmal nicht erreichen“, sagte Janich. Erfreulicherweise seien eine Reihe von Schulklassen unter den Einsendern, die sich im Unterricht auf eine Wortschöpfung geeinigt hätten. Das „Unwort des Jahres“ wird am 15. Januar 2019 verkündet.

Neben dem „Asyltourismus“ sei „DSGVO“ für die europäische Datenschutz-Grundverordnung besonders oft vorgeschlagen worden, sagte Janich. Dies sei jedoch ein klassisches Missverständnis. Die Einsender ärgerten sich eigentlich über die Sache. Die Jury entscheidet aber ohnehin nicht nach der Häufigkeit eines Vorschlags.

Sie kritisiert vielmehr Formulierungen, die „gegen das Prinzip der Menschenwürde“ und „Prinzipien der Demokratie“ verstoßen, weil sie „einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren“ oder „euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend“ sind. Dabei solle nicht unbedingt ein einzelnes Wort herausgestellt werden - wie etwa „Blutaustausch“, mit dem eine Verjüngung von Personal gemeint sei. Die Jury küre in der Regel vielmehr bedenkliche Begriffe, die für einen Trend oder eine Haltung stünden, sagte Janich.

Spannend findet die Sprachwissenschaftlerin beispielsweise den vorgeschlagenen Begriff „Deutungshoheit“, der ähnlich wie „alternativlos“ zwar nicht per se, aber in der politischen Debatte problematisch sei. Im Zusammenhang mit den Protesten gegen den Hambacher Forst stehe „Ökoterrorist“. Auch „Klima-Nazi“ wurde vorgeschlagen, ein Begriff, den die stellvertretende AfD-Bundestagsfraktionschefin Beatrix von Storch verwendet haben solle.

„Gesinnungsterror“ gehe in eine ähnliche Richtung wie die ebenfalls vorgeschlagenen Begriffe „Hypermoralist“ und „Menschrechtsfundamentalist“, sagte Janich. Aus der Gender-Debatte stammt die Formulierung „Feminismus-Flausen“. „Klageindustrie“ sei im Zusammenhang mit dem Verbraucherschutz eingereicht worden. Auch „linksgrünversifft“ wurde vorgeschlagen. (dpa)

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