Prinz Andrew schweigt.
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Prinz Andrew schweigt.

Epstein-Affäre

Wie viel wusste der Prinz?

  • vonKatrin Pribyl
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Verhaftung von Ghislaine Maxwell bringt Prinz Andrew in die Bedrängnis.

Vor einigen Jahren besuchte Elizabeth II. das nordirische Belfast und im Rahmen der Reise auch das Set, an dem „Game of Thrones“ gefilmt wurde. Unter den Serienstars herrschte Aufregung, wie sie eben herrscht, wenn eine royale Aufwartung ansteht, und sie kamen auf die Idee, die Queen zu bitten, sich auf den berühmten Eisernen Thron zu setzen.

Die Monarchin lehnte ab, und das nicht nur, weil es ihr angeblich als Queen des Vereinigten Königreichs nicht erlaubt sei, sich auf einem fremden Thron niederzulassen, sondern vor allem aus Respekt dafür, was der Thron symbolisiere. Was ging wohl der 94-Jährigen nun durch den Kopf, als sie am vergangenen Wochenende das Foto von einer zum royalen Gruß ansetzenden Ghislaine Maxwell auf ihrem eigenen Thron im Buckingham-Palast in der Zeitung sehen musste?

Ausgerechnet jene engste Vertraute des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, die gerade erst in den USA verhaftet wurde, feixte an der Seite von US-Schauspieler Kevin Spacey auf dem pompösen Stuhl der Monarchin. In Großbritannien sorgte das Bild für Empörung angesichts der „Respektlosigkeit“ vonseiten Andrews und seiner Bekannten gegenüber Ihrer Majestät. Der Skandal färbt längst auf die Royals ab, was allein am Lieblingssohn der Königin liegt: Prinz Andrew.

Er war es, der ein enges Verhältnis zu Maxwell pflegte und sie 2002 auf dem Thron seiner Mutter posieren ließ. Aber hatte er auch etwas mit dem Kindesmissbrauchsring seines Freundes Epstein und dessen mutmaßlicher Komplizin zu tun? Das dementiert der Prinz. Auf der Insel grübeln die Royalisten nun, wie der Sohn der Königin weiter vorgehen will. Er stecke in einem Dilemma, heißt es von Beobachterinnen und Beobachtern.

Enger Kontakt zu Epstein

Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft der 58-jährigen Maxwell vor, Epstein beim systematischen Missbrauch von minderjährigen Mädchen unterstützt und manchmal sogar mitgemacht zu haben. Sie habe sich mit den Mädchen angefreundet, deren Vertrauen gewonnen und sie dann dem Milliardär, der sich im August 2019 im Gefängnis das Leben nahm, zugeführt, heißt es in der Klageschrift.

Bislang weigert sich Prinz Andrew, Maxwells Verhaftung zu kommentieren. Dies sei kein guter Zeitpunkt, sich Feinde zu machen, hört man von Palastkennern. Gleichwohl will der Prinz Schaden von der Monarchie abwenden und vor allem seine eigene Reputation retten – oder zumindest das, was davon übrig geblieben ist, nachdem auch er von einer Frau beschuldigt wird, sie als 17-Jährige zum Sex gezwungen zu haben.

Wollte Andrew im letzten Jahr mit einem BBC-Interview den Befreiungsschlag schaffen, endete der Auftritt im PR-Desaster. Seitdem ist der Prinz abgetaucht, musste seine Repräsentantenrolle für das Königshaus ab- und damit alle Privilegien aufgeben. Die Frage ist, ob der 60-Jährige nun mit dem FBI sprechen wird.

Die Behörden wollen ihn zu seiner Beziehung zu Maxwell befragen. Bislang aber zeigte sich der Herzog von York wenig kooperativ. Schon Anfang des Jahres sickerte durch, dass das FBI die Anwälte von Andrew kontaktiert, aber keine Antwort erhalten habe. Mit der Verhaftung von Maxwell ändert sich jedoch die Lage. Wird die Tochter eines britischen Medienmoguls auspacken, um zu versuchen, ihre eigene Haut zu retten? Und wie gefährlich könnten ihre Aussagen dem Prinzen werden?

Die bestens vernetzte Maxwell hatte Epstein und Andrew miteinander bekannt gemacht. Mit dem Investmentbanker führte sie einige Zeit eine Liebesbeziehung. Am 14. Juli soll die Britin per Video zur Anhörung im New Yorker Gericht zugeschaltet werden. „Für ein Partygirl, für das es keine Partys mehr zu besuchen gab“, so der „Guardian“, bedeutet die Verhaftung das Ende eines High-Society-Lebens. Anfang Juli wurde sie in einem laut Polizei „wunderschönen Anwesen“ im US-Bundesstaat New Hampshire festgenommen. Nun drohen ihr bis zu 35 Jahre Gefängnis.

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